Es war der Sommer, in dem Fußballfans das "Wunder von Bern" feierten. Bill Haley sang "Rock Around the Clock" und löste eine Kulturrevolution aus: "One, two, three o'clock, four o'clock, rock." Natürlich hatten die Schmalztollen Franken noch nicht erreicht, als man in Bamberg die vierte Sandkerwa feierte. Dennoch schlugen Teenies (die mittlerweile wohl Ende 70 sind) über die Stränge, was anderen Besuchern gewaltig stank.


Ein paar handfeste Schellen


Not amused zeigte sich beispielsweise der Berichterstatter des FT am Tag darauf über "Horden Viertel- und Halbwüchsiger", die versucht hätten, "die Feststimmung mit allen Mitteln zu stören". Toleranz lehnte er in dem Zusammenhang ab: "Die Polizei konnte nicht überall sein. So wäre es durchaus Aufgabe der erwachsenen Kirchweihgäste gewesen", die Missetäter "im Zaum zu halten". Anschließend noch ein Tipp: "Wo eine deutliche Zurechtweisung und notfalls ein paar handfeste Schellen für unbelehrbare Läuser reichen, dort braucht man keine Polizeibeamten zu holen!"

Ernste Zwischenfälle blieben dem Partyvolk 1954 glücklicherweise erspart - trotz des "gewaltigen Bierkonsums". Von nah und fern strömten die Menschen schließlich ins Sandgebiet, um auf die 600-Jahr-Feier der Elisabethenkirche anzustoßen. "Man schätzte täglich rund 40 000 Besucher", heißt's in der Kerwa-Chronik.
Natürlich sollte zu einem so bedeutenden Anlass mehr als Blasmusik zu hören sein. Dementsprechend bat der Bürgerverein die Bamberger Symphoniker um ein "Kirchweih-Volkskonzert", wurde aber mit der Begründung abgeschmettert: "Unser ,Kulturorchester' spielt auf keiner Kirchweih, wie auch die Münchner Symphoniker nicht auf dem Oktoberfest spielen." Damit mussten sich die Verantwortlichen begnügen. Immerhin sorgte eine französische Gruppe aus der Bretagne mit ihrem Standkonzert zum Start ins Kerwa-Wochenende für musikalische Abwechslung.


"Größerer Vergnügungspark"

Um eine Ausweitung des Festgeländes waren die Veranstalter - "in Anbetracht der zu erwartenden Menschenmassen" - nicht herumgekommen. Auch im Hof der Martinschule wurde bei der vierten Sandkerwa gefeiert. Erstmals war's in den einzelnen Wirtschaften darüber hinaus so proppenvoll, dass kein Platz mehr für den "Hahnenschlag" blieb: Ja, jenen Brauch, bei dem's darum geht, mit einem Dreschflegel auf Anhieb einen Tontopf zu zertrümmern. Wobei Teilnehmern zuvor die Augen verbunden werden. 1954 wanderte der Wettkampf, bei dem's den Hahn als Siegerprämie gibt, also in den "Hof des Fuhrunternehmers Wittmann in der Schrottenberggasse 22".

Vor allem aber gab "der Festzug unter dem Motto ,600 Jahre Geschichte im Sand' der Kirchweih ein besonderes Gepräge", wie die Chronik resümierte. Nur habe man angesichts der Kosten von 2.500 DM beschlossen, "auf eine jährliche Ausrichtung zu verzichten". Dennoch hatte die Jubiläumskerwa ein leichtes Plus in die Kassen des Bürgervereins gespült: Ausgaben in Höhe von 10.159 DM standen 10.500 DM als Einnahmen gegenüber.

Apropos Preise: Wollen Sie wissen, was es 1954 kostete, im Grieß-Garten zu schmausen, der im "Kirchweihkalender" inseriert hatte? Ein Schweinskotelett gab's für 1,60 DM, ein Kerwa-Schnitzel für 1,50 DM, Saftgulasch für 1 DM ebenso Eisbein in Aspik und ein Kaffee-Gedeck mit Torte . . .