Weithin sichtbar erhebt sich seit rund zwei Wochen ein schlanker Mast auf der Höhe bei Trabelsdorf zwischen Aurach- und Maintal. Viele vermuten, dass er etwas mit dem dort geplanten Windpark zu tun hat - und dass "nun ernst wird". Zumindest in ersterem liegen sie richtig. Darüber gibt ein Transparent, das nahe des Mastes aufgespannt ist, offen Auskunft. Mit einer Genehmigung der Windräder hat die Anlage allerdings nichts zu tun. Es geht vielmehr darum, die Frage klären, ob hier Windkraftanlagen überhaupt wirtschaftlich betrieben. Und dazu hat Roland Lösel, der im Vorranggebiet 135 des Regionalplan-Entwurfs einen Windpark mit Bürgerbeteiligung projektiert, eine bislang im Landkreis Bamberg nicht da gewesene Windmessung in Auftrag gegeben.

Kooperation mit Naturstrom AG

Weil die Messergebnisse nicht nur für diesen Höhenzug, sondern auch für einen weiten Umkreis - die Rede ist von rund 30 Kilometern - zuverlässige Daten liefern sollen, hat sich auch die Naturstrom AG, die beispielsweise im Bereich von Walsdorf an der Errichtung eines Windparks interessiert ist, an dem Projekt beteiligt. Immerhin gehen die Kosten für dieses Vorhaben - das weder vom Gesetzgeber vorgeschrieben noch von den Kredit gebenden Banken gefordert wird - deutlich in den sechsstelligen Bereich.

Nur ein Teil davon entfällt auf den materiellen Wert des Mastes. Schon er aufwendige Aufbau mithilfe eines Helikopters schlägt mit einer entsprechenden Summe zu Buche. Und natürlich kostet auch die Auswertung und das detaillierte Gutachten viel Geld.

Die Stahlgitterkonstruktion selbst eine Höhe von gut 140 Metern. Daran sind auf acht verschiedenen Höhenstufen zwischen 80 und 144 Meter Windgeschwindigkeitsmesser (Anemometer) angebracht. Zusammen mit Messfahnen für die Windrichtung, Temperatur- und Luftfeuchtigkeitsmessern liefert der Mast exakte Daten auf deren Basis dann Umweltberatungs - und Windgutachterbüro Geo-Net in Hannover detaillierte Prognosen für das langfristige Windaufkommen an diesem Standort erstellt.

Und mittels spezieller 3D-Modelle können auch Windkarten für weite Teile des Landkreises Bamberg errechnet werden, deren Genauigkeit weit über die hochgerechneten Angaben im bayerischen Windatlas hinausgeht, der seinerseits Grundlage für den Regionalen Planungsverband bei der Ausweisung von Windenergie-Vorranggebieten ist. "Der Windatlas ist Pi mal Daumen", meint Roland Lösel. "Mit dieser Messung habe ich eine Genauigkeit von mindestens 98 Prozent".

Verlässliche Daten

Die Verlässlichkeit der Messung sei gebe also vor allem den Bürgern Sicherheit, die in die einen Windpark investieren wollen."Wenn ein großer Konzern mit 20 Prozent Rendite plant, ist das vielleicht nicht so wichtig", meint Lösel. Wenn man aber im einstelligen Prozentbereich kalkuliere, komme es sehr auf verlässliche Prognosen an. Denn wichtig sein vor allem, dass ein Bürgerwindpark schwarze Zahlen schreibe.

Deshalb soll der Mast bei Trabelsdorf - der auf Priesendorfer Gemeindegebiet steht - auch nicht nur ein Jahr sonder voraussichtlich eineinhalb Jahre stehen bleiben. Denn, so weiß Lösel, für die Windkraft sind vor allem die Wintermonate wichtig. Von September bis Mai ist "Windsaison" . Und mit Messungen über zwei solche Zeiträume werden die Ergebnisse noch exakter sein.

Vollständiger Rückbau

Die Dauermessung ist dazu nötig. Darum kann man auch nicht einfach mal einen Ballon mit Windmesser in 140 Meter Höhe steigen lassen. Nach Ablauf der Messphase - voraussichtlich also Frühjahr 2015 - soll der Mast inklusive Fundament wieder vollständig rückgebaut werden.