Das war dann doch zu optimistisch: "Beginn der Bauarbeiten: Herbst 2012, Eröffnung 2014/2015" ist auf der offiziellen Homepage des geplanten "Grand-Hotel Fürstenhof" www.fuerstenhof-resort.com zu lesen. Das 80 Millionen Euro teure Fünf-Sterne-Hotel lässt nach wie vor auf sich warten, obwohl die Baugenehmigung am 2. September 2011 erteilt und nach einer abgewiesenen Klage im März 2013 rechtskräftig wurde. Dabei hat sich die "Fürstenhof SA" mit Sitz in der Schweiz per Vertrag mit der Stadt Bad Kissingen dazu verpflichtet, innerhalb von eineinhalb Jahren mit dem Bau zu beginnen. Spätestens also in diesem Herbst, zu sehen ist bislang jedoch nichts.

Laute Bauarbeiten nur im Winter

Für die Kurzone gibt es ein eng begrenztes Baufenster: Laute Arbeiten dürfen grundsätzlich nur zwischen 16. Oktober und Ende März ausgeführt werden. Das steht so auch in der 15-seitigen Bau-Genehmigung mit 95 Einzel-Hinweisen. Zu den lauten Arbeiten zählen natürlich auch der Abriss des Bestandes und die 30 000 Kubikmeter Erd-Aushub. Wenn hier im vierten Quartal 2014 nichts passiert, schließt sich das Baufenster und ein weiteres Jahr wäre verloren.
Die Fürstenhof SA selbst schweigt: "Wir haben zurzeit keinen Kommentar abzugeben", lautet die knappe Antwort von Verwaltungsratschefin Anne Cheseaux auf unsere Nachfrage. Weder auf der Homepage, noch im Handelsregister tut sich etwas. Immerhin: 10,64 Millionen Schweizer Franken sind für das Unternehmen mit Sitz in Pully als Stammkapital eingetragen.

Eröffnung frühestens 2017

Die letzte Mitteilung aus der Schweiz kam zwei Tage vor der Kommunalwahl im März: Damals wurde verkündet, dass das Hotel von der Accor-Nobelmarke MGallery Collection betrieben werden soll. "Die Fürstenhof SA hat mit Accor eine Absichtserklärung für die Führung des Hotels unterschrieben", bestätigt die Accor-Pressestelle in München. Die amerikanische Firma WTS werde die Entwicklung des Medical Spas begleiten. "Die Marke MGallery ist eine Auswahl von weltweit fast 70 einzigartigen Hotels, jedes mit einer einmaligen Persönlichkeit und Geschichte", heißt es von Accor. Und zu Bad Kissingen: "Die Eröffnung des Hotels soll frühestens 2017 stattfinden."

Kein Baubeginn angemeldet

"Wir haben vielfache Gespräche mit den Vertretern der Eigentümer geführt", sagt der Bad Kissinger OB Kay Blankenburg (SPD). "Ich gehe davon aus, dass heuer was geschehen wird", sei er zwar optimistisch, aber: "Ob das schon was sein wird, was unumkehrbar ist, weiß ich nicht." Der OB kündigt zudem an, dass sich der Stadtrat bald mit einer Fristverlängerung für die Fürstenhof SA beschäftigen wird. "Wir sollten das nicht auf unbestimmte Zeit verschieben", lautet sein Kommentar dazu. Blankenburg ist sich sicher, dass das Fünf-Sterne-Hotel kommt und die russischen Investoren Wort halten - trotz Ukraine-Krise. "Wir sind wirtschaftlich so verflochten, dass das auf Dauer gar nicht durchgehalten werden könnte", sieht der OB auch das Embargo gelassen.
Welche Hinweise gibt es sonst? Eine Baubeginnsanzeige liegt der Stadtverwaltung auf alle Fälle nicht vor. Und: "Bezüglich des Fürstenhofs sind seitens der Stadt Bad Kissingen keine neuen Bescheide (beispielsweise keine verkehrsrechtliche Anordnung) erlassen beziehungsweise keine neuen Entscheidungen getroffen worden, die einen unmittelbaren Baubeginn vorbereiten", teilte die Stadt mit.
Weil die Baustelle im Heilquellenschutzgebiet liegt, ist ein Wasserrechtsverfahren notwendig. Zuständig dafür ist das Landratsamt Bad Kissingen. "Es gibt keinen aktuellen Antrag", lautet die Antwort auch von dort. Wie lange Vorlauf bräuchte ein solches Verfahren? Das lasse sich nicht genau sagen, Anhaltspunkte sind frühere Anträge der Fürstenhof SA: Für die Baugrunduntersuchung wurde im April 2010 ein Antrag gestellt, Bearbeitungszeit: ein Monat. Im Jahr 2011 gab es eine "erweiterte fachliche Grabung", Bearbeitungstzeit: fünf Monate, weil Gutachten unter anderem vom Wasserwirtschaftsamt notwendig waren.

Geschichte Der Fürstenhof in der Bismarckstraße 6 am Westufer der Fränkischen Saale wurde 1856 als Hotel eröffnet. 1880 kaufte die geschäftstüchtige Hotelierswitwe Anna Gordon das "Hotel de Bavière" und ließ es zum Privatsanatorium ausbauen. 1884 entstand unmittelbar dahinter ebenfalls im Stil der Neorenaissance die Villa Gordon. Eine Verwandte Gordons heiratete 1906 den Arzt Dr. Paul Sotier, der den Fürstenhof als Privatsanatorium und Hotel der gehobenen Kategorie führte. Tochter Elisabeth Sotier verkaufte 1984 das Anwesen an die Arbeiterwohlfahrt, die dort bis 2004 ein Diabetes-Reha-Zentrum betrieb.

Planung Eine russische Investorengruppe gründete im März 2008 im schweizerischen Pully die Fürstenhof SA für den Bau eines Fünf-Sterne-Hotels mit insgesamt mehr als 220 Betten. Der denkmalgeschützte Fürstenhof, die Villa Gordon und das "Cafè Schweizerhaus" sollen saniert werden. Entlang des Ochsenweges ist ein gläserner Hotelneubau mit 158 Betten in 79 Zimmern vorgesehen. Geplant sind zudem 35 Appartements in drei Gebäuden, ein Medical Spa, Restaurants, zwei Tiefgaragen und Läden. Im März gab die Eigentümergesellschaft bekannt, dass die Accor-Marke MGallery das Hotel betreiben wird.