Dem Wetter gilt wohl auch in diesem Jahr ein kleines Stoßgebet von Dekan Albert Müller. Alles andere dürfte nach den seit eineinhalb Jahren laufenden Vorarbeiten und Vorbereitungen geregelt sein: Das neue Büchlein mit den Wallfahrtsliedern ist fertig, der Festausschuss erschöpft. Doch der Erschöpfung weicht nun die Vorfreude auf das große Glaubensfest, das "Blutsfest", zu dem Pfarrer Müller und Pfarrgemeinde St. Jakobus nicht nur die früheren Ortspfarrer und mehr Gläubige und Wallfahrer als in den bisherigen Jahren erwarten. Denn: Burgwindheim feiert das Jubiläum "550-Jahre Wallfahrt zum Heiligen Blut".

Für Dekan Müller ist es sein zehntes "Blutsfest", wie die verkürzte Bezeichnung lautet. Es ist ihm sehr ins Herz gewachsen, wie er bekennt. "Es rührt mich tief an und geht unter die Haut." Im Jubiläumsjahr sei er ein bisschen aufgeregter als sonst. Die wichtigen Aufgaben freilich - Predigt und Gottesdienstleitung - weiß er beim Erzbischof "in guten Händen". So freut Müller sich darauf, in das wunderbare Glaubensfest einzutauchen, sich fallen zu lassen, den Gottesdienst zu genießen. Denn Glauben gehe nicht allein über den Kopf.

Wie die Ursprünge belegen: "Dort, wo heute die Heilig-Blut-Kapelle steht, ereignete sich beim Fronleichnamsfest des Jahres 1465 auf dem Weg zum dritten Altar jener geheimnisvolle Vorgang, bei dem sich aus unerklärlicher Ursache die Monstranz öffnete und die Hostie zu Boden fiel." Erst nach einer achttägigen Vorbereitung durch Gebet und Fasten erhob Abt Burkard II. von Ebrach die Hostie und brachte sie unter Geleit seiner Mönche und großer Beteiligung der Bevölkerung in die Pfarrkirche zurück.

So findet bis heute das "Blutsfest" eine Woche später (am Oktavtag von Fronleichnam) statt. Aus diesem Ereignis heraus begann eine Wallfahrt, die noch heute vier- bis fünftausend Pilger nach Burgwindheim bringt. "Diese Wallfahrt ist im westlichen Landkreis Bamberg die einzige noch lebendige eucharistische Wallfahrt", betont der Dekan.

An der Stelle des Geschehens wurde zwei Jahre später eine Kapelle errichtet. Albert Müller nennt eine Besonderheit: "Der Ursprung der Wallfahrt, das Ereignis von 1465 ist auf einer Urkunde mit den Unterschriften und fünf Siegeln der damals anwesenden Adeligen festgehalten und im Staatsarchiv Würzburg verwahrt."
Festausschuss, Pfarrgemeinde, Kindergartenkinder, Schulkinder, Garde, Jugendblaskapelle, Gesangverein und die ganz normalen Burgwindheimer stehen jedenfalls bereit, ihren festgelegten Part am Blutsfest auszuführen. "Vieles ist bereits über Generationen hinweg Tradition", weiß Pfarrer Müller. Man spüre, wie sehr alle zum Gelingen beitragen wollen.

Eines von vielen Beispielen ist die Grundschule. Die rund 50 Erst bis Viertklässler tragen in der Prozession Jesuskind, den heiligen Josef und Fahnen. Rektorin Hannelore Noppenberger hatte heuer zudem die Idee, dass man sich dem Jubiläumsfest mit einem klassenübergreifenden Projekt widmen sollte. So hat sich die Grundschule mehrere Wochen mit dem Blutsfest befasst, dazu gemalt, gebastelt, gezeichnet, gedruckt, geschrieben. "Hurra, das Blutsfest ist da", steht etwa unter dem Bild eines Erstklässlers, schmunzelt die Rektorin über die Ergebnisse.

Alle Werke sind zu einer Sonderausstellung im Schloss komponiert. Die Bilder können nach Ausstellungsende gegen einen Spendenbeitrag (für einen guten Zweck) erworben werden. Offiziell öffnet sie am Freitag, 12. Juni, um 10 Uhr bei der "Morgenstunde". So wie Kindergarten- und Schulkinder zum Blutsfest gehören, so tun dies auch die Wallfahrten. Drei zum "Heiligen Blut" gibt es jedes Jahr: Die erste aus Eltmann kam bereits am Samstag nach Fronleichnam nach Burgwindheim und auch die Dingolshausener Wallfahrer sind dieses Mal ausnahmsweise einen Sonntag früher gekommen. Die dritte aus Volkach wird noch erwartet.

Als besonderes weltliches Highlight zum Jubiläum findet am Wochenende ein Pilgerlager mit Mittelaltermarkt und vielen Attraktionen an der Dorfsee (Aschbacher Straße) statt. Pfarrer Müllers besorgter Blick gilt auch deswegen immer wieder dem Himmel. "Nicht dass das Lager möglicherweise absäuft."

Und das Blutsfest? Da bange man selbstverständlich. Denn es gebe keine großen Alternativen für die Prozession. In der Bevölkerung heiße es, wenn das Fest ausfällt, würde ein Unglück passieren. Was Gott bewahre.
Feierlicher Auftakt für das Mittelalter-Lager ist jedenfalls am Samstag, 13. Juni, um 11 Uhr, anschließend Festbetrieb bis 24 Uhr und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr.
An beiden Tagen veranstaltet die Raiffeisenbank Burgebrach-Stegaurach übrigens eine Schauprägung mit historischem Fallhammer. Auf der Gedenkmünze sind als Motiv die Heilig-Blut-Kapelle und der Blutsbrunnen dargestellt. Im Schloss werden neben der Ausstellung der Schule weitere gezeigt, so eine der Volkacher Wallfahrt. Das Museum ist am Samstag, 13. Juni,von 15.30 bis 16.30 Uhr geöffnet sowie von 19.30 bis 20.30 Uhr, und am Sonntag, von 8.30 bis 9.15 Uhr und von 14 bis 16 Uhr.