E s gibt keinen solchen Unterschied zwischen Männern und Frauen, dass Frauen nichts Großes vollbringen können, wie wir am Beispiel vieler Heiliger gesehen haben, die Großes getan haben. Ich hoffe zu Gott, man wird sehen, dass Frauen in der kommenden Zeit viel tun werden."
                       Mary Ward (1585-1645)

Mathilde Felix erinnert sich noch gut daran, wie ihre Eltern erst gegen das Abitur für sie als Mädchen waren. Doch dank ihres Bruders, der bei den Karmeliten in Bamberg war, kam die Pfarrkirchnerin 1954 an das Gymnasium der "Englischen Fräulein", legte dort 1960 das Abitur ab. Heute mutet es abenteuerlich an, wie der Schulalltag damals aussah.

"Der Unterricht war straff und streng. Disziplin und Ordnung wurden eingefordert, Schwätzen während des Unterrichts wurde streng geahndet, und Vergessen von Hausaufgaben gab es praktisch nicht. Die Schülerinnen hatten sehr großen Respekt vor den Lehrkräften", sagt Mathilde Felix in einem Interview, das in der neuen Festschrift "Maria-Ward-Schule Bamberg 1717-2017" abgedruckt ist.

Heutzutage sind in der Schule mehr Partnerschaftlichkeit und Teamarbeit angesagt: "Die Schülerinnen sind viel offener und aufgeschlossener im Umgang mit den Lehrkräften und üben auch offen Kritik", weiß Mathilde Felix, die bis zu ihrer Pensionierung 1999 selber Lehrerin an der Maria-Ward-Schule war. Und das sehr gern trotz oder gerade wegen der gewandelten Zeitläufe.

Denn ganzheitliche Erziehung und Bildung von Mädchen und Frauen ist bleibender Auftrag von Ordensgründerin Mary Ward auch nach 300 Jahren.

Die mühevollen Anfänge der Maria-Ward-Schule reichen in das Jahr 1704 zurück. Adelige Damen wie Gräfin von Wolfsthal und Amalie von Rothenhan bewiesen Mut zum Risiko und einen langen Atem in ihrem Einsatz für Mädchenbildung in Bamberg. Sie hatten von den Schulen der "Englischen Fräulein" in Augsburg erfahren und baten die Oberin Anna von Rehlingen um Unterstützung ihrer pädagogischen Pläne. Schließlich stand Fürstbischof Lothar Franz von Schönborn dem Vorhaben, eine Mädchenschule in Bamberg zu errichten, ablehnend gegenüber.
Empfehlungsschreiben und Geschenke erweichten ihn zumindest so, dass 1716 Verhandlungen beginnen konnten. Am 22. Juni 1717 war es dann soweit: Sieben "Englische Fräulein" aus Augsburg bezogen die neue Ordensniederlassung am Holzmarkt in Bamberg. Schon am 21. August 1717 begannen die Schwestern mit dem Elementarunterricht für Mädchen in einem Haus im Vorderen Graben: unentgeltlich und gesponsert von Privatleuten, denen die Mädchenbildung ein Anliegen war.

Die 300-jährige Schulgeschichte bietet Berichte über Neu- und Umbauten, über tausende Schülerinnen und Familien, die ihre Töchter seit Generationen zu den "Englischen Fräulein" schicken.
Krisen blieben nicht aus. Da war die Säkularisation, als die Schwestern auf den "Aussterbe-Etat" gesetzt wurden und von neun Fräulein, die 1803 Unterricht erteilten, nur drei die Wiedereinrichtung im Jahr 1827 erlebten und die finanziellen Verhältnisse bitter waren. Dann die vollständige Schließung der Schulen in der NS-Zeit zum Ende des Schuljahres 1938/39. Auch der Wiederbeginn nach dem zweiten Weltkrieg gestaltete sich nicht so romantisch. Die Militärregierung machte Schwierigkeiten, weil ein "Budget von 4000 Reichsmark" nicht ausgeglichen war. Zu Beginn des dritten Jahrtausends schließlich sah sich das "Englische Institut" aus finanziellen und personellen Gründen gezwungen, die Trägerschaft der Schule aufzugeben.

Diese übernahm 2002 das Erzbistum Bamberg. 2016 schied die letzte noch verbliebene Lehrerin im Ordenshabit aus. Bereits 2001 wurde die letzte gemeinsame Schulleiterin von Gymnasium und Realschule, Schwester Ulrike Dimler, in den Ruhestand versetzt. Oberstudiendirektorin Ingrid Käfferlein und Realschuldirektorin Barbara Hauck teilen sich nun die Leitungsaufgabe in Bayerns zweitgrößtem katholischen Schulzentrum nach Maria-Ward-Nymphenburg in München.

"Gefühlt ist das immer noch unsere Schule!", erklärt Schwester Ursula Dirmeier lächelnd. Sie ist Hausoberin der 20 Mitschwestern in Bamberg im Alter von 58 bis 94 Jahren. Da ist allein schon die unmittelbare räumliche Nähe des Klosters zu Gymnasium und Realschule. Ebenso verbinden die gemeinsamen Gottesdienste und Andachten in der Institutskirche. Auch das Jubiläumsjahr 2017 zeichnet sich durch eine Fülle an Veranstaltungen aus, die die traditionsreiche Schule mit den Ordensschwestern durchführt.
Die Hausoberin ist sich sicher, dass Mary Ward "stolz auf diese Schule wäre, in der ihre Idee einer christlichen Mädchenerziehung und -bildung weiter lebt".
Der Ordensgründerin würde auch gefallen, dass sich die Bamberger Schwestern ohne Aufhebens um Menschen in Not kümmern. Obdachlose zum Beispiel wissen genau, dass es für sie aus der Klosterküche etwas zu essen gibt. Drei Flüchtlingsfamilien aus Armenien, Äthiopien und dem Irak haben in einem dem Orden gehörenden Haus Wohnung gefunden: "Wenn ich Not sehe, und wir haben Platz, nehme ich Flüchtlinge auf", sagt Schwester Ursula nachdrücklich. Zwei Mitschwestern erteilen ihnen auch Deutschunterricht: "Wir sind nicht auf Erziehung festgelegt, soziales Engagement ist uns ebenfalls wichtig."
"Gute Bildungseinrichtungen wie die Maria-Ward-Schule sind für die Region ein Aushängeschild und damit ein wichtiger Standortfaktor", lobt Bambergs Oberbürgermeister Andreas Starke die Jubilarin. Erzbischof Ludwig Schick würdigt die Gemeinschaft der "Englischen Fräulein", die für die Förderung der Frauen "Pionierarbeit geleistet hat, von der viele Generationen in Familie und Beruf, Gesellschaft und Kirche profitiert haben".