Die ersten 18 Jahre seines Lebens verbrachte Joseph Murphy in den USA, seit 42 Jahren nun lebt er in Wildflecken: "Ich liebe Deutschland, ich will nicht mehr nach Amerika", sagt er und hält dabei seine Frau Christl fest an sich gedrückt. 37 Jahre sind die beiden nun verheiratet. "So, wie es war, war's gut", blickt Christl Murphy zufrieden zurück.

In einer kleinen Stadt bei Boston im US-Bundesstaat Massachusetts ist Joseph, genannt Joe, Murphy aufgewachsen. Nach der Schule ging er 1970 zur US-Army und kam nach der Grundausbildung nach Deutschland. "Oh Gott, wo hast du mich hingeschickt", sei sein erster Gedanke am Wildfleckener Bahnhof gewesen, erzählt er lachend, und: "Ich habe hier zum ersten Mal einen Öl-Ofen gesehen." Während er von daheim Zentralheizungen kannte, musste er in der Kaserne erst einmal lernen, wo das Öl nachgefüllt wird.

Drei Jahre lang war Murphy Soldat: "Wir haben hier gut gelebt", erzählt er. Von den 700 Dollar Sold konnte sich Sergeant Murphy bei einem Umrechnungskurs von 3,80 D-Mark für den Dollar vieles leisten. Eines Abends im Winter 1974 ging er hinunter nach Wildflecken. "Ich hatte keine Ahnung von deutschem Fasching", lacht er heute darüber. Obwohl es damals in Wildflecken 14 Gaststätten gab, suchte er sich mit seinem Vorgesetzten das Sportheim zum Feiern aus.

An diesem Abend begegnete er zum ersten Mal seiner Christl. "Sie konnte kein Englisch, und ich kein Wort Deutsch", sagt er. Trotzdem hat's gefunkt. Kurze Zeit später war der Militärdienst vorbei und Joe Murphy musste sich entscheiden, ob er zurück nach Amerika geht. Christl, damals noch Hamelmann, flog auf Probe mit über den großen Teich, aber schnell stand für sie fest: "Amerika ist wunderschön und ich mache gerne Urlaub dort, aber ich will nicht aus Deutschland weg, mir ist die Sicherheit hier wichtig."

"Ich bin sehr heimatverbunden", sagt Christl Murphy, die als Christl Kröckel in Brückenau geboren wurde. Ihr Vater war der bekannte Rhön-Maler Ignatz Kröckel, von ihm hat sie die Heimatliebe geerbt. "Ich wäre nicht sehr glücklich in Amerika", ist sich die 66-Jährige sicher. Hinzu kam, dass sie damals Witwe war und zwei schulpflichtige Kinder hatte.

Also blieb Joseph Murphy in Deutschland. "Ich bin froh, dass ich nicht zurück bin, ich würde mich nicht mehr wohl fühlen", sagt er heute. Am 7. Mai 1976 wurde geheiratet, eine Tochter vervollständigte die Familie, aber: "Alle drei sind meine Kinder", machte der Papa nie einen Unterschied.

Mit den Grundschul-Kindern, am Stammtisch und bei verschiedenen Arbeitsstellen lernte Murphy die Sprache. "Ich wollte mich immer integrieren", ist ihm das Miteinander wichtig. Unter anderem in der Wildfleckener Nordic-Walking-Gruppe hat er Freunde gefunden. Nach etlichen Jobwechseln kam er schließlich beim Metallwerk in Bad Brückenau unter, 27 Wochen hat er dort noch, dann beginnt die passive Phase der Altersteilzeit. Bald hat er also noch mehr Zeit für seine Christl - und manchen Traum.

Einen ganz anderen Bezug zur US-Armee hat der Wildfleckener Hubert Schumm: Von 1957 bis 1959 arbeitete er beim 50. Infanterieregiment als Küchenhelfer und Kellner. Sein berühmtester Gast war Elvis Presley, als er im Herbst 1959 für zwei Wochen auf Manöver in Wildflecken war. "Er war jeden früh in der Küche zum Kaffeetrinken", erzählt Schumm.

Die "Küche" war eines von elf Offizierscasinos der Amerikaner. Eigentlich sei Elvis einem anderen zugeteilt