Sie stehen bereits auf einer Liste, sind aber noch "geheim" - die Namen jener Bamberger Schulturnhallen, die als provisorische Unterkünfte für eine neuerliche Flüchtlingswelle dienen sollen.

Fragt man im Rathaus, ist schnell klar: Kaum etwas bindet derzeit mehr Kräfte als der Auszug ganzer Völkerscharen aus den Krisen- und Armutsgebieten der Welt. Diese Menschen befinden sich in akuter Not. Sie müssen untergebracht und versorgt werden; sie brauchen nach ihrer Anerkennung als Asylbewerber Wohnungen und einen Job.

Winternotfallplan für Bamberg

Und ein Ende des Flüchtlingsstroms ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: In der Stadt wird derzeit ein "Winternotfallplan" beraten, sollten die Flüchtlingsströme weiter anschwellen, was zu befürchten ist. Konkret geht es um 200 bis 300 weitere Schlafplätze, die fehlen.

Dabei handelt es sich nicht mehr in erster Linie um jene Flüchtlinge, die aus den Kriegsgebieten in aller Welt nach Deutschland geflohen sind, um der Verfolgung zu entkommen. Es geht um Menschen aus dem Kosovo, einem armen, aber von vielen als sicher eingestuften Balkanland, das seit sieben Jahren unabhängig von Serbien ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Flüchtlinge in Deutschland Asyl erhalten, liegt bei unter zehn Prozent.

Furcht vor Überfremdung

Schon jetzt ist die Situation in Bamberg angespannt, wenn auch nicht dramatisch. In sieben Unterkünften und weiteren externen Wohnungen, die von der Regierung von Oberfranken und von der Stadt angemietet sind, leben aktuell 470 Menschen. Nach einer drei Wochen alten Statistik kommen die meisten von ihnen aus Russland (58), Syrien (56), Serbien (42), der Ukraine (42) und dem Kosovo (35). Das öffentliche Echo ist geteilt: Einerseits konstatiert Pressesprecherin Ulrike Siebenhaar eine "unglaubliche Welle der Hilfsbereitschaft" in Bamberg. Gleichzeitig wachse die "Angst vor Überfremdung.

Dabei ändert sich die Lage täglich: Das gilt vor allem für die Kosovaren. Bundesweit ist ihr Zustrom gegenüber 2014 noch einmal gewachsen. Allein im Januar 2015 reisten mehr als 10 200 Kosovaren nach Deutschland ein. 2000 von ihnen sind zwischenzeitlich nach Bayern gekommen - ein Trend, der sich in den ersten Februartagen verschärft haben soll.

Auch in der Regierung von Oberfranken herrscht Ausnahmezustand. Pro Woche erreichen zwei bis vier Busse mit Flüchtlingen den Regierungsbezirk; diese Woche kamen am Montag 43 Kosovaren in Bayreuth an. "Wir arbeiten alle am Limit", beschreibt Christoph Reichl die Situation. Nach seinen Angaben leben derzeit 4 650 Asylbewerber im Regierungsbezirk. Um diese Menschen unterzubringen und zu versorgen, wurden in den Landkreisen Coburg, Forchheim und Kulmbach und in der Stadt Bayreuth mittlerweile auch die sogenannten Notunterkünfte "aktiviert".

Wann es in Bamberg so weit sein könnte, dass Schulturnhallen zur Flüchtlingsunterbringung genutzt werden, vermag man in Bayreuth derzeit nicht abzusehen. Noch könne keine Entwarnung gegeben werden. Gleichzeitig sei man optimistisch, dass die politischen Bemühungen der Staatsregierung, die Flüchtlingswelle aus dem Kosovo einzudämmen, nicht erfolglos verpuffen. Bekanntlich hatte Europaministerin Beate Merk erst vor kurzem in Pristina an die Kosovaren appelliert, ihre Heimat nicht zu verlassen.
Unterdessen bereitet man sich in Bamberg darauf vor, dass der Höhepunkt des Flüchtlingsstroms noch bevorsteht und auch die bisher als sicher geglaubte Unterbringung in den zuletzt stark ausgeweiteten Kapazitäten über den Haufen wirft.

Die Konsequenz: Schulturnhallen müssen binnen weniger Tage bereitgestellt werden, sollen die Flüchtlinge nicht im Winter in windigen Zeltstädten hausen. Eine in der Domstadt bisher nicht da gewesene Notlösung: Denn allen Beteiligten ist klar, dass die sanitären Verhältnisse in öffentlichen Hallen eine längere Unterbringung ebenso wenig gestatten wie die Folgen für den Schul- und Vereinssport.
Christiane Laaser, Stadträtin der GAL-Fraktion und Vorstandsmitglied der Hilfsorganisation "Freund statt fremd", plädiert deshalb dafür, weitere der leer stehenden Gebäude aus der Flynn-Siedlung auf dem früheren US-Areal für die Unterbringung von Flüchtlingen zu nutzen. Dazu müsse der Druck auf die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben erhöht werden. Die Tatsache, dass die Kosovaren ihre Heimat in erster Linie verlassen, um der bittersten Not zu entkommen, könne kein Grund dafür sein, sie anders zu behandeln als politisch Verfolgte. Laaser fordert ein Einwanderungsgesetz, das den Zuzug nicht allein auf das Recht auf politisches Asyl beschränkt: "Kann man es den Menschen vorwerfen, dass sie flüchten, wenn sie zu Hause nicht überleben können? Das würden auch die meisten Deutschen tun", sagt Laaser.

An der Verpflichtung, diese Menschen schnell zu versorgen, rüttelt auch die Bamberger CSU nicht. Allerdings verbindet Stadtrat Helmut Müller diesen Wunsch mit der Hoffnung, dass die Politik in Bund und Land so schnell wie möglich Konsequenzen zieht und die Flüchtlinge in ihre Heimat zurückschickt. Seine Befürchtung ist, dass die Stimmung hierzulande kippen könnte, wenn das Asylrecht überstrapaziert werde. Müller: "Die Massenflucht der Kosovaren stellt die Hilfsbereitschaft in Bamberg auf eine Probe."