"Laudate dominum, omnes gentes" (Lobet den Herrn, alle Völker) klingt es durch den bis auf den letzten Platz besetzten Bamberger Dom. In zehn verschiedenen Sprachen wird das Evangelium gelesen, danach Stille, bis Band und Chor das nächste Taizé-Lied anstimmen.

Es dauert nicht lange, bis auch die rund 1000 Besucher mitsingen. Diejenigen, die in den Bänken keinen Platz mehr ergattern konnten, haben es sich mit Isomatten und Decken auf dem Boden gemütlich gemacht. Mit unzähligen Teelichtern und Kerzen ist der Dom stimmungsvoll beleuchtet. Zum 11. Mal fand Freitagabend die "Nacht der Lichter" im Bamberger Dom statt, ein ökumenisches Abendgebet, das sich vor allem durch seine meditativen Taizé-Gesänge auszeichnet.

Bunt gemischt waren die Menschen, die in den Dom gekommen waren, um zusammen zu singen, zu beten, dem eigenen Glauben und der Gemeinschaft Raum zu geben: viele Jugendliche, aber auch Familien mit Kindern und ältere Menschen.

Vom "Taizé-Geist" war oft die Rede, wenn man die Besucherfragte, warum sie hier seien. Mit Taizé ist die ökumenische Bruderschaft des gleichnamigen Ortes im französischen Burgund
gemeint.

Rund 100 000 junge Christen, darunter auch viele aus dem Erzbistum Bamberg, pilgern jährlich zu den internationalen Jugendtreffen nach Taizé, beten mit den Brüdern, tauschen sich in Bibelkreisen aus, übernehmen Arbeiten im Jugendcamp und erleben eine starke Gemeinschaft. Diesen besonderen Taizé-Geist auch außerhalb der französischen Bruderschaft zu verbreiten, das ist ein Anliegen der Nacht der Lichter, die inzwischen in vielen europäischen Städten gefeiert wird.


Besondere Atmosphäre


Die Atmosphäre sei zwar anders als in Taizé, sagte Max Blättler (19), der zum zweiten Mal bei der Nacht der Lichter in Bamberg dabei war, "irgendwie deutscher", aber trotzdem besonders. Es sei schön, dass man sich hier so viel Zeit für das gemeinsame Gebet nehmen könne, beschrieb er. Ähnlich sah es Sharon Tögel (19), die extra aus Kronach zur Nacht der Lichter nach Bamberg gekommen war.

"Zur Ruhe kommen, Zeit, um über alles Mögliche nachzudenken, meditative Musik, schöne Atmosphäre", fasste sie den Abend zusammen. "Ich finde es toll, dass durch die Nacht der Lichter so viele junge Menschen animiert werden, in die Kirche zu gehen. Das zeigt, wie schön es sein kann, den Glauben gemeinsam zu feiern", ergänzte sie.

Organisiert und veranstaltet wird die Nacht der Lichter jedes Jahr von Jugendlichen, die bereits in Taizé waren, dem Diözesanverband des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), dem Jugendamt der Erzdiözese Bamberg, der Evangelischen Jugend (EJ) und der Diözesanstelle Berufe der Kirche.


Miteinander selbstverständlich

Das ökumenische Miteinander im Vorbereitungsteam ist eine Selbstverständlichkeit. "Wir arbeiten zusammen, ohne zwischen den Konfessionen zu unterscheiden. Wir machen das, weil wir es gerne tun", so Benjamin Lulla, evangelischer Diakon und Dekanatsjugendreferent. "Die Kirche war heute so voll wie sonst höchstens an Weihnachten", freute er sich. Die Nacht der Lichter mache den Glauben lebendig und verbinde durch die Musik, so Lulla.

Hannah Beßler, die die Veranstaltung als ehrenamtliche BDKJ-Diözesanvorsitzende mit organisiert hat, ergänzte: "Was bei vielen noch lange nachwirkt, sind die Ruhe, die Gelassenheit und der Wunsch, im nächsten Jahr wiederzukommen." Auch in vielen Pfarreien finden regelmäßig Taizé-Gebete statt.