Ulrike Hanna wohnt seit Jahren in der Gartenstadt. Direkt am Wald, der nicht nur ein Naherholungsgebiet ist - auch ein Golfplatz. Bislang hat diese Verbindung funktioniert, sagt sie. "Die Golfer haben auf die Spaziergänger Rücksicht genommen und umgekehrt. Ich wohne gerne hier."


Doch die einigermaßen heile Welt im Osten der Stadt ist bedroht. Ost-Umfahrung, Flugplatzpläne, nach einer Abholzung gestiegener Autobahnlärm - und jetzt der Golfplatz! Seit dem Abzug der Amerikaner wächst die Unsicherheit der Menschen im Bamberger Osten. Was kommt als Nächstes auf sie zu?

Hört man die Gartenstädterin, treibt nicht wenige Nachbarn die Sorge um, dass ihr letztes Rückzugsgebiet, "die grüne Lunge des Stadtteils", vor einer unsicheren Zukunft steht, im schlimmsten Fall gar privatisiert werden könnte. "Wir wollen aber nicht ausgesperrt werden, wir kämpfen dafür, dass man uns in die Planungen einbindet."

Rund 250 Unterschriften hat die Gartenstadt-Initiative bereits gesammelt. Sie tritt unter dem Stichwort "Bewahrt den Hauptsmoorwald" auf. "Für die uneingeschränkte Nutzung des Gebiets für alle, gegen den Verkauf des einzigen Naherholungsgebiets der Gartenstadt", steht auf dem Papier zu lesen.

Eine Veräußerung des Golfplatzes und die Frage, welche Rechte die Anlieger dann noch hätten, wäre das Schreckgespenst von Hanna und ihren Mitstreitern. Sie fürchten, dass dann nur noch wenige Golfspieler Zutritt zum Waldareal diesseits der Autobahn haben - und die "Normalbürger" außen vor blieben.

Auftrieb haben diese Ängste bekommen, als vor rund zwei Monaten die Überlegung von Michael Stoschek, dem Vorsitzenden der Brose-Gesellschafter-Versammlung, bekannt wurde. Er soll Bereitschaft bekundet haben, den in die Jahre gekommenen Bamberger Golfplatz zu modernisieren und möglicherweise auch zu vergrößern. Von einem Golfhotel und einer neuen Struktur der Neun-Loch-Anlage war die Rede, nicht zuletzt auch vom Erwerb vom Eigentümer, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima).

Das Echo in der Bevölkerung auf den Vorschlag war - vorsichtig formuliert - verhalten. In einer nicht repräsentativen Umfrage dieser Zeitung sprachen sich 66 Prozent von 183 Teilnehmern dafür aus, alles so zu lassen, wie es ist - der Golfplatz soll demnach ein Golfplatz bleiben - mit bezahlbaren Mitgliedsbeiträgen und attraktiv für alle Bamberger. Dagegen plädierten nur 22 Prozent für den Ausbau.

"Er soll so bleiben wie er ist"
Auch in der Bamberger Politik scheint die Koexistenz von Golfspielern und Spaziergängern derzeit die meisten Sympathien zu genießen. "Der Golfplatz soll so bleiben wie er ist", bekennt sich Helmut Müller von der CSU-Fraktion auf unsere Frage zum herrschenden Status-Quo. Einen Verkauf an einen fremden Investor schließt Müller ebenso aus wie einen Ausschluss der Bürger aus dem Wald vor ihrer Haustür. Ähnlich argumentiert Klaus Stieringer, Chef der SPD-Fraktion. Er plädiert dafür, das erfolgreiche Konzept des Golfclubs so schnell wie möglich fortzusetzen und dem Verein in den demnächst anstehenden Vertragsverhandlungen möglichst lange Planungssicherheit zu gewähren. Eine Umwandlung des Golfplatzes in eine Luxusanlage lehnt die SPD-Fraktion laut Stieringer ebenso ab wie die von einigen Gartenstädtern zur Lärmminderung ins Gespräch gebrachte Wiederaufforstung der Flächen.

Im Konversionsamt der Stadt Bamberg wird derzeit an einem Vertragsentwurf gebastelt, der eine provisorische Weiternutzung des Platzes durch den Golfclub möglichst schon in den nächsten Wochen erlaubt. Christian Hinterstein geht davon aus, dass die Vereinbarung zwischen Bima, Stadt und Golfclub schon bald abgeschlossen werden kann, auch wenn die anstehenden Investitionen durchaus auch Herausforderungen darstellen. Das ist kein Wunder: Was auf dem 35 Hektar großen Platz bisher vom US-Standort geleistet wurde, fiele dann einem Verein mit 350 Mitgliedern in den Schoß.

Dessen Präsident Klaus Dirks ist überzeugt, dass der Golfclub Hauptsmoorwald gut gerüstet ist, das Erbe der Amerikaner anzutreten - ob als Pächter oder Eigentümer ist noch ungeklärt. Die Sorgen der Gartenstädter schiebt Dirks nicht beiseite: "Der Golfplatz soll offenes Gelände bleiben. Daran wird sich nichts ändern."