"Der Schuster hat selbst die schlechtesten Schuhe", sagt Gertrud Stamm und lacht. "Natürlich stricken wir manchmal auch etwas für uns selbst, aber meistens ist es für andere." Der Brückenauer Strickkreis, der sich jeden Montag in einem Raum der Georgi-Kurhalle trifft, hat eine ganz dicke soziale Ader. Und die hat es möglich gemacht, dass die strickenden Frauen jetzt 1000 Euro für die Aktion Weihnachtshilfe der Saale-Zeitung gespendet haben.

"Regelmäßig kommen 17 Frauen, aber 25 sind es, wenn alle da sind", sagt Gertrud Stamm, die den Strickkreis 2008 ins Leben gerufen hat. Natürlich hat damals der Gedanke der Begegnung und der Gemeinschaft eine Rolle gespielt, aber auch der angenehme Umgang mit dem Naturprodukt Wolle und schließlich der Wunsch, mit den fertigen Stricksachen anderen Menschen helfen zu können. "Früher haben wir immer große Pakete zu der Hebammenausbilderin Christiane Seifert nach Afrika geschickt, bis die, um die Pakete auszulösen, 200 Dollar Zoll bezahlen musste. Jetzt bedenken sie mit Babymützen und -schuhen, mit Schals und Decken Waisenhäuser in Rumänien.

Strickprobleme kennen die Frauen eigentlich nicht. Bei kniffligen Fragen tauscht man sich aus. Und wenn's gar nicht weiter geht, dann kann man auch ins Internet gehen und sich die Lösung vormachen lassen.
Geldspenden erwirtschaftet der Strickkreis, indem er seine weichen Wollwaren zum Beispiel beim Frühlingsmarkt, beim Stadtfest, Mantelsonntag oder in der Georgi-Kurhalle verkauft. Denn die Frauen bekommen zwar viele Wollspenden, aber manchen Faden müssen sie auch dazu kaufen. Was übrig bleibt, wird gespendet: "Da sind wir uns immer einig."

Dass in diesem Jahr die Aktion Weihnachtshilfe bedacht wird, geht - geradezu unpassend - auf die Idee eines Mannes zurück, ihres eigenen. "Ruf doch mal bei der Saale-Zeitung an. Die können das Geld gut gebrauchen", hatte Herbert Stamm vorgeschlagen. Und er war damit auf einmütige Zustimmung gestoßen: "Wir wollten sicher gehen, dass das Geld in unserer Umgebung Frauen und Kindern in Not zu gute kommt. Das wird es tun.