Wo Soldaten schießen, kann sich die Natur oft ungestört entfalten. Der Schwarzstorch brütet auf dem Truppenübungsplatz, Wildkatzen streifen durch das Gebiet und Edelkrebse haben es sich in einem Regenrückhaltebecken gemütlich gemacht, seitdem sie vor einigen Jahren dort gezielt ausgesetzt worden sind. "60 Prozent der Übungsflächen der Bundeswehr sind als FFH-Gebiete ausgewiesen", informiert Egon Schleyer von der Abteilung Naturschutz des Bundesforstbetriebs Reußenberg.

Der Forstbetrieb ist für die Pflege der Wälder zuständig, das Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Hammelburg betreut die Freiflächen auf dem Truppenübungsplatz Wildflecken. "Gerade bei den Vogelarten ist der Truppenübungsplatz Wildflecken herausragend", sagt Schleyer. Wespenbussard, Raubfußkauz und Eisvogel, dazu mehrere Arten von Spechten sowie Schwarz- und Rotmilan zählt er auf.


Durch Zufall entdeckt

Ein besonderes Gewächs hat sich in einer längst abgestorbenen Buche versteckt, der Ästige Stachelbart. "Im letzten Jahr haben wir durch Zufall diese seltene Pilzart entdeckt", erzählt Manfred Oeldemann, Leiter des Forstreviers Reußendorf. Der Pilz bevorzugt das letzte Stadium des Holzzersetzungsprozesses und ist jung essbar - wenn er denn aus einem Naturschutzgebiet entnommen werden dürfte.

Auf einer Freifläche blüht Arnika. Die Heilpflanze ist inzwischen nur noch selten zu finden. "Die Art reagiert stark auf den Stickstoffeintrag aus der Luft", erklärt Schleyer. 21 Kilogramm Stickstoff pro Hektar im Jahr gehen durchschnittlich in Deutschland nieder, sagt der Fachmann. Das entspreche der Menge, mit der in den 1950er Jahren Felder gedüngt worden seien. Nur ein paar Schritte weiter wächst Bärwurz. Es ist der einzige bekannte natürliche Standort der stark duftenden Gewürzpflanze in ganz Unterfranken. Die Bundeswehr unterstützt es, dass die Flächen, wo seltene Arten wachsen, gepflegt und von Bewuchs freigehalten werden.


Artenvielfalt zulassen

Am Dienstag, dem Tag der Umwelt, kam ein weiterer Baustein dazu. Oberstleutnant Roman Jähnel, Kommandeur des Bereichs Truppenübungsplatzkommandantur Süd, und Marina Klein, kommissarische Leiterin des Bundeswehr-Dienstleistungszentrums Hammelburg, weihten ein Insektenhotel in der Rhön-Kaserne ein. Die Kästen hatten Auszubildende gebaut. Eine nahe gelegene ehemalige Löschwasserentnahmestelle soll in den kommenden Monaten zum Biotop für Amphibien umgestaltet werden.

Zudem wird auf 800 Quadratmetern eine so genannte "Veitshöchheimer Bienenweide" angesät werden. 40 Wild- und Kulturarten sollen wachsen und einen Beitrag gegen das Insektensterben leisten. "Die Artenvielfalt zuzulassen, ist sehr wichtig", sagte Egon Schleyer vom Bundesforst während der Einweihung des Insektenhotels. "An jeder Pflanzenart hängen ungefähr zehn spezifische Insekten, die auf diese Pflanze angewiesen sind", erklärte er.