Thomas Schenk, Kronach:

Krebs. Meine Frau und ich erhielten dieselbe Diagnose. Nach einigen Monaten Behandlung stellte sich heraus, dass meiner heilbar war, ihrer hingegen nicht. Es war ein Schock, ich war wie gelähmt. Der Tag der Diagnose war der erste Tag, an dem mich meine Frau weinen sah. Als Mann muss ich doch stark sein. Ich muss sie doch beschützen. Aber wie? Ich war machtlos.Als sie meine Tränen sah, legte sie ihre rechte Hand auf meine Wange und sagte "Thomas, das ist nur ein kleiner Schritt, den ich vorausgehe. Du kommst einfach nach. Nur dieses eine Mal musst du akzeptieren können, dass ich ein wenig schneller bin, als du." Einige Wochen später sagte sie denselben Satz noch einmal, hauchte noch ein leises "Ich liebe dich" und war plötzlich weg. Einfach so. Die Stille danach verfolgt mich noch immer. Bei den tollen Helfern des Hospizvereins finde ich immer Raum, um zu reden. Das hilft.


Karin Roth, Lichtenfels:

Bei meiner Patin wurde Brustkrebs diagnostiziert. Es war der 1. Februar 2010. Es folgte eine fünfjährige Dauerbehandlung mit Chemo, Bluttransfusionen und Krankenhausaufenthalten. Erst ab Juli 2016 sah man eine gravierende Verschlechterung des Gesundheitszustandes. Die Einlieferung meiner Patin ins Klinikum Kronach erfolgte Anfang November, danach wurde sie auf die Palliativstation in Kulmbach verlegt. Dort kümmerte man sich noch vier Tage intensiv um sie. Jeder von uns hatte erst einmal Angst vor dieser Station. Wir, die Familie, haben Palliativstation unwillkürlich mit dem Tod in Verbindung gebracht.
Im Nachhinein gesehen, war es die beste Entscheidung, es so zu machen. Wir spürten keine Beklommenheit, keine Verunsicherung beim Personal. Ganz im Gegenteil, wir haben gesehen, dass die Pfleger, Schwestern und Ärzte medizinisch und auch menschlich immer ihr Bestes gaben. Der Abschied von meiner Tante fiel deswegen nicht leichter, wir als Familie aber wurden aufgefangen und fühlten uns geborgener.


Elke Werner, Lichtenfels:

Bei meiner Mutter kam im Sommer 2013 der Krebs nach drei "gesunden Jahren" mit voller Wucht zurück. Mein Vater glaubte bis zuletzt, man könne meine Mutter retten. Als sie im Juni 2014 bereits spürte, dass ihr Ende nah war, wollte sie für keinen eine Belastung darstellen und gab sich damit zufrieden, dass der Doktor im Krankenhaus in Coburg sie auf die Palliativstation verlegte.
Sie fühlte sich dort gut aufgehoben und hatte auch eine Zimmernachbarin, die eine identische Krankheit hatte, allerdings schon über 90 Jahre alt war - meine Mutter war 78. Mein Bruder, mein Vater und ich versuchten immer abwechselnd, sie zu besuchen, so dass immer jemand da war.
Am 28. Juli 2014 wollte mein Vater meine Mutter nochmals nach Hause holen und hatte bereits mit der Ärztin Rücksprache gehalten. Er rief mich um 10 Uhr an, um es mir mitzuteilen. Um 11 Uhr bekam ich den nächsten Anruf von ihm, dass der Zustand meiner Mutter komplett gekippt sei, sie liege bereits im Sterben.
Als ich im Krankenhaus ankam, lag meine Mutter schweißgebadet im Bett. Neben meinem Vater und meinem Bruder stand eine Hospizhelferin am Bett, welche die Zeit bis zu unserem Eintreffen überbrückt hatte und erst ging, als sie wusste, dass meine Mutter nicht alleine bleiben musste.
Mutter nahm meine Hand, drückte sie und sagte zu mir: "Dass es so schnell geht, hätte ich nicht gedacht." Es war der letzte Tag, an dem man noch versuchte, ihr Essen zu geben, und sie ab und zu noch einen Schluck Wasser trank. Wir versuchten, es ihr so bequem wie möglich zu machen, und wischten ihr den Schweiß von der Stirn.
Am nächsten Morgen war sie sichtlich schwächer. Ich hielt ihre Hand und beobachtete, wie sich der Brustkorb hob und senkte. Durch meinen Kopf schossen Bilder der eigenen Kindheit, schöne Erinnerungen, die mich mit meiner Mutter verbinden. Ich wünschte mir sehnlichst, dass Mutter friedlich und ohne Schmerzen einschlafen kann.
Die Ärztin kam herein. Sie erzählte mir, meine Mutter habe gemeinsam mit ihrer Zimmernachbarin beschlossen, dass sie beide nicht mehr könnten und nur noch in Ruhe sterben möchten. Sie hätten sich in den Arm genommen und dann wieder in ihre Betten gelegt. Die andere Frau starb am nächsten Tag.
Meine Mutter lag ruhig in ihrem Bett, war an den Schmerztropf angeschlossen und alle anderen Dinge, wie Nahrung und Getränke, waren weg. Sie gab, außer einem leichten Händedruck, kein Zeichen mehr von sich. Doch ich weiß, sie spürte, dass wir da waren. Am nächsten Morgen kam ich ins Zimmer und setzte mich ans Bett. Es war still im Raum, bis auf das leise Atmen meiner Mutter. Ich streichelte ihre Hand und flüsterte ihr zu, dass ich da sei und sie keine Angst haben müsse.
Mit einem Mal gab sie ein Röcheln von sich, ich drückte ihr die Hand und sagte ihr, sie könne loslassen, es sei alles geregelt, ich würde mich um Vater kümmern. Sie holte noch einmal Luft, dann war es still.
Ich bin dankbar, dass ich dabei sein durfte und weiß, dass meine Mutter ohne Schmerzen sterben durfte. Dass sie nicht alleine war. Dank der palliativen Betreuung konnte sich jeder von uns von ihr verabschieden, verzeihen und um Verzeihung bitten. Für manche Streiterei oder manches Unrecht. Das Team der Palliativstation Coburg war gefühlvoll und hat es an nichts fehlen lassen.


Christoph Selling, Sonnefeld:

Liebe Mama, wir werden dich nie vergessen. Papa sagt, du bist der hellste Stern am Himmel und wir können dich jeden Abend leuchten sehen, weil du von da oben auf uns aufpasst. Danke für die elf Jahre mit dir, ich hab dich lieb.


Marie Müller*, Bamberg:

Danke an das gesamte Team des Palliativzentrums. Die Arbeit der grandiosen Pfleger, Ärzte und Schwestern hat es meiner Tochter ermöglicht, daheim zu sterben. Sie hat die Abiturfeier ihres Sohnes miterlebt und sogar noch dabei helfen können, ihm seinen Lieblingskuchen zum 18. Geburtstag zu backen. Drei Tage später ist sie in ihrem eigenen Bett gestorben. Die Trauer für mich und den Kleinen ist überwältigend, aber dank der Bamberger Engel weiß ich, dass ich überwältigt werden darf und mich trotzdem jemand auffängt. Danke dafür. (*Name geändert)

Die Aussagen der Angehörigen hat Manuel Stark zusammengetragen.