Romy Dworzik wischt vorsichtig mit einem Pinsel über schwarzes Holz, das fast wie verbrannt aussieht. Doch es ist einfach alt, Jahrhunderte alt - ein Teil des ehemaligen Bamberger Stadtgrabens, der nun an der Stangstraße offenliegt.

"Ursprünglich befand sich hier ein Seitenarm der Regnitz, das Flussbett war einmal 20 Meter breit", erläutert die Grabungsleiterin der Archäologischen Dokumentation Scherbaum aus Bamberg. Mit der Zeit habe man damals dann begonnen, den Flusslauf zu verschmälern.

Stadtarchäologe Stefan Pfaffenberger, der in den Graben hinunterschaut, fügt hinzu: "Man kann gut sehen, wie der Fluss verbaut wurde. Aus Pfählen, Flechtwerk und Brettern hat man eine neue Böschung geschaffen. Auch, um die Stadtmauer zu schützen."

Mit deren Bau um 1200 fielen die Eingriffe am Flussbett zusammen, bis Anfang des 17. Jahrhunderts von dem ehemaligen Regnitz-Nebenarm nur noch ein "Bach" übrig war, der schließlich als Kanal unter der Erde verschwand, wie Pfaffenberger sagt. Genauere Informationen zur zeitlichen Einordnung erhoffen sich die Archäologen von Proben, die sie dem alten Holz entnehmen.

Keine große Überraschung
Völlig überraschend sind die Funde nicht. Wie Stadtarchäologe Pfaffenberger erklärt, sei man bereits beim ersten Bauabschnitt der Teilbibliothek 4, dem heutigen Glasbau, auf die alte Stadtgrenze und den Stadtgraben gestoßen. Der Neubau der TB 4 wurde am 1. April 2004 eröffnet, wie Tanja Eisenach aus der Pressestelle der Otto-Friedrich-Universität in Erinnerung ruft.

Bauabschnitt Nummer 2, der Anbau auf der Fläche einer ehemaligen Autowerkstatt an der Stangstraße, soll zum Wintersemester 2017/2018 bezugsfertig sein. Die archäologischen Grabungen wurden gerade abgeschlossen, im September rollen dann die Bagger an.

Der Erweiterungsbau besteht aus Keller, Erdgeschoss und zwei Obergeschossen, wie Hubert Wagner, Leiter der Liegenschaftsabteilung beim Staatlichen Bauamt Bamberg, erklärt. Bauherr ist der Freistaat Bayern, umgesetzt wird das Ganze durch das Staatliche Bauamt, Nutzer ist am Ende die Universität Bamberg.

Wer dort studiert, wird sich in dem neuen Anbau in Einzel- und Gruppenarbeitsräume zurückziehen können. Außerdem sind ein Schulungsraum sowie mehr als 100 zusätzliche Leseplätze geplant. Umgeben sein werden die Studierenden von einem frei zugänglichen Magazin mit 80.000 Bänden und bis zu 25.000 weiteren Büchern in den Lesesälen, wie aus einer Mitteilung der Universitätsbibliothek hervorgeht.

Eine Besonderheit erwartet Studierende und Uni-Angehörige im zweiten Obergeschoss der vergrößerten Bibliothek: Dieser Stock wird mit Chipkarte rund um die Uhr, 24 Stunden pro Woche, zugänglich sein. Allerdings hatte sich mancher Stadtrat bezüglich einer möglichen "Lichtverschmutzung" besorgt geäußert, als das Thema in der Vergangenheit im Bausenat zur Sprache gekommen war. Die Befürchtung: Wenn nachts in der Bibliothek gearbeitet wird, könnten Anwohner durch das helle Licht der Innenraumbeleuchtung gestört werden.

Nachbarn sollen vor Blendwirkung geschützt werden
Wie das Problem gelöst werden soll, erklärt Hubert Wagner: Der Schutz der Nachbarn vor einer nächtlichen Blendwirkung soll zum einen dadurch gewährleistet werden, dass nur innenliegende Arbeitsplätze beleuchtet werden.

An jenen Leseplätzen, die sich nahe der Fassade befinden, soll nachts das Licht ganz ausbleiben, wie Bambergs Baurefernt Thomas Beese auf Anfrage sagt. Zum andern gibt es da noch "Blendschutzanlagen" im ersten und zweiten Obergeschoss. Diese dienen laut Hubert Wagner nicht nur zum Schutz vor der Sonne, sondern sollen auch verhindern, dass nachts Licht von innen nach außen dringt.

Dem Bauamt sei bewusst, dass die Nachbarn schon wegen der Bauarbeiten der Maria-Ward-Schule und des Clavius-Gymnasiums im Umfeld in Mitleidenschaft gezogen seien. Man bemühe sich, die Betroffenen durch den Neubau an der Uni-Bibliothek so wenig wie möglich zu belasten.

Nächste Baustelle Schillerplatz
Im Sommer kommenden Jahres ist es gut möglich, dass sich dann andere Anwohner auf Baulärm und -schmutz einstellen müssen. Denn dann wird am Schillerplatz gebaut, dort soll das Institut für Orientalistik in einen Neubau einziehen. Dieser ist auf dem Parkplatz des Amtes für Ländliche Entwicklung Oberfranken geplant. Der Neubau wird rund sechs Millionen Euro kosten.

Geld, das aus der sogenannten Technologieallianz Oberfranken (TAO) stammt, die vom Freistaat Bayern finanziell gefördert wird. Ebenfalls aus diesem Topf stammen die vier Millionen für die Erweiterung der TB 4 am Heumarkt.

Dort, wo gerade noch Archäologen mit Pinsel und Spachtel in einem jahrhundertealten Stadtgraben zu Gange waren, soll nach 24 Monaten Bauzeit ein neues Gebäude stehen.

Was passiert eigentlich mit den Funden, nachdem sie dokumentiert und Proben gezogen wurden? "Sie zu erhalten, bringt nichts", sagt Stadtarchäologe Stefan Pfaffenberger. Erstens, weil es sich nicht um für Bamberg außergewöhnliche Funde handle. Und zweitens, "weil sie nach dem Kontakt mit der Luft relativ schnell verrotten werden".