Was kommt auf die Pendler und Schüler aus dem nördlichen Landkreis ab Januar zu? Die Antwort ist: Man weiß es nicht. Weder beim Landratsamt noch beim Staatlichen Bauamt Bamberg, den betroffenen Gemeinden oder der Polizei gibt es klare Antworten. Vielmehr verlangen die Behörden selbst eine Auskunft: "Wir wollen wissen, was los ist!" Angesprochen ist die Bahn, die ab dem 4. Januar mit der Sperrung der Gleise zwischen Kemmern und Zapfendorf bis zum 11. September 2016 den ICE-Trassenausbau weiter vorantreiben will.

Infos blieben aus

Unlängst hat das Landratsamt Bamberg eine Pressemitteilung herausgegeben, in der die Besorgnis über ein Verkehrschaos während der Bauphase zum Ausdruck kommt. Landrat Johann Kalb (CSU) hatte zuvor die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden sowie Wirtschaftsvertreter und Vertreter anderer Behörden mit den Verantwortlichen der Bahn zusammengebracht. Das Unternehmen informierte über die geplanten Baumaßnahmen. Doch: "Informationen wie nach Vorstellung der Bahn den drohenden Verkehrsbelastungen begegnet werden könne, blieben zunächst aus", heißt es vom Landratsamt.

Als richtig "durchschlagend" hat auch Rüdiger Gerst (CSU), Bürgermeister von Kemmern und Vize-Landrat, die Antworten der Bahn nicht empfunden. Er formuliert Fragen: "Was kommt auf uns zu, was sind Ersatzmaßnahmen, die vorgesehen sind?" Vor allem sei eine wichtige Frage, was mit dem Schüler- und Personennahverkehr passiere. Schließlich müssten einige tausend Fahrgäste auf Busse verteilt werden. "Eine riesige Herausforderung", findet Gerst.

Viele Engstellen

Das Problem: Auch die A 73 ist vom Bahnausbau betroffen. Unter anderem auf einem Abschnitt zwischen Breitengüßbach und Zapfendorf wird der Verkehr auf eine Fahrbahn verengt. Die parallel verlaufende Staatsstraße 2197 muss bei Ebing gesperrt werden. Das bedeutet: Es sind Umleitungsstrecken notwendig. Norbert Schmitt vom Staatlichen Bauamt sagt: "Man hat gehofft, die Bahn bringt was mit - aber dem war nicht so." Er prophezeit: " Es wird sich morgens und abends stauen."

Schmitt macht sich Gedanken, wo der Verkehr, wenn es klemmen sollte, hin soll. Über Rattelsdorf und Ebing über die B 4 nach Bamberg? Da gebe es aber viele Engstellen. Ebenso könnte der Verkehr Richtung Scheßlitz fließen. Dort komme es spätestens jedoch an der Kreuzung Elisabethenkirche zu Problemen. Was ist mit größeren Fahrzeugen? "Die Gedanken müsste sich die Bahn machen." Doch dort war man bisher "sehr schienenfixiert", wie Schmitt es formuliert.

Verkehrsgutachten erforderlich

Auch Peter Krauß von der Polizei Bamberg-Land macht deutlich, dass die Bahn in der Bringschuld ist. Die Verkehrsströme müssten ermittelt werden, sagt der Hauptkommissar. "In den Spitzenzeiten kommt es auf der A 73 zu einem Rückstau bis Bad Staffelstein - 100 Prozent!"

Und damit nicht genug: Auch die Hangbrücke bei Würgau wird auf der A 70 von der Autobahndirektion Bayreuth bis Herbst 2016 neu gebaut. Ein weiteres Nadelöhr. Krauß glaubt, dass das Chaos programmiert ist. Er rechnet damit, dass sich das Ganze nach einer Woche einspielen könnte. Wenn alles vorher geklärt ist: "Normalerweise sind wir schon ein halbes Jahr früher informiert und schauen uns die Situation an." Die Bahn müsse zwingend ein Verkehrsgutachten erstellen lassen, fordern die Behördenvertreter deshalb.

Um überhaupt mit der Baumaßnahme beginnen zu können, benötigt die Deutsche Bahn die Freigabe durch das Eisenbahnbundesamt. Der Planfeststellungsbeschluss lag bis zur vergangenen Woche allerdings noch nicht vor. Bei der Bahn zeigt man sich dennoch optimistisch. Dort will man am Zeitplan unbedingt festhalten: "Wir rechnen jederzeit mit dem Planfeststellungsbeschluss", sagte in den vergangenen Tagen Bahnsprecher Michael Baufeld.

Und zu den vielen Fragen, die noch offen sind, meint er: "Die Botschaft aus dem Landratsamt ist angekommen, wir liefern eine Gesamtdarstellung!" In den kommenden zwei bis drei Wochen will das Unternehmen nun einen ausgearbeiteten Plan vorlegen, der die Auswirkungen des Bahnausbaus auf die Verkehrssituation darlegen soll. "Wir geben einen Überblick, wie das Umleitungs- und Ersatzkonzept funktioniert", verspricht Baufeld.

Landkreis holt auch Gutachten ein

Zwischenzeitlich hat der Landkreis Angebote von verschiedenen Verkehrsgutachterbüros eingeholt, "um die Planungen der Bahn kritisch begutachten zu lassen". Man sei nicht bereit, diese "drastische Verschärfung für den Pendlerverkehr und die Schülerbeförderung" ohne weiteres hinzunehmen.