Endlos erscheint einem die Schulzeit. So gilt es das lang ersehnte Ende ausgelassen zu feiern. Ein beliebtes Ritual nach bestandener "Reifeprüfung" ist der Abischerz, der sich ins Gedächtnis von Lehrern und Schulleitern einbrennen soll. Wie schlugen sich Bamberger Absolventen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten in dieser Disziplin?



Treppen voller Becher

Von einem klassischen Abischerz, bei dem sämtliche Treppen des Kaiser-Heinrich-Gymnasiums voller Wasserbecher standen, berichtete Oberstudiendirektor Michael Strehler. "Eine Nacht lang haben die Jugendlichen wohl auf diese spezielle Weise ,gebechert', bis das Ergebnis stand". - "Almdudlerinnen" sorgten am Maria-Ward-Gymnasium 2009 für eine zünftige Gaudi, an die sich Oberstudiendirektorin Ingrid Käfferlein zurückerinnerte. Die Schule sei zur Alm geworden. "Alle kamen im Dirndl - und natürlich wurde kräftig gejodelt." Ein Theaterstück im Stil von "Bauer sucht Frau" brachten die Schülerinnen dazu passend auf die Bühne.


Gesittete junge Damen

War der Abistreich, den sich Ingrid Käfferlein mit ihren Mitschülerinnen zum Ausklang der eigenen Gymnasialzeit einfallen ließ, ebenso kreativ? "Damals waren Abischerze nicht üblich. Wir haben uns brav fotografieren lassen und später noch gemeinsam gegessen - gesittet, wie es sich für junge Damen gehört."



"Wetten, dass...?"

Weniger gesittet benahm sich der Jahrgang von Bertram Wagner, der 1978 am Dientzenhofer-Gymnasium die "Reifeprüfung" ablegte. "Bier-Etiketten wurden im Pausenhof verstreut und an die Fenster geklebt", berichtete der Bamberger, der an seiner alten Schule mittlerweile als Studiendirektor der Schulleitung angehört. Nachfolgende Generationen zeigten sich ideenreicher. So kam's 1998 am DG zu einer "Wetten, dass ...?"-Aufführung: "originalgetreu nachgespielt mit Sofa und ,Promis' (Lehrern), die bei verlorenen Wetten lustige Einlagen bieten mussten." Als gelungen empfand Wagner auch die Vorstellung von Abiturienten, die den Abischerz 2009 zu Grabe trugen - nach einem missratenen Streich im Vorjahr. "Es gab einen Trauerzug und eine Grabrede." Schon im darauffolgenden Jahr hätte man die Wiederauferstehung mit Musik und Spielen gefeiert.


Auf den Spuren von Asterix

Vom Ideenreichtum der Absolventen des E.T.A.-Hoffmann-Gymnasiums schwärmte Oberstudiendirektor Markus Knebel. "Einmal wurde ein gallisches Dorf aufgebaut - mit Holzpfählen und einem Stall für sieben Schweine." Es gab gegrilltes Wildschwein, das auf einer Wiese oberhalb des Schulgebäudes am Drehspieß hing. "Der Schulleiter wurde - wie der Häuptling bei Asterix und Obelix - auf einem Schild über das Gelände getragen." Auch liefen diverse Wettkämpfe, bei denen die "Gallier" ihre Überlegenheit beweisen konnten. In einem anderes Jahr hätten die Gymnasiasten ein Schiff gebaut, "auf dem man bis hinauf in den Ausguck klettern konnte". Lehrer mussten ebenso wie die Schüler "Segelkurse" bewältigen, um nicht unterzugehen.



Knebel selbst war mit seinen damaligen Mitstreitern ein bühnenreifer Abischerz gelungen. "Wir hatten einen Bauernhof auf dem Pausenhof eingerichtet - mit Hühnern und einem Schwein." Lehrkräfte seien gegen Abiturienten bei Schubkarren-Rennen, im Eierlauf und anderen Disziplinen angetreten. "Etwas problematisch aus Sicht der Schulleitung war der Misthaufen, der abseits lag, aber ordentlich stank."



Am Clavius-Gymnasium erinnerte sich Oberstudiendirektor Wolfgang Funk an einen Vergnügungspark, der 2011 im Schulhof entstand. Mit "Bull Riding", "Haut den Lukas" und einem "Human Soccer" hätten sich die Großen viel für ihre jüngeren Mitschüler einfallen lassen.


Es weihnachtete...

Ja, und dann gab's noch den Abi-Jahrgang am Eichendorff-Gymnasium, der im Juni die Weihnachtsgeschichte aufführte - unter dem Motto "Felice NABIdad". Wobei sich Lehrer nicht mit der Zuschauerrolle begnügen durften. Sie wurden von den Akteuren in die Inszenierung einbezogen, wie sich Oberstudiendirektorin Brigitte Kaiser erinnerte. In einem anderen Jahr hatten sich Kollegen fachspezifisch zu beweisen: "Ein Gedicht musste ein Deutschlehrer aufsagen, ein Mathelehrer Aufgaben ohne Taschenrechner lösen." Spannend wurde es, als die Ergebnisse differierten. Tatsächlich hatte der Lehrer recht, der sich als Kopfrechner gegenüber der elektronischen Variante durchsetzte.