Nach der Atomkatastrophe von Fukushima im März 2011 sind sich die Parteien, die im bayerischen Landtag vertreten sind, einig, dass die Energiewende zu schaffen ist - allerdings vermisst mancher dabei das richtige Tempo. Dezentrale Stromversorgung, Gaskraft und Speicherung sind die Problemfelder, die diskutiert werden.


Die Energiewende ist zu schaffen, oder?


Otto Hünnerkopf von der CSU ist zuversichtlich, dass die Energiewende machbar ist. Thomas Hacker, Fraktionschef der FDP, stimmt zu: "Was den Ausbau der regenerativen Energien betrifft, kommen wir gut voran." Auch dem Grünen-Parteichef Dieter Janecek macht der Ausbau der erneuerbaren Energien wenig Sorge. Insgesamt geht es ihm aber nicht schnell genug: "Im jetzigen Zustand kommen wir nicht voran. Zumindest nicht entscheidend", sagt Janecek. Ähnlich sieht das Natascha Kohnen von der SPD. "Wir sind sehr unzufrieden, weil das versprochene Tempo bei der Energiewende nicht eingehalten wurde." Thorsten Glauber von den Freien Wählern fehlt nach wie vor der rote Faden: "Wir brauchen dringend einen Masterplan für die Umsetzung der Energiewende." Der energiepolitische Sprecher der FW fordert ein Energieministerium in Bayern.


Dezentralisierung der Stromversorgung


Die Energiewende erfolgt im Bereich der Erneuerbaren vor allem lokal. Die Wertschöpfung soll möglichst in der Region gehalten werden. Eine dezentrale Stromversorgung ist für alle Parteien ein wichtiger Punkt: Die großen Versorger haben ausgedient, heißt es. Es ist in erster Linie von kommunalen Konzepten die Rede. SPD-Frau Kohnen sieht hier noch Nachholbedarf. Sie kritisiert die aus ihrer Sicht fehlende Bürgerbeteiligung - "ein absoluter Fehler". Die Bürger müssten sich gerade mit dem Ausbau der Windkraft identifizieren können. "Wir müssen weg von der zentralistischen Versorgung. Dazu brauchen aber die Kommunen Unterstützung." Thorsten Glauber von den Freien Wählern kritisiert, dass eine "völlige Unklarheit beim Ausbau von Verteilernetzen" herrsche. Otto Hünnerkopf von der CSU will sich bei der Versorgungssicherheit nicht festlegen: Er denkt an Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, die sowohl aus kleinen Biogasanlagen, als auch aus großen Gaskraftwerken bestehen könnten. "Es geht um die Entlastung des Stromnetzes", sagt Hünnerkopf. Der richtige Energie-Mix sei noch zu finden.


In der Übergangszeit Gaskraft nutzen


Der Energie-Mix muss auch das Füllen von Stromtälern sichern. In der Übergangszeit soll dies mit Gas geschehen, so der Tenor aus den Reihen der Parteien. Die CSU setzt dabei auf wenige große Gaskraftwerke, die SPD auf kleine dezentrale. Die Grünen und die FDP sehen hier noch Regelungsbedarf. Thomas Hacker fordert mehr Planungssicherheit für Investoren. Dieter Janecek fordert einen regulierten Markt und kritisiert im Allgemeinen ein fehlendes Kataster, das Auskunft gibt, welche Technologie wo sinnvoll einsetzbar ist. Beispielsweise auch, was Standorte von Pumpspeicherkraftwerken betrifft.


Speichern und sparen ist angesagt


Das Problemfeld Speichertechnologie werde laut Thorsten Glauber zu wenig beachtet. Überlegungen gibt es bereits, das Erdgasnetz zur Speicherung von Energie zu nutzen (Power-to-gas). Über Elektrolyse Wasserstoff herzustellen, der dann ins Gasnetz eingespeist werden kann, sieht auch CSU-Mann Hünnerkopf als eine mögliche Option. Nur, die Technologie ist noch nicht ausgereift. Im Endeffekt fischt man hier im Trüben. Die "dezentrale Speicherung in Häusern" nennt Thomas Hacker von der FDP als einfachere Option.
Im häuslichen Bereich gebe es laut Natascha Kohnen und Thorsten Glauber ohnehin noch Einsparpotenziale. "Mit der energetischen Sanierung öffentlicher Gebäude könnte die öffentliche Hand ihrer Vorbildfunktion gerecht werden, um zu zeigen, wie man private Haushalte unterstützen könnte", sagt Kohnen. Dieter Janecek von den Grünen kritisiert grundsätzlich: "Über Energieeinsparungen wurde bisher gar nicht geredet, das ist aber das Thema."