Wegen des illegalen Anbaus von Betäubungsmittelpflanzen ermittelt die Polizei nach wie vor gegen einen 25-jährigen Mann aus einem Gemeindeteil von Litzendorf. Rund 60 junge Cannabispflänzchen hatten Beamte vor einigen Wochen bei einer Hausdurchsuchung in der Gemeinde Litzendorf sichergestellt. Ein Einheimischer hatte sie auf einem Privatgrundstück angebaut. Der 25-Jährige befindet sich auf freiem Fuß. Die Pflanzen, die zum Zeitpunkt der Sicherstellung noch nicht erntereif waren, wurden im Anschluss umgehend vernichtet.

"Ausgewachsen werden die Pflanzen mehr als mannshoch", schildert Erster Kriminalhauptkommissar Roland Zoeke von der Kripo Bamberg. Im Vergleich dazu standen im Ellertal noch Pflänzchen, von denen kein allzu hohes Wirkstoffpotenzial zu erwarten gewesen wäre. Nicht bekannt ist, ob der Mann aus dem Landkreis Bamberg mit dem Anbau Handelsabsichten verband. In illegalen Plantagen werden die Cannabis-Pflanzen unter Infrarotlicht und gezielter Nährstoffzufuhr zu einem wesentlich besseren "Ertrag" für die Rauschgift-Kriminalität gebracht. "Die Samen gibt es legal zu kaufen, wer sie sät, macht sich strafbar", verdeutlicht Zoeke die recht komplexen juristischen Zusammenhänge. Außerdem gibt es Samen für Nutzhanf ohne den Wirkstoff THC (Tetrahydrocannabinol).

Im Fall des Ellertales enthielten die Pflanzen allerdings den berauschenden Wirkstoff, der sowohl in den Blättern, vor allem aber in den doldenartigen Blüten enthalten ist. Die Blätter können getrocknet, verkrümelt und geraucht werden, die harzigen Dolden werden zu Marihuana mit der "entspannenden, besänftigenden halluzinogenen Wirkung", so Zoeke. Der Konsum ist meist straffrei.

Im Landkreis kommt es immer wieder vor, dass relativ kleine Mengen ohne hohes Wirk stoffpotenzial angebaut werden, größere Fälle sind der Polizei aber nicht bekannt, sagt Beate Weiß, Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Oberfranken. In den grenznahen Revieren zu Tschechien gebe es die Mehrzahl der "Aufgriffe", Schmuggler, die meist auch Konsumenten seien. Das Hauptaugenmerk liege auf der Prävention. Im Zusammenhang mit Drogendelikten sei dies der wichtigste Punkt.

Laut der Polizeilichen Kriminalstatistik 2011 für Bayern konnte im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang der Rauschgiftkriminalität um 2,9 Prozent (31 246 Fälle) verzeichnet werden. Ein Wermutstropfen stellt die Tatsache dar, dass die Einfuhr von Rauschgiftmitteln um 44,7 Prozent gestiegen ist. Besondere Sorge bereitet hierbei das sogenannte "Crystal Speed", das vor allem in der Tschechischen Republik hergestellt und schließlich im Grenzgebiet billig verkauft wird. Insgesamt konnten im Jahr 2011 11,7 Kilogramm Crystal Speed sichergestellt werden. Im Vergleich zu 2010 bedeutet dies eine Steigerung um 109 Prozent.