Tobias Köth hat die Nase voll. Zu groß ist seine Enttäuschung. Zwölf Jahre hat er sich als Kommandant und weitere drei als Vorsitzender der Freiwilligen Feuerwehr Premich engagiert. Doch nun ist seine Motivation futsch. Deshalb stellte er sich in der diesjährigen Jahreshauptversammlung erst einmal nicht mehr zur Wahl um den Vereinsvorsitz, um sich dann doch überreden zu lassen.
"Vielmals steht man alleine da, denn immer weniger Leute haben Zeit oder Lust zu helfen", begründete er seine Entscheidung. Leicht ist ihm diese offenbar nicht gefallen. Entsprechend zögerlich argumentiert er, nennt keine Namen. Köth ist die Frustration deutlich anzumerken, zugleich aber auch nachvollziehbar. Allein der Blick in den Versammlungsraum am Samstagabend zeigt: Der Rückhalt und das Engagement der Premicher Floriansjünger lassen zu wünschen übrig. Von den 203 Mitgliedern, die dem Verein aktuell angehören, waren nur 37 zur Jahreshauptversammlung gekommen, noch nicht mal ein Fünftel.


15 Einsätze

Dabei ist die Premicher Wehr eine wirklich aktive, die 2015 laut Bericht von Kommandant Frank Ziegler gut zu tun hatte. 15 Einsätze mit insgesamt 250 Stunden haben die Feuerwehrmänner und -frauen im vergangenen Jahr geleistet. Die Mehrzahl davon spielte sich auf der Staatsstraße nach Steinach ab. Egal ob Ölspuren oder umgefallene Bäume beseitigt werden mussten oder Hilfe bei Verkehrsunfällen gefragt war, sieben Mal rückten die Floriansjünger dorthin aus. 42 sind derzeit in Premich aktiv, darunter auch drei Frauen und sechs Atemschutzgeräteträger. Drei weitere Kameraden werden 2016 zu diesen hinzukommen, denn sie haben sich für die entsprechenden Ausbildungslehrgänge angemeldet.


Übung an der Schule

Elf Übungen haben die Feuerwehrleute 2015 abgehalten, die Beteiligung daran schätzt Kommandant Ziegler als gut ein. Besonderes Highlight war die Großübung an der Premicher Grundschule. Zwar hat es im Vorfeld rege Diskussionen mit der Schulleitung gegeben, die Schäden am und im Gebäude und eine enorme Störung des Schulbetriebs befürchtete. Doch all das blieb aus. "Dennoch hat die Übung gezeigt, wie wichtig sie in dem verwinkelten Gebäude ist. Bleibt dran", so Kreisbrandmeister Klaus Preisendörfer. Kommandant Ziegler bat in diesem Zusammenhang darum, dass künftig im Vorfeld besser kommuniziert wird.
In Sachen Nachwuchs sieht es bei den Premichern relativ gut aus. Derzeit gehören der Feuerwehr acht Jugendliche an, berichtete Jugendwart Philipp Herbert. Diese haben 2015 zwölf Übungen mitgemacht, unter anderem in Sachen technische Hilfeleistung, Löschangriff und Versorgung von Verunglückten. "2016 haben wir eine größere Übung geplant, eine Art Berufsfeuerwehrtag", erklärte er. Zu dieser kann Herbert bereits jetzt drei weitere Jugendliche einplanen. Denn Leonie Zehe, Moritz Beyer und Ralf Rüttiger wurden in der Jahreshauptversammlung von Kommandant Frank Ziegler per Handschlag neu in die Reihen der Floriansjünger aufgenommen.


Wiedergewählt

Blieb nach all den Berichten schließlich nur noch die Wahl des neuen Vorstandes. Die verlief bis auf den Posten des Vorsitzenden reibungslos. Alle bisherigen Mandatsträger stellten sich für eine weitere Legislaturperiode zur Verfügung und wurden wiedergewählt: Egon Zehe zum Kassenwart, Maximilian Herbert als Schriftführer sowie Kommandant Frank Ziegler zum 2. Vorsitzenden. Mark Baus und Sebastian Wirth wurden zu Beisitzern bestimmt, Jonas Diemer erklärte sich bereit, das Amt des Fahnenträgers zu übernehmen.


Überredet

Obwohl Tobias Köth mehrfach betont hatte, dass er nicht mehr als Vorsitzender tätig sein möchte, wurde er von der Versammlung im zweiten Wahlgang als Kandidat vorgeschlagen. Etliche Mitstreiter machten ihm Mut, sicherten ihm ihre Unterstützung zu. "Kriege ich das von Euch allen schriftlich?", fragte Köth. Schließlich konnte die Versammlung ihn doch noch überreden, weshalb er sich letztlich zur Wahl stellte. Das Ergebnis fiel, wie zu erwarten, einstimmig aus. "Ich gucke mir das ein Jahr an. Wenn es nicht anders läuft, schmeiße ich nächstes Jahr hin", kommentierte der neue alte Vereinsvorsitzende Tobias Köth.
Für ihre langjährige Mitgliedschaft wurden Winfried Köth (25 Jahre) und Hubert Wehner (40 Jahre) in der Versammlung vonTobias Köth geehrt. Alle anderen Jubilare waren nicht vor Ort und werden ihre Auszeichnungen nachträglich überreicht bekommen: Ludwig Zehe (70 Jahre), Helmut Kirchner, Martin Ziegler, Ottmar Seufert und Winfried Schlereth (alle 60 Jahre), Heiko Kleinhenz (40 Jahre) und Werner Roßhirt (25 Jahre).