Langsam füllt sich im Osten von Bamberg das Balkanzentrum oder - wie es offiziell heißt - die Ankunfts- und Rückführungseinrichtung. Waren es am Dienstag bei der offiziellen Eröffnung durch die Staatsministerin Emilia Müller (CSU) noch um die 70 Flüchtlinge, zählte das Aufnahmelager gestern bereits 154 Menschen.

Oberfrankens Regierungspräsident Wilhelm Wenning geht davon aus, dass in rund zwei Wochen die ersten beiden Wohnblöcke mit insgesamt 400 Personen belegt sein werden. Die Maximalauslastung mit 1500 Flüchtlingen dürfte nach ersten Schätzungen gegen Ende des Jahres erreicht sein.


1500 Menschen oder mehr?


Nach wie vor bleibt jedoch die große Frage, ob es dann bei der ursprünglich angedachten und vom Freistaat versprochenen Höchstgrenze von 1500 Menschen bleibt oder ob, wie kürzlich der Bund verlauten ließ, weitere 5000 oder vielleicht sogar noch mehr Flüchtlinge nach Bamberg verlegt werden.

Die Bundestagsabgeordnete der Grünen, Ekin Deligöz, war sich bei dem gestrigen Ortstermin mit einer Delegation der Grünen und der Bamberger GAL sicher: "Über die geplanten 1500 hinaus werden weitere Flüchtlinge in der Bamberger Kaserne unterkommen!" Schließlich sei der Bedarf sehr groß und nicht alle bisherigen Unterkünfte könnten winterfest gemacht werden.


Heftiger Widerspruch


Ob allerdings dann weiterhin wie bisher ausschließlich Flüchtlinge aus dem westlichen Balkan kommen werden oder ob es für andere Asylsuchende geöffnet wird, könne sie aktuell nicht sagen.

Dem Ganzen widerspricht der oberfränkische Regierungspräsident energisch. "Wir, also der Bezirk und der Freistaat Bayern, werden eine derartige Einrichtung nicht führen. Denn eine Asylunterbringungsquote von zehn Prozent halte ich für Bamberg für zu hoch", unterstrich Wenning. Eine solche könne er sich nur vorstellen, wenn die Welt unterginge und davon sei man noch weit entfernt.

Allerdings, so schränkte der Regierungspräsident ein, wisse man derzeit nicht konkret, was der Bund vorhabe. "Ich kann mir nur schwer vorstellen, wie der Bund eine Einrichtung in dieser Größenordnung überhaupt führen wollte. Ihm fehlt beispielsweise das Personal dazu", sagte Wenning. Daher wäre, wenn überhaupt, eine Erweiterung allenfalls als vorübergehende Notlösung zu betrachten. Zudem sehe er die Probleme eher in Südbayern als in Bamberg. Denn dort würden wöchentlich mehrere Tausend Flüchtlinge eintreffen.