Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch waren einem 19 Jahre alten Arbeitslosen aus dem Altlandkreis Bad Brückenau vorgeworfen worden, der sich dafür vor dem Amtsgericht Bad Kissingen verantworten musste.
Im Januar 2012 soll er vor einem Geschäft in Bad Neustadt einen Bekleidungsständer umgetreten und dabei einen Schaden in Höhe von 180 Euro verursacht haben. Im Dezember desselben Jahres soll er sich, entgegen einem ausdrücklich erteilten Hausverbot, erst im Hof, dann in Räumen der Heilpädagogischen Kinderhilfe Bad Neustadt aufgehalten haben. Beide einzeln erhobenen Klagen waren im Februar 2013 zu einem Verfahren verbunden worden.

"Es stimmt alles so, wie es hier gesagt wurde", gab der junge Mann zu. "Ich war mit Kumpels unterwegs. Wir waren betrunken." Grundlos hatte er gegen den Bekleidungsständer, für dessen Beschädigung er bisher keine Rechnung erhalten habe, getreten. Und auch das Geschehen in der Heilpädagogischen Einrichtung stimme. "Wir waren zuerst in der Stadt. Dann hat mein Kumpel gesagt: ,Lass uns da hin gehen.‘" Gegen neun Uhr abends hatte er diesen zunächst dort abgeholt; etwa eine Stunde später kamen die beiden zurück. Der Angeklagte war dann durch ein Fenster, das der Freund ihm geöffnet hatte, eingestiegen.

"Warum sind Sie dort hinein gegangen?", wollte die Vorsitzende Richterin wissen. "Ich weiß nicht", war die Antwort. Das Hausverbot war gerade einen Tag zuvor - aus nachvollziehbaren Gründen - ausgesprochen worden. "Ich hatte Hausverbot, weil ich von Jüngeren, also solchen, die noch unter 18 sind, Geld bekommen hatte, damit ich Alkohol hole."

Der junge Mann kommt - laut Bericht der Jugendgerichtshilfe - aus "zerrütteten Familienverhältnissen". Nach viel Auf und Ab trennten seine Eltern sich. Gegen seinen und der Mutter Willen lebte er selber einige Zeit in einer stationären Wohngemeinschaft in Bad Neustadt, weil die Mutter alkoholabhängig war. Eine Lehre im Maler- und Lackiererhandwerk brach er nach kurzer Zeit ab, weil seine Freundin fand, er habe zu wenig Zeit für sie. Zur Zeit bemüht er sich um eine neue Lehrstelle.

Erhebliche Reifeverzögerung

Der zur Tatzeit als Heranwachsender zu bezeichnende Angeklagte wirke orientierungslos, stellte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer fest. Der Bericht der Jugendgerichtshilfe zeige eine erhebliche Reifeverzögerung. Anwendbar sei hier Jugendstrafrecht. 60 Arbeitsstunden und die Übernahme der Verfahrenskosten hielt sie für angemessen; auch, weil an dem Kleiderständer ein nicht unerheblicher Schaden entstanden sei.

Kosten erlegte die Vorsitzende Richterin dem Angeklagten im Urteil nicht auf, folgte aber der Forderung für das Strafmaß. Nach Weisung der AGS e.V., Vermittlungsstelle für gemeinnützige Arbeit in Schweinfu
rt, hat der junge Mann bis vier Monate nach Eintreten der Rechtskraft des Urteils 60 Arbeitsstunden zu leisten.
"Das kennen Sie ja schon", merkte sie mit Blick auf die Vergangenheit des jungen Mannes an. "Wenn Sie das nicht erfüllen, bekommen Sie richtig Ärger." Werden richterliche Weisungen schuldhaft nicht erfüllt, kann Ungehorsamkeitsarrest verhängt werden. Der Angeklagte nahm das Urteil an.