In mindestens 20 Fällen soll sich ein 58-Jähriger aus dem Landkreis Forchheim an einem zur Tatzeit neunjährigen Mädchen sexuell vergangen haben. Der Fall wird derzeit an zwei Verhandlungstagen vor dem Landgericht Bamberg verhandelt.

Allerdings fand der wesentliche Teil auf Antrag der Anwälte unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Der Verteidiger des Mannes, Gunter Bierfelder, stellte diesen Antrag, weil er schutzwürdige Interessen seines Mandanten berührt sah. Dem Vertreter der Nebenklage, Andreas Schwarz, ging es vor allem darum, die Ehre seiner minderjährigen Mandantin, die heute 14 Jahre alt ist, zu schützen.

Nach etwa zehnminütiger Beratung entschied Richter Manfred Schmidt, beiden Anträgen stattzugeben - aber erst, sobald der Angeklagte und die Hauptzeugin zur Sache befragt werden konnten.

Das Opfer war noch keine 14 Jahre alt


Die Serie von Übergriffen ereignete sich in einem Zeitraum vom Sommer 2007 bis zum Mai 2010. Zur Last gelegt wurden dem Mann insbesondere sexuelle Handlungen, die das im Jahre 1998 geborene Mädchen über sich ergehen lassen musste, als sie regelmäßig bei dem Angeklagten zu Besuch war. Dem Mann sei ihr wahres Alter bekannt gewesen, und es kam in den meisten Fällen zum vaginalen Geschlechtsverkehr, seltener zu anderen sexuellen Handlungen.

Besonders schwer wog, dass die Geschädigte zum jeweiligen Tatzeitpunkt noch unter 14 Jahre alt, also ein Kind gewesen war. Dabei machte der Mann auch vor Oralverkehr nicht halt. Oft fand er für seine Taten wohlmeinende Worte, dass es doch besser sei, "dies jetzt hinter sich zu bringen". Gleichzeitig schärfte er seinem Opfer ein, bloß niemandem etwas zu erzählen.

Die Befragung des Angeklagten, der schon seit acht Monaten in Bayreuth in Untersuchungshaft sitzt, war noch öffentlich. Die Prozessbeteiligten mussten viel Geduld aufbringen und oft lange auf die Antworten warten. Zögerlich und stockend suchte der Angeklagte nach Worten.

Geboren wurde der Mann in der Tschechoslowakei. 1968, da war er 13 Jahre alt, kam er mit der deutschstämmigen Mutter und drei Geschwistern nach Deutschland. Er hat den qualifizierten Hauptschulabschluss geschafft, eine Lehre begonnen, diese aber nicht beendet. Als seinen nationalen Status gab er "staatenlos" an, zur Begründung hieß es, "da ich nicht wusste, wohin ich gehöre."

Ob er sich für die deutsche Staatsbürgerschaft entscheiden würde, wollte der Richter wissen. Der Angeklagte bejahte die Frage. Warum er das bisher nicht getan habe? Die Antwort: "Ich habe mich bemüht. Aber das ging wegen meiner Vorstrafen nicht."

In der Tat hatte der Umzug nach Deutschland von Anfang an unter keinem besonders günstigen Stern gestanden. Die Kinder wurden auf diverse Pflegeheime verteilt, während sich die Mutter um Arbeit kümmerte. Insgesamt war der Angeklagte vier Jahre lang in verschiedenen Heimen. Er absolvierte eine Lehre als Kellner. Seine Ausbildung hat er in Hamburg abgeschlossen.

Als Busfahrer gearbeitet


Warum Hamburg? "Ich hab da eine Frau kennen gelernt." Diese Frau fiel ein wenig aus dem Rahmen, denn sie war bereits 48 Jahre alt, während er sonst stets aus seiner Vorliebe für sehr junge Mädchen keinen Hehl machte.
Seit 2006 lebt er in der Fränkischen Schweiz, von der Kindsmutter ist er seit 2010 getrennt, weil seine Tochter den Kontakt beendet hat. "Haben Sie jemals über einen längeren Zeitraum gearbeitet?" fragte Richter Schmidt. Wohl nur sporadisch als Busfahrer - den Busführerschein habe er übers Arbeitsamt gemacht.

Tochter der Schwägerin


Und das Mädchen, an dem er sich vergangen hatte? Sie sei die vaterlose Tochter ihrer Schwägerin. Derzeit sei er wieder einmal in Haft, und wenn er die Gelegenheit dazu bekäme, würde er noch einmal ganz von vorn anfangen, zumal ihn die Streiterei mit seiner jüngeren Ehefrau in schwere mentale Probleme getrieben habe.

Die Befragungen seiner Frau und des Mädchens wurden danach unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorgenommen.