Ein martialisches Bild bot sich den Bambergern und Besuchern der Stadt am Morgen des Montag: Ein Großaufgebot an Polizeikräften, viele ausgerüstet mit Schlagstöcken und Schusswaffen, hatte gegen 8.30 Uhr das Schaeffler-Baugelände zwischen Lichtenhaide- und Jäckstraße umringt. Niemand wurde ohne Kontrolle mehr hinein- oder herausgelassen.

Was war passiert? Kurze Zeit, nachdem der Ring um das Baugelände geschlossen war, klärte das Hauptzollamt Schweinfurt die Öffentlichkeit mit einer Pressemeldung auf. Die Großbaustelle, auf der zeitweise über 600 Menschen gearbeitet haben sollen, wurde einer riesigen Kontrollaktion nach dem Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz unterzogen. Dabei sind nach Angaben von Udo Skrzypczak, dem Leiter der Polizeiinspektion Bamberg, bis Montagmittag rund 200 Beamte der Polizei und der Zollbehörden im Einsatz gewesen.

Eine solche Razzia kann ohne konkreten Anfangsverdacht durchgeführt werden, um zu überprüfen, ob die Beschäftigten dort den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn erhalten, ob sie bei der Sozialversicherung angemeldet sind oder ob es sich um Scheinselbstständige handelt. "Wir sind auch dazu da zu überwachen, dass unsere Sozialversicherungen nicht unterlaufen werden", sagte Stefan Schramm vom Hauptzollamt.

Mit Fragebogen im Einsatz
Um die Daten zu erheben, schwärmten die Zollbeamten mit Fragebogen auf dem großen Gelände aus, auf dem zur Zeit vor allem Rohbauarbeiten stattfinden. Ob auf dem Schaeffler-Gelände tatsächlich gegen deutsche Gesetze verstoßen wurde, konnte Schramm bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht sagen. Noch laufen die Ermittlungen, zahlreiche Daten müssen abgeglichen werden.

Bei der Razzia wurde das Hauptzollamt von Dolmetschern etlicher Nationalitäten unterstützt. Dies war auch nötig: Die Mehrheit der Arbeiter stammt nicht aus Deutschland. Auf der Bamberger Großbaustelle sind unter anderem Kroaten, Rumänen, Letten, Bulgaren, Ukrainer und Italiener beschäftigt.

Nicht bestätigt hat sich bereits am Vormittag die Annahme, dass auf der Baustelle über 300 Menschen arbeiten könnten, wie teils in den Medien berichtet worden war. Die vor Ort befindliche Bauleitung selbst sprach von ca. 80 Arbeitern, die überwiegend mit Rohbauarbeiten beschäftigt seien.

"Schaeffler 2.0", wie das Wohnbauvorhaben der "Denkmalneu-Gruppe" in der Werbung genannt wird, soll künftig Wohnraum für ca. 800 Menschen bieten. Insgesamt entstehen auf 5,8 Hektar Fläche rund 400 Wohnungen und 120 Reihenhäuser. Auch Studentenappartements und so genannte Loftwohnungen gehören zum neuen Stadtquartier, das auf einer langjährigen Industriebrache entsteht.