Heute am 1. Juni ist offizieller Weltbauerntag. Ein Anlass, sich einmal mit den Veränderungen im Bereich der Landwirtschaft zu beschäftigen. Eine der größten Veränderungen gab es bei den Betriebsgrößen. Das lässt sich auch aus den Zahlen für den Landkreis herauslesen. So bewirtschafteten im Jahr 1977 Bauern in 7114 Betrieben rund 41 883 Hekar landwirtschaftlich genutzte Fläche. 2010 waren es 1299 Betriebe, die mit 39 037 Hektar eine ähnlich große Fläche unterhielten.
Georg Scheuring vom Bayerischen Bauernverband weiß um die Gründe für den Wandel. "Durch die Effizienzsteigerung gab es ein unglaubliches Wachstum der Betriebe", sagt er. Durch die Grenzöffnung seien auch Grenzen im Kopf gefallen wie groß ein Familienbetrieb zu sein hat. Die Effizienzseteigerung lässt sich beim Ackerbau vor allem an den Aussaatverfahren erkennen. Durch Mulch- und Direktsaat ergibt sich pro Hektar und Stunde eine Leistung, die um ein Vielfaches höher ist als bei konventionellen Verfahren.

Die Arbeitszeiten

Der Aufwand der Landwirte kann je nach Betrieb sehr unterschiedlich sein. "Es gibt Betriebe, die manchmal fast selbstausbeuterische Stundenzahlen arbeiten", sagt Georg Scheuring. Genauso gebe es Landwirte, deren Arbeitszeit sich im normalen Rahmen bewegt.
Landwirt Daniel Kiesel (Reiterswiesen) kommt von Montag bis Samstag auf etwa zehn Stunden täglich. "Während der Erntezeit sind es bis zu 15 Stunden am Tag", sagt der 25-Jährige. Im Winter gibt es dafür etwas weniger zu tun. Dann steht "nur" die Stallarbeit und die Wartung der Geräte und Fahrzeuge auf dem Programm.

Kein Unterschied zu früher

"50 Stunden die Woche waren es damals locker", erzählt Landwirt Edgar Dömling (77) aus Münnerstadt. Bei der Arbeitszeit habe sich nicht viel getan, da durch die verbesserte Technik mehr geleistet werden müsse.


Interview 1

Der Jungbauer


Interview 2

Der alte Hase


Daten zu den Veränderungen in der Landwirtschaft
Arbeitsplätze Jeder 9. Arbeitsplatz steht mit der Agrarwirtschaft in Verbindung. Diese umfasst die gesamte Lebensmittelkette und damit alle Schritte von der Urproduktion bis zum Verbraucher. Es hatte 2013 in rund 750 000 Betrieben insgesamt 4,6 Millionen Beschäftigte. Damit sind rund elf Prozent aller Erwerbstätigen direkt oder indirekt damit beschäftigt, Menschen mit Essen und Trinken zu versorgen.

Arbeitszeit Ein Erwerbstätiger in Deutschland arbeitete im Jahr 2013 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Durchschnitt 1363 Stunden. Überdurchschnittlich hoch fällt die Stundenzahl in der Land- und Forstwirtschaft aus: 1664 Stunden. Grund dafür ist der mit 49 Prozent hohe Anteil der Selbstständigen in der Land- und Forstwirtschaft. Mit 2003 Stunden liegen die Arbeitszeiten von Selbstständigen in der Land- und Forstwirtschaft nahezu gleich hoch wie bei den Selbstständigen in der übrigen Wirtschaft mit 1969 Stunden.

Investitionen Eine Branche, die in besonderer Weise die Produktivität der Landwirtschaft befördert, ist die deutsche Landtechnik-Industrie, in der über 200 Unternehmen mit 31 000 Beschäftigten tätig sind. 2013 wurden in Deutschland rund 36 000 neue Traktoren, 3500 selbstfahrende Arbeitsmaschinen und 45 000 Anbaugeräte verkauft.

Vor hundert Jahren Zu Beginn des vorigen Jahrhunderts lag der Anteil der in der Landwirtschaft Erwerbstätigen bei 38 Prozent. Mit zunehmender Industrialisierung und Entwicklung des Dienstleistungssektors sank der landwirtschaftliche Erwerbstätigenanteil kontinuierlich. Er betrug Anfang der 50er Jahre 24 Prozent und im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts noch knapp 2,0 Prozent. Ein Landwirt erzeugte im Jahr 1900 Nahrungsmittel, um vier Menschen ernähren zu können. 1950 ernährte ein Landwirt zehn und 2013 sogar 144 Personen (ohne Erzeugung aus Auslandsfuttermitteln).

