Ein Rentnerpaar aus Karlsruhe strandet beim Kanu-Urlaub in Zapfendorf-Unterleiterbach, erkennt nicht, dass der vermeintliche Gasthof zum Asylbewerberheim umfunktioniert wurde - und wird dort freundlich bewirtet. Diese wahre Geschichte aus dem Bamberger Landkreis machte vergangenes Jahr bundesweit Schlagzeilen. Als die Münchner Filmemacherinnen Ysabel Fantou und Sanne Kurz davon hörten, wussten sie sofort, dass sie diesen Stoff verfilmen wollen. "Weil diese Geschichte so schön ist, dass man sie nicht besser erfinden könnte. Und weil die Botschaft so wichtig ist", erklärt Fantou. Die 46-Jährige will zeigen, dass man keine Angst vor jemandem haben muss, nur weil er fremd ist.


Zuerst besuchten die Filmemacher den Originalschauplatz - und die Menschen aus der Geschichte

Sie meldete sich bei der Redaktion dieser Zeitung, denn hier wurde das Thema entdeckt und recherchiert - und hier bekam sie die Kontaktdaten zu den Menschen, die die Geschichte erlebt haben. Die Münchnerinnen trafen den syrischen Anwalt Kawa Suliman, der die Rentner wie ein freundlicher Kellner bewirtet hatte und inzwischen als Asylbewerber anerkannt ist. Als ihn das Filmteam anrief, lebte er bereits bei seinem Bruder in Hamburg. Er staunte. Und freute sich sehr. Genau wie Gabriele Stärz und Hans Eppendorfer, die gestrandeten Kanufahrer, die ebenfalls Besuch aus München bekamen. Fantou und Kurz schauten sich auch das Asylbewerberheim in Zapfendorf an. Sie suchten passende Schauspieler und einen Drehort.


Kurzfilm mit dutsch-arabischem Culture-Clash-Witz

"Die Herberge" ist hauptsächlich als fiktionaler Kurzfilm "mit schwarzem Humor und deutsch-arabischem Culture-Clash-Witz" geplant. "Eine etwas andere Flüchtlingsgeschichte, inspiriert von einer wahren Begebenheit." Da es keine Doku ist, verlegte das Team die fränkische Szenerie in ein Wirtshaus bei Dachau. Alle Beteiligten nach Franken zu verfrachten, war nicht finanzierbar, auch wenn die Filmemacher es gern getan hätten. Aber für ihr Projekt hätten sie die privaten Konten ohnehin reichlich überzogen. Ohne die Technik und die Kontakte, die Fantou und Kurz als Künstlerische Mitarbeiterinnen der Münchner Filmhochschule nutzen konnten, wäre es wohl kaum gegangen. Und trotz Unterstützung der Facebook-Fans von "Die Herberge" und starker Partner wie dem Bayerischen Rundfunk ist es schwer.


Ehrenamt und Spenden

Bisher hat das 30-köpfige Team ehrenamtlich gearbeitet, von Kamerafrau Sanne Kurz und Regisseurin Ysabel Fantou über die Hauptdarsteller Hede Beck, Christian Schneller, Samir Fuchs, Hadi Khanjanpour, Yasin el Harrouk und Miray Beren bis hin zu Beleuchtern und Tonleuten. Die Finanzierung der End-Produktion soll über Crowdfunding laufen. Bei dieser "Schwarmfinanzierung" geben viele Menschen kleinere Geldbeträge, damit ein Projekt wie ein Film realisiert werden kann. Genau genommen geben sie eigentlich nur Geld, wenn die "Fundingschwelle" erreicht wird, denn vorher wird bei der Funding-Plattform "Startnext" nichts abgebucht oder überwiesen. Auf der Internetseite kann man nach Themen sortiert Projekte suchen, die man gerne unterstützen möchte.

8500 Euro brauchen die Macher von "Die Herberge", um ihre Unkosten zu decken. Etwa die Hälfte dieser Schwelle haben sie derzeit erreicht. Bekommen sie mehr zusammen, können sie Extras finanzieren - wie ihren Herzenswunsch, zur Premiere ein paar Stargäste einzuladen: die Flüchtlinge aus dem fränkischen Wirtshaus, deren Großzügigkeit nicht nur die Filmemacher beeindruckt hat.