Völlig unscheinbar steht das schwarze Fahrzeug vor der Universität in der Feldkirchenstraße. Jeder Passant oder Verkehrsteilnehmer würde es als normales parkendes Kraftfahrzeug wahrnehmen. Nur bei genauerem Hinschauen entdeckt man die beiden Kameras in Front- und Heckbereich. Auch sonst ist der Volkswagen voll gestopft mit Hochleistungstechnik.

"Wir können wie hier die 30-Kilometerzone in beide Fahrtrichtungen gleichzeitig kontrollieren", erläutert Martin Bischof von der Firma "Gemeinnützige Gesellschaft für Kriminalprävention und Verkehrssicherheit", welche die Geschwindigkeitsüberwachung im Auftrag der Stadt Bamberg ab Dienstag durchführen wird.

"Sinn und Zweck der kommunalen Geschwindigkeitsüberwachung ist es nicht, das Stadtsäckel zu füllen, sondern mehr Verkehrssicherheit für Anlieger und Familien zu schaffen und damit die Lebensqualität in Bamberg zu erhöhen", betonte Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) bei dem Ortstermin. Im Laufe seiner Amtszeit hätte er sehr häufig Beschwerden von Bürgern erhalten, die über zu schnell fahrende Fahrzeuge klagten. Er habe sich diesbezüglich immer mit der Bitte um Geschwindigkeitskontrollen an die Polizei gewandt. Aber da deren Kapazitäten oftmals nicht ausreichten bzw. die Beamten mit anderen Aufgaben beansprucht waren, sei hier ein echter Handlungsbedarf entstanden, so der OB.

Kontrolliert wird nun besonders an Bushaltestellen, rings um Altenheime, Schulen und Kindergärten, Tempo-30-Zonen sowie in Wohngebieten. Insgesamt wurden gemeinsam mit Bürgern, dem Stadtrat und in enger Zusammenarbeit mit der Polizei 67 Messstellen festgelegt. Dabei wurde auch ein besonderes Augenmerk auf bekannte Gefahrenschwerpunkte gelegt. "Zu den Messstellen gehören beispielsweise die Mußstraße auf Höhe des Kindergartens, die Kapuzinerstraße auf Höhe des Clavius-Gymnasiums sowie die Kloster-Banz-Straße auf Höhe des Eugen-Pacelli-Platzes", schilderte Ralf Haupt, Sozial- und Umweltreferent der Stadt Bamberg. Pro Monat soll im Durchschnitt an circa 45 Stunden gemessen werden. Nach einem halben Jahr soll eine erste Zwischenbilanz gezogen werden und bei Bedarf eventuelle die Messschwerpunkte neu definiert werden. Das ganze Projekt ist auf zwei Jahre festgelegt.

Bei Straßen mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung von 10 km/h wird eine höhere Abweichungstoleranz angesetzt. Demzufolge erfolgt eine Ahndung erst ab einer Geschwindigkeit von 25 km/h. Haupt betonte zudem, das die Geschwindigkeitsüberprüfungen die Stadt "nicht reich machen" würden. Ganz im Gegenteil: Der Umweltreferent geht davon aus, dass dieses Jahr sogar ein Defizit entstehen wird. "Wenn wir am Ende mit einer schwarzen Null rauskommen, sind wir mehr als zufrieden. Und je höher die Verkehrsmoral der Bürger ist, desto weniger nimmt die Stadt ein."

Die Polizei sieht in den kommunalen Geschwindigkeitsmessungen keine Konkurrenz, sondern eine "sinnvolle Ergänzung". "Wir sind sehr froh über die kommunalen Kontrollen, die uns ein Stück weit entlasten", schildert Klaus Linsner, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Bamberg-Stadt. Allerdings werde die Bamberger Polizei nach wie vor im gleichen Umfang eigene Geschwindigkeitsmessungen durchführen.

Die Firma "Gemeinnützige Gesellschaft für Kriminalprävention und Verkehrssicherheit" mit Sitz in Hamburg führt seit über zehn Jahren kommunale Kontrollen durch und hat dementsprechend nach eigenen Angaben viel Erfahrung. Geahndet werden die Geschwindigkeits übertretungen nach dem jeweils gültigem Bußgeldkatalog mit all ihren Konsequenzen. "Unsere Geräte werden jährlich geeicht. Sodass am Ende jede Übertretung der Geschwindigkeit auch gerichtsfest ist", unterstreicht Martin Bischof.