"Raven gegen Horst": Am Samstagnachmittag versammelt sich ein Grüppchen junger Menschen vor der Konzerthalle in Bamberg um einen Lieferwagen. Ein Mädchen schießt mit einer Seifenblasenpistole, einige tragen Ordner-Bänder um die Oberarme, auf einem Transparent steht: "Nein zu Polizeiwillkür, zu Überwachungsstaat. Grundrechte verteidigen". Gegen halb 6 sind rund 200 Menschen gekommen, größtenteils studentisches Milieu.

Die Polizeipräsenz hält sich in Grenzen. Hinter der Demo, die eigentlich keine Demo sein will, steht die "Hedonistische Internationale". Es ist die erste Veranstaltung der Gruppierung, die sich für mehr Spaß für alle einsetzt.

Jonathan Burkert erklärt, was dahintersteckt: "Wir wollen nicht immer nur Trübsal blasen, wenn uns etwas nicht passt, sondern lieber ein positives Zeichen setzen. Vielleicht kann ein solche, lebendige Demonstration mehr Menschen mobilisieren, als eine klassische, wo die Leute schweigsam nebeneinander herlaufen."

Die Redebeiträge sind daher auch auf einen beschränkt. Felix Müller erinnert an Horst Seehofers Freude angesichts der 69 Abschiebungen an seinem 69. Geburtstag, an eine als Hetze verstandene Verschärfung des politischen Diskurses - insbesondere im Freistaat. "Wir fühlen uns nicht wohl in so einem Bayern. Wir wollen uns von Horst aber auch nicht die Laune verderben lassen."

Dann setzt sich der Zug in Bewegung, untermalt vom stampfenden Techno von We Are Clouds. Und tatsächlich wird auch getanzt, hinterm und auf dem Wagen. Seifenblasen fliegen über die Köpfe der Demonstrierenden, die von hier über Marien- und Schillerplatz bis zum Dom ziehen wird.

"Raven gegen Horst" reiht sich bewusst ein in die zunehmenden bayrischen Proteste gegen die CSU. Mindestens 25.000 (die Veranstalter sprachen von 50.000) gingen im Juli in München unter dem Motto "Ausgehetzt" auf die Straße. Umfragen zufolge ist Markus Söder der unbeliebteste Ministerpräsident eines Bundeslandes in Deutschland. Zumindest ein bisschen ist von dieser aufrührerischen Stimmung nun auch nach Bamberg geschwappt.