"Drug Diaries" ist nicht nur Theaterpädagogik pur, sondern auch eine intensive Auseinandersetzung mit der Problematik Jugendliche und Drogen. Das Stück wurde von Miriam Bernhardt, Laura Croes und Johannes Neubauer in Zusammenarbeit mit der Drogenbeauftragten der Stadt Schweinfurt entwickelt. Chapeau Claque wendet sich damit primär an Schüler ab der 9. Klasse.

Das Spiel von Laura Croes als Anna und Johannes Neubauer als Ben unter der Regie von Miriam Bernhardt ist extrem ausdrucksstark und geht mehr als einmal tief unter die Haut, dies ganz ohne Effekthascherei oder plumpe Übertreibungen, sondern hart an der Realität, was auch die bei der Premiere des Stückes anwesenden Kripobeamten der Polizeidirektion Schweinfurt bestätigen. Für die drei Beamten ist der Umgang mit Tätern und Opfern von den immer beliebter werdenden "Kräutermischungen" tägliches, bitter schmeckendes Brot.


Geplatzte Träume

"Drug Diaries" schildert eine anfangs funktionierende Beziehung zwischen Anna und Ben, die nicht nur ein Paar, sondern auch Bandkollegen sind, und wie wir alle ein bisschen naiv und selbstverliebt von einer einfach nur schönen Zukunft träumen. Die Diaries erzählen auch, wie und warum diese Träume jäh wie Seifenblasen zerplatzen.

Ben gerät an den Dealer Max und lässt sich dazu überreden, doch mal eine Kräutermischung zu naschen, was er auch bedenkenlos tut. Damit beginnt ein quälend langsamer Abstieg in die Hölle. Bens Persönlichkeitsstruktur verändert sich in erschreckender Art und Weise, von Neubauer ebenso erschreckend und realistisch dargestellt. Er verliert sich selbst, und reißt seine kleine Welt mit in den Abgrund. Man weiß eben nicht, auf gar keinen Fall der Kunde/Konsument, was in der einen oder anderen Kräutermischung so alles drin steckt - "Mister Nice Guy" sicher nicht, wissen die Drogenbeauftragten der Stadt Schweinfurt, die, wie auch die Polizeibeamten, den Schülern der Klassen 8b und 9b vom Clavius-Gymnasium nach der Vorstellung für Fragen zur Verfügung standen.


Reise durch Gefühlswelten

Das Stück dümpelt in den Anfangsszenen ein wenig vor sich hin, um dann rasant an Fahrt aufzunehmen, bis hin zu atemberaubenden, gewalttätigen Momenten. Die Darsteller nehmen ihr Publikum mit auf eine Reise durch ihre Gefühlswelten, die von Langeweile, Euphorie, Verzweiflung, Wut, Trauer und Hilflosigkeit reichen, unterstützt von einer zum Teil äußerst drastischen Wortwahl. Die Sprache der Jugend, wie sie uns nicht nur täglich auf jedem Schulhof begegnet, sondern eben auch in einschlägigen und möglicherweise deshalb so populären Rapsongs. "Drug Diaries" mündet in eine Katastrophe.