Weniger als ein Jahr vor der Bundestagswahl - sie muss laut Gesetz spätestens am 22. Oktober 2017 stattfinden - stehen im Wahlreis Bamberg-Forchheim bereits die meisten aussichtsreichen Kandidaten fest. CSU, SPD, Grüne und FDP haben ihre Direktkandidaten für das Bundestagsmandat bereits gekürt, Linke und AFD haben diesbezüglich noch nichts verlauten lassen.

Die bereits Nominierten im Bundestagswahlkreis 236 sind allesamt alte Bekannte. So setzen CSU und SPD auf die aktuellen Abgeordneten. Thomas Silberhorn sitzt für die CSU bereits seit 2002 im Bundestag. Der inzwischen 47-Jährige hat sich dort zum Parlamentarischen Staatssekretär hochgearbeitet. 2013 erhielt er 52,2 Prozent der Erststimmen


Schwarz, Badum, Körber

Die Sozialdemokraten schicken wieder Andreas Schwarz ins Rennen. Der 51 Jahre alte ehemalige Bürgermeister von Strullendorf kandidierte bereits 2009 für das Mandat, 2013 schaffte er dann über die SPD-Landesliste den Sprung ins Parlament.

Wie schon 2009 tritt 2017 für die Grünen Lisa Badum an. Die inzwischen 32 Jahre alte Forchheimerin erhielt damals 9,2 Prozent der Erststimmen. 2013 stand sie dann auf Platz 13 der bayerischen Landesliste von Bündnis 90/Die Grünen, verpasste damit aber das Ticket nach Berlin.

Die FDP, die auf einen Wiedereinzug in den Bundestag hofft, setzt auf einen, der dort schon mal vier Jahre lang war. Sebastian Körber aus Forchheim vertrat den Wahlkreis von 2009 bis 2013 in Berlin. 2009 erhielt er 10,7 Prozent der Erststimmen, 2013 dann nur noch 3,4 Prozent.

Neben diesen vier bereits nominierten Kandidaten hat bislang nur eine Partei aus der Riege der Klein- und Splitterparteien einen Direktkandidaten aufgestellt: Die Bayernpartei tritt in Bamberg-Forchheim mit Thomas Dotzler an. Der 50-jährige Bahnbeamte aus Bamberg war schon 2009 Kandidat und bekam immerhin 1,2 Prozent der Erststimmen - doppelt so viel, wie die Bayernpartei in dem oberfränkischen Wahlkreis an entscheidenden Zweitstimmen erhielt.

Vor vier Jahren waren im Bundestagswahlkreis 236 - zu dem die Stadt Bamberg, 16 Gemeinden des südlichen Landkreises Bamberg und 18 Kommunen aus dem Landkreis Forchheim gehören - insgesamt neun Direktkandidaten angetreten. Neben Silberhorn (CSU), Schwarz (SPD) und Körber (FDP) waren das Wolfgang Grader für die Grünen sowie Wolfgang Böhme (Linke), Robert Streng (Piraten), Franz Eibl (AfD), Peter Dorscht (Freie Wähler) und Sven Diem (NPD).

Eibl, der damals 3,4 Prozent der Erststimmen erhielt, jedoch den Sprung ins Parlament über die Landesliste nur deswegen verpasste, weil die AfD an der 5-Prozent-Hürde scheiterte, wird dieses Mal nicht mehr antreten. Er hat der neuen Partei nach den jüngsten rechtspopulistischen Schwenks den Rücken gekehrt.
Wer hat von den Kandidaten nun Chancen auf den Einzug in den Bundestag im kommenden Herbst? Direktmandat gibt es jedenfalls nur eines im Wahlkreis. Erster Anwärter ist hier der Platzhirsch von der CSU. Die Kandidaten der Partei setzten sich bisher in allen Bundestagswahlen seit 1949 durch - wobei sich die geographische Zusammenstellung des Wahlkreises mehrfach änderte.


Hoffen auf die Landesliste

Thomas Silberhorn selbst erhielt dabei zwischen 60,7 (2002) und 49,1 Prozent (2009) der Erststimmen. Andreas Schwarz müsste da schon ein ordentliches Pfund auf sein Ergebnis von 2013 draufpacken, um sich das Bamberg-Forchheimer Direktmandat nächstes Jahr im Herbst zu sichern. Wenn nicht, ist sein Wiedereinzug in den Bundestag von mehreren Faktoren abhängig.

Schwarz erhielt sein Mandat über die bayerische Landesliste der SPD. Dort war er 2013 auf Platz 19 gesetzt. Ein Zweitstimmenanteil für die bayerische SPD von 20,0 Prozent reichte - bei einigen so genannten Überhangmandaten - für 22 Sitze im Berliner Parlament. Schwarz war also sicher drin. Vier Jahre zuvor war er auf Listenplatz 29 praktisch noch chancenlos gewesen. Für 2017 ist Schwarz also darauf angewiesen, dass er wieder einen guten Listenplatz bekommt. Und weil für den Einzug über die Liste ausschließlich das Zweitstimmenergebnis der Partei zählt, muss auch noch die bayerische SPD entsprechend gut abschneiden. Als Faustformel gilt in etwa: Für jeden Prozentpunkt gibt es in Bayern für die jeweilige Partei einen Sitz im Bundestag.
Ein noch so gutes Abschneiden bei den Erststimmen hilft also keinem Kandidaten weiter, so lange er oder sie nicht die relative Mehrheit im Wahlkreis erhält. Das gilt für die anderen Kandidaten der kleineren Parteien noch viel mehr.

Zunächst einmal müssen die Parteien bundesweit über die 5-Prozent-Hürde kommen. Denn sonst hilft auch kein guter Listenplatz weiter. Das mussten 2013 FDP-Mann Körber und AfD-Kandidat Eibl schmerzlich erfahren. Den Sprung ins Parlament geschafft haben es damals dagegen neben CSU und SPD noch Linke und Grüne.
Der Bamberger Linken-Direktkandidat Wolfgang Böhme stand allerdings erst gar nicht auf der Landesliste seiner Partei. Und der für die Grünen angetretene Wolfgang Grader war auf Listenplatz 40 ohne Chance.
Lisa Badum, die 2017 wieder kandidiert, war immerhin auf Platz 13 bei den Grünen gestanden. Allerdings schafften es dann bei bayernweit 8,4 Prozent der Zweitstimmen nur neun Grüne nach Berlin.


Nummer 1 in Oberfranken

Auf dem Weg 2017 nach Berlin hat Badum jedoch schon jetzt eine wichtige Hürde genommen. Die Bezirksversammlung der Grünen kürte sie am 22. Oktober zur oberfränkischen Spitzenkandidatin. Ihre Chancen auf einen aussichtsreichen Platz auf der bayerischen Landesliste sind damit bestens.
Der Bundestagswahlkreis Bamberg-Forchheim besteht in der gegenwärtigen Form seit 2002. Rund 180 000 Wahlberechtigte können über das Mandat entscheiden. Rund die Hälfte der Wähler im Landkreis Bamberg stimmt dagegen im Wahlkreis 240 Kulmbach ab.