Staatsanwaltschaft Bamberg hat am 30. Dezember 2014 gegen einen 48-jährigen Chefarzt des Bamberger Klinikums, der sich seit August 2014 in Untersuchungshaft befindet, Anklage zum Landgericht Bamberg erhoben.

Darin legt sie dem Angeschuldigten zur Last, im Zeitraum von September 2008 bis Juli 2014 Frauen unter dem Vorwand einer ärztlichen Behandlung beziehungsweise einer medizinischen Studie ohne deren Wissen mittels des Hypnotikums Midazolam in einen absolut willenlosen, handlungsunfähigen Zustand versetzt, durch Manipulationen im Intimbereich sexuell missbraucht und hiervon Fotos sowie Videoaufnahmen gefertigt zu haben. Die Tathandlungen sind nach Auffassung der Staatsanwaltschaft rechtlich als Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, gefährliche Körperverletzung sowie als Ver-letzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen zu würdigen.

Bamberg: Gegen den Chefarzt wurde Anklage erhoben

Bei den mutmaßlichen Opfern handelt es sich um 13 Frauen im Alter von 17 bis 28 Jahren. Bei zehn Frauen handelt es sich um Patientinnen des Angeschuldigten, zwei waren zu den Tatzeiten Mitarbeiterinnen im Bamberger Klinikum. Eine mut-maßliche Geschädigte stammt aus dem privaten Umfeld des beschuldigten Arztes. Alle Frauen haben Strafantrag gestellt, zwölf von ihnen wollen sich zur Wahrnehmung ihrer Opferrechte als Nebenklägerinnen am Strafverfahren beteiligen.

Der Angeschuldigte hat die gegen ihn erhobenen Vorwürfe, insbesondere einen sexuellen Hintergrund, bislang in vollem Umfang bestritten und beruft sich darauf, lediglich medizinisch gebotene Untersuchungen vorgenommen zu haben. Die Beweisführung der Staatsanwaltschaft stützt sich im Wesentlichen auf 68 Zeugenaussagen und fünf Sachverständige sowie eine Vielzahl tatrelevanter Bilder und Videosequenzen, die das Tatgeschehen wiedergeben.

Die zuständige Große Strafkammer des Landgerichts Bamberg unter dem Vorsitzenden Manfred Schmidt hat dem Verteidiger eine vierwöchige Stellungnahmefrist eingeräumt, bevor sie über die Zulassung der Anklage entscheidet. Für den Fall der Eröffnung des Hauptverfahrens ist mit einem Prozessauftakt nicht vor März 2015 zu rechnen.