Finanzieller Ertrag Von einem Euro Verbraucherausgaben für Nahrungsmittel erhält der Landwirt heute 25 Cent. Der Anteil der landwirtschaftlichen Verkaufserlöse an den Verbraucherausgaben für Nahrungsmittel inländischer Herkunft lag im Jahr 2013 bei 25,4 Prozent. Anfang der 70er Jahre lag der entsprechende Anteil mit 47,5 Prozent fast doppelt so hoch. Bei Milch- und Milcherzeugnissen betrug 2013 der Anteil 45 Prozent, bei Fleisch- und Fleischwaren 26 Prozent. Am niedrigsten ist der Erlös bei Brotgetreide und Brotgetreideerzeugnissen mit gut fünf Prozent. Die landwirtschaftliche Nettowertschöpfung fällt im Kalenderjahr 2014 auf etwa 17,7 Milliarden Euro. Das ist gegenüber dem Vorjahr knapp ein Prozent weniger. Je Arbeitskraft-Einheit errechnet sich eine Nettowertschöpfung von etwa 34 200 Euro.

Quelle: Aktueller Situationsbericht des Deutschen Bauernverbandes


Was sich für die Landwirte so alles verändert hat

In den letzten Jahrzehnten sind die Arbeitszeiten in der Landwirtschaft ungefähr gleich geblieben. An andere Stelle hat sich jedoch einiges getan. Ein Problem der Landwirtschaft ist, dass die Betriebe gezwungen sind zu expandieren. "Wachsen oder weichen", sagt Landwirt Edgar Dömling (Münnerstadt). Irgendwann sei das aber nicht mehr machbar, weil es nicht genügend Land gebe.
Trotz der schwierigen Situation gibt es viele junge Menschen, die sich im landwirtschaftlichen Bereich ausbilden lassen. "Die Klassen der Berufsschule sind gut gefüllt", sagt Jungbauer Daniel Kiesel (Reiterswiesen). Viele interessierten sich dabei für die Technik, wobei nicht alle das Ziel verfolgen einen eigenen Betrieb zu führen.

Die moderne Ausbildung

Kiesel selbst macht gerade an der Schweinfurter Landwritschaftsschule seinen Abschluss als Landwirtschaftsmeister. Neben Pflanzen- und Tierproduktion werden dort Betriebswirtschaftslehre, Buchführung und Berufsausbildungs- und Mitarbeiterführung gelehrt. Des Weiteren stehen Maschinenkunde, GPS-Technik und "Smart-Farming" (das bedeutet Digitalisierung der Arbeitswelt) auf dem Lehrplan, denn: Vieles wird heute über Computer gesteuert, Feldstücke werden beispielsweise per Satellit vermessen.

Ist man da noch Bauer?

Bei so viel Wirtschafts- und Computertechnik: Fühlt sich ein Jungbauer da noch als Landwirt oder als Unternehmer? "Beides", sagt Kiesel, "der Beruf ist Landwirt, aber wenn man Betriebsleiter ist, muss man schauen, dass am Ende des Jahres ein Ergebnis erzielt wurde, das für die Lebenshaltung der Familie ausreicht und Ersatzinvestitionen ermöglicht." Die betriebswirtschaftliche Arbeit sei dabei genauso wichtig wie die landwirtschaftliche.

Blick in die Zukunft

Georg Scheuring vom Bayrischen Bauernverband sieht die Zukunft der Bauern als große Herausforderung. "Früher stand die Produktion im Vordergrund", sagt er, "heute geht es auch um umweltverträgliche Pflanzenproduktion und tiergerechte Haltung." Daniel Kiesel sieht die Probleme auch an anderer Stelle. "Ich denke, dass die Landwirtschaft in Zukunft mehr Ansehen in der Gesellschaft bekommen müsste", sagt er. Weiter sollte es zukünftig gerechtere Preise geben, damit nicht nur Spekulanten und der Handel verdienen. Schließlich leben von und mit der Landwirtschaft ganze Wirtschaftszweige - im vor- und nachgelagerten Bereich. "Dieser gesellschaftliche Nutzen der Landwirtschaft wird zu wenig gewürdigt", meint Kiesel.