Katharina (22) und Lisa (21) haben es drauf: "Hallo, wir sind von den Pfadfindern und sammeln Sachspenden für die Bamberger Tafel!"
So sprechen die beiden Stammesleite rinnen der Pfadfinderinnen St. Georg (PSG) St. Kunigund Passanten an, die einen Drogeriemarkt an der Ludwigstraße betreten wollen. "Kaufen Sie etwas mehr und legen es für die Tafel in unseren Einkaufswagen", müssen die jungen Frauen nicht erst lange bitten.

Die meisten Einkäufer kommen mit zwei, drei Produkten zurück, die sie abliefern. Sabine Nachtrab zum Beispiel bringt Duschgel und Zahncreme mit: "Für mich ist das eine Kleinigkeit, aber ich kann praktisch helfen. Man sieht direkt den Nutzen", sagt die Bambergerin und lobt die "gute Aktion", zu der sich zehn Pfadfinderinnen mit ihren Leiterinnen eingefunden haben.

Die "taffen" Ladys strahlen: Ihr Mitwirken an der 72-Stunden-Aktion des Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) ist erfolgreich: Schon nach eineinhalb Stunden Einsatz quellen zwei Einkaufswagen mit Hygieneartikeln über.

Am Tag zuvor haben sie bereits vor einem Supermarkt Lebensmittel für die Tafel gesammelt. "Es ist lohnenswert, sich zu engagieren", weiß PSG-Kuratin Birgit Janson, die als geistliche Begleiterin die Jugendlichen nicht allein lässt. Auch die Geschäftsleute hätten sofort zugestimmt, dass sich die Pfadfinderinnen vor ihren Läden breit machen, freut sich Monika Rudolf, PSG-Bildungsreferentin, die die Idee zu dieser Sammelaktion hatte.


Vielseitige Hilfe


Alle sind stolz darauf, Teil der größten Sozialaktion für Jugendliche in Deutschland zu sein. Bundesweit machen 175 000 Menschen in insgesamt 4000 sozialen, politischen, ökologischen oder interkulturellen Projekten mit. Allein in Bamberg und Umland sind es 250 junge Leute, die die Welt in 72 Stunden zwar nicht völlig verändern, aber ein bisschen besser machen können.

So sammelt die Christliche Arbeiterjugend (CAJ) im Heinrichssaal an der Kleberstraße Sach- und Geldspenden für die Hochwasseropfer in Deggendorf. Oder: Die Katholische Junge Gemeinde (KJG) gestaltet den Garten am Gaustadter Kindergarten St. Josef neu. Oder: Firmlinge der Pfarrei St. Martin bauen auf dem Spielplatz in der Mayerschen Gärtnerei für die Kleinen ein originales Indianer-Tipi zusammen.


"Jugendliche sind anders"


"Jugendliche zeigen, dass sie anders sind, als sie oft dargestellt werden. Sie setzen sich für das Gemeinwohl ein", erklärt denn auch Erzbischof Ludwig Schick und betont, dass er die 72-Stunden-Aktion für "sehr unterstützenswert" hält. Tatsächlich taucht er bei den Pfadfinderinnen vor dem Drogeriemarkt auf, mit Diözesanjugendpfarrer Detlef Pötzl und dem Bundesvorsitzenden des BDKJ, Simon Rapp, im Schlepptau.

"Ich habe mein Portemonnaie mitgebracht, was wird gebraucht?", erkundigt sich der Erzbischof. Und die Stammesleiterinnen sagen ihr Sprüchlein auf. Schick taucht in das Geschäft ein - und kommt mit einem prall gefüllten Einkaufskorb wieder. Sogar Babywindeln hat der Erzbischof mitgebracht, Zahnbürsten, Handcreme, Seife und mehr. Und für die Pfadfinderinnen etwas zum Naschen.

Erzbischof Schick sagt noch etwas zum "Einüben vom guten Miteinander" und übt sich prompt im Einkaufsgespräch: Ein priesterlicher Mitbruder kommt zufällig des Weges, den er gleich über die Aktion zugunsten der Bamberger Tafel aufklärt und zum Kaufen animiert. "Es erfordert Einsatz, Leute anzusprechen", erfährt der Erzbischof am eigenen Leib. Es habe aber auch "den Effekt, die Bedürfnisse anderer, denen es nicht so gut geht, im Auge zu behalten", fügt Schick hinzu.

Das will der PSG-Stamm St. Kunigund auf jeden Fall. So wollen die Pfadfinderinnen die Bamberger Tafel auch persönlich besuchen, um sich ein Bild zu machen. Und um Empathie zu zeigen: "Katholische Jugend kann eben nicht nur beten, sondern auch helfen", lächelt Daniel Köberle, Diözesanvorsitzender des BDKJ. Schließlich lautet das Motto der 72-Stunden-Aktion vieldeutig: "Uns schickt der Himmel. . ."