Nicht alles geht auf Knopfdruck und mit Strom. Zwar werden die 23 Meter langen Zeltmasten, die Antennen genannt werden, nicht mehr mit einem Schlepper in die Vertikale gebracht, sondern mit Elektromotoren. Doch müssen die 320 Anker mit Presslufthammer in den trockenen, harten Boden 1,20 Meter tief gehämmert werden. Und beim Aufbau der 48 Meter langen und 16 Meter breiten Elefantenstallungen ist Muskelkraft gefragt. Alles klappt wie am Schnürchen, über 100 Jahre Zirkustradition sorgen dafür.

Und Claus Lehnert, als Betriebsinspektor bei Krone einer der wichtigsten Männer im Unternehmen. Der 76-Jährige hat fast sein ganzes Leben im und für den Zirkus verbracht, 43 Jahre allein bei Krone. Zunächst als Clown und Artist, wie seine Eltern auch. Er war Kunstreiter auf höchstem Niveau, ist einmal in einer Woche vor Queen Elisabeth und Kreml-Chef Nikita Chruschtschow aufgetreten. Er hat alles in der Manege gemacht; "nur nicht in der Luft, in die Höhe traue ich mich nicht." Aber irgendwann machte die Gesundheit nicht mehr so recht mit.
Ans Aufhören denken er und seine Frau nicht: "Ich arbeite, so lange es mir noch Spaß macht."

Alles genau nach Plan

Seit 1978 kümmert sich Lehnert um die Organisation. Das ist immer eine Herausforderung. Er legt fest, wo das Zelt steht, wo die Wohnwagen hin kommen und warum die Wägen mit Waschmaschinen, Duschen und Küche dort stehen: Weil es dort einen Gully gibt. Lehnert überlässt nichts dem Zufall. So macht er genaue Pläne: Einen Wohnplan für das Areal, auf dem Krone sich niederlässt, und einen für die Anfahrt. Nicht jede Strecke ist für die Tieflader geeignet.

In sechs Stunden steht alles

Wenn am späten Mittwochabend die letzten Zirkus-Fans das Zelt in Fulda verlassen, wird es hektisch: Vier bis sechs Stunden dauert der Abbau. Dann geht es auf der Straße nach Bad Kissingen. Hier wird, wenn alles klappt, am Donnerstag in sechs Stunden die wichtigsten Zirkusteile aufgestellt. Restarbeiten werden am Freitag erledigt.

Die Vorarbeiten sind erledigt: Die Elefantenstallungen sind aufgebaut, die vier Zeltmasten stehen. Morgen werden die Planen und Wände langsam in die Höhe gezogen, wird die Inneneinrichtung mit ihren 4000 Plätzen montiert. Dann sind die Elektriker an der Reihe. Viele der jungen Arbeiter kommen aus Rumänien oder Bulgarien, verdienen hier mehr als in der Heimat. Krone würde ja lieber Deutsche einstellen, findet aber nicht genug, die gerne reisen.

Der Platz ist eigentlich zu klein

Gleichzeitig werden die Stallungen für Exoten und 60 Pferde - 100 Meter lang - errichtet. Das Löwen-Land mit Kindergarten wird aufgestellt, das Wasserbecken in der Seelöwen-Welt wird mit 100 000 Litern aufgefüllt. Fünf Generatoren liefern den Strom für alles. Feuerwehr und Werkstätten, Kassenwagen und Schule rollen an ihren Platz. "Es kommt eine richtige kleine Stadt, Krone-City", sagt Sprecherin Susanne Matzenau. Die promovierte Biologin ist seit zehn Jahren im Unternehmen.

Alles muss exakt auf das jeweilige Areal abgestimmt sein. Nur zwei Teile sind immer direkt am Zelt: Die Raubtiere hinten links (damit keine langen Lauftunnel aufgebaut werden müssen) und der Wagen von Nashorn Tsavo (hinten rechts). Der Bulle läuft nicht gern weit.

Mit dem Platz in der Kaserne ist Lehnert nicht glücklich. Der sei zu klein. Teile müssten ausgelagert werden. Vor zehn Jahren gastierte Krone in der Au, davon schwärmt Lehnert noch immer. "Der Zirkus war brechend voll, der Wahnsinn."

Unternehmen Krone reist an mit 320 Menschen aus 14 Nationen (darunter 65 Artisten), 201 Tieren, 350 Wohn-, Pack- und Gerätewagen. Das klimatisierte Zelt fasst bis zu 4500 Menschen, es werden pro Vorstellung nur 4000 Karten verkauft. Zum Zoo gehören sechs Elefanten, 60 Hengste, große und viele kleine Löwen, Tiger, Seelöwen, ein Nashorn, Kamele und Wildschwein Fritzi.

Futter 3,5 Tonnen Heu und Streu sind bestellt. Die Tiere benötigen pro Woche eine Tonne Fleisch, 500 Kilo Fisch, 400 Kilo Äpfel und Möhren, 200 Kilo Brot. Die Kehrseite: 16 Tonnen Mist fallen an. 16 Tonnen Sand und 2,5 Tonnen Sägemehl werden benötigt. Plus Lehm für die Manege. Der Platz wird besenrein verlassen.

Programm Das Jubiläumsprogramm "Celebration" dauert netto 150 Minuten.

Vorstellungen sind täglich von Freitag bis Dienstag, 3. September. Beginn ist werktags um 15.30 und um 20 Uhr, am Sonntag um 14 und um 18 Uhr. Die Preise bewegen sich zwischen 15 und 40 Euro. Tickets gibt es an der Zirkuskasse und bei der Saale-Zeitung in Bad Kissingen. Telefonische Bestellungen sind über 01805/ 24 72 87 möglich.