Zu einem festen Termin für geladene Gäste aus dem Baugewerbe, aus Verbänden und der Landespolitik ist inzwischen der alljährliche Neujahrstalk der Otto Heil GmbH geworden. Heuer hatten die Heil-Bauakademie sowie die CSU-Frauenunion zur Diskussion mit der CSU-Bundestagsabgeordneten Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung im Bundeskanzleramt, und dem CSU-Landtagsabgeordneten Sandro Kirchner, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses im Landtag, eingeladen. Thema war die Digitalisierung im Baugewerbe und die Einführung des Building Information Modeling (BIM). Bei dieser komplexen Thematik blieb es natürlich nicht aus, dass einzelne Diskussionsbeiträge für Laien nur schwer verständlich waren, dennoch gelang es der Moderatorin Nikola Renner, Leiterin der Heil-Bauakademie, durch einfache Fragen die Diskussion immer wieder auf eine verständliche Basis zurückzuführen.

Zur Einführung wies Peter Heil als geschäftsführender Gesellschafter des gastgebenden Unternehmens auf die aktuelle Situation im Baugewerbe und die spezielle eines Generalunternehmers hin. Die Baupreise seien in den vergangenen zwei Jahren stark gestiegen, aber nicht, weil die Unternehmen ihre Gewinnmargen erhöht hätten, sondern das zu verarbeitende Material wesentlich teurer geworden sei. So stieg der Einkaufspreis für das aus Erdöl hergestellte Bitumen um über 60, der für Baustahlmatten um 40 Prozent. Zudem hätten die Handwerksbetriebe aufgrund der gestiegenen Auftragslage ihre Preise angehoben. Um dennoch kostendeckend arbeiten zu können, müssen die Planungskosten gesenkt werden. Heil: "Das geht nicht ohne EDV und Digitalisierung."

"Fünfdimensionale Planung"

Als künftige Möglichkeit zur Minderung der Planungskosten ist das Building Information Modeling geeignet, mit dessen Hilfe "die fünfdimensionale Planung eines Bauvorhabens" möglich wird, wie Heil es ausdrückte. Zusätzlich zum räumlichen Planung eines Bauprojekts fließen die Arbeits- und Zeitplanung als vierte sowie die Kostenplanung als fünfte Dimension ins System ein. Wird an einem Punkt geändert, sind alle daraus sich ergebenden Folgen in Material, Zeit und Kosten ablesbar. Heil: "Das Building Information Modeling ist eine Zukunftsmusik, die wir aufmerksam verfolgen."

"Bayern vorn dabei"

Bayern sei bei dieser Entwicklung "ganz vorn mit dabei", versicherte Sandro Kirchner. Die Bauverwaltung wird bei Ausschreibungen bestimmte Standards vorgeben, die bis auf kleine Gewerke heruntergebrochen werden können, damit auch diese sich an einer Ausschreibung beteiligen können. An größeren Bauprojekten können bis zu 50 Subunternehmen beteiligt sein, bestätigte Peter Heil als Generalunternehmer, "von denen jeder einzelne Einblick ins BIM-Programm haben muss."

Spontan wies ein Zuhörer skeptisch auf mögliche Schnittstellen- und Kommunikationsprobleme hin. Alle am Bauvorhaben beteiligten Firmen müssten sich, um das BIM überhaupt nutzen zu können, mit der in der Ausschreibung festgelegten Software versorgen. "Also müssen kleine Subunternehmer erst einmal investieren."

Ab Jahresende 2020 sollen bei allen im Zuständigkeitsbereich des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur zu planenden Bauprojekte das Building Information Modeling angewandt werden, erklärte Staatsministerin Dorothee Bär. Nur so könne das komplexe Geschehen auf einer Baustelle in einem gemeinsamen Programm vernetzt werden, so dass mögliche Änderungen und deren Auswirkungen für alle Projektbeteiligten sofort ersichtlich sind. Bär: "Wenn wir damals schon das BIM gehabt hätten, wäre der Berliner Flughafen wohl längst fertig." Zwangsläufig kam man im Neujahrstalk auch auf das Problem der Datensicherheit zu sprechen. Die Staatsministerin bestätigte, es könne niemals einen hundertprozentigen Schutz vor Datendiebstahl geben. Als einfachste Methode, den Schutz eigener Daten zu erhöhen, empfahl sie den Vergleich eines persönlichen Passworts mit Unterhosen: "Man sollte mehrere besitzen, häufig wechseln und niemals mit Freunden tauschen."