Nach sieben Jahren in Ebrach war dieser Montag für Renate Nebel ein so gänzlich anderer. Zwar hat sie den Einkaufsmarkt Nebel noch einmal aufgesperrt, verkauft aber hat sie nichts. Im Umkehrschluss hat auch kein Ebracher hier eingekauft. Denn die Marktbetreiberin erledigte lediglich Rest- und Aufräumarbeiten. Mit dem Montag sind für die Ebracher, die kein Auto haben oder auch sonst wenig wenig mobil sind, harte Zeiten angebrochen. "Wir müssen jetzt halt wegfahren zum Einkaufen", sagt Alfred Becker (78). Seine Schwägerin kann das nicht, deswegen wird er sie mitnehmen. Aber auch anderen Älteren, die sich sonst nicht versorgen könnten, würde er dieses Angebot machen, weiß er schon jetzt.

Beckers Schilderungen machen deutlich, dass in der nächsten Zeit wohl vieles unter der Rubrik Nachbarschaftshilfe laufen muss. Denn die Nachfrage bei Bürgervereins-Vorsitzendem Joachim Kommander hat ergeben, dass im Gegensatz zum Einkaufsengpass vor acht Jahren dieses Mal keine größeren Hilfsaktionen (wie Einkaufsfahrten) geplant sind. "Wir warten, was die Gemeinde macht, momentan haben wir nichts geplant."


Informationsveranstaltung zum Dorfladen



Die Marktgemeinde hat für den 19. April eine Informationsveranstaltung (um 19 Uhr in der Klosterbräu) geplant, bei er es um das Thema Dorfladen geht und auch um die Einzelheiten für eine Genossenschaft. "Ich würde in die Genossenschaft reingehen", weiß Viktor Fieger (75). Er hofft inständig, dass es mit dem Laden weitergeht. Das könnte es eigentlich auch nahtlos, "es könnte sofort losgehen", ist der Markt doch komplett eingerichtet. Seine Frau und er haben in der letzten Woche noch mal "fest eingekauft". Damit die Vorräte möglichst lange reichen. Fiegers kaufen schon länger auch auswärts ein, die Dinge, die es in Ebrach eben nicht gab. Das wurde dann bei Fahrten nach Bamberg oder Gerolzhofen erledigt, wenn dort Arztbesuche anstanden. Aber am liebsten kaufe seine Frau eben dort ein, wo sie sich am besten auskennt. Und das sei im Lebensmittelmarkt der Fall gewesen.

Viermal die Woche war das Ehepaar Becker im Ebracher Einkaufsmarkt: "Wir haben alles dort eingekauft und waren fast jeden Tag da", erläutert Alfred Becker. Jetzt werden er und seine Frau nur noch einmal die Woche und gezielt zum Einkaufen wegfahren. "Da müssen wir dann genau überlegen was wir brauchen." Alles wird wohl schwieriger, mutmaßt Alfred Becker, weil man es eben anders gewohnt war. "Wir wünschen uns, dass sich was tut", formuliert er seine Hoffnung auf die Wiederbelebung des Einkaufsmarktes.


Verkaufswagen "aufgerüstet"



Die teilt Konrad Müller, Vorsitzender des VdK-Ortsverbandes Ebrach und damit zuständig für eine Vielzahl von Senioren. "Wir haben einige Bäcker und Metzger, aber wenn ich am Ort keinen Zucker und kein Salz kriege, verlieren auch Bäcker und Metzger Kundschaft", weiß Müller. Wenn jemand zum Einkaufen wegfahre, nehme er dort auch Wurst und Brot mit. Weil sich nicht jeder Unmotorisierte ein Taxi für die Einkaufsfahrt leisten kann, berichtet Müller weiter, habe ein Bäcker Regale mit Artikeln des täglichen Bedarfs bestückt und auch seinen Verkaufswagen "aufgerüstet". Wenigstens als Überbrückung. Eine Dauerlösung könne das freilich nicht sein. Müller gibt weiter zu bedenken: "Was nützt es, wenn wir hier eine Kläranlage haben und man nichts zum Essen einkaufen kann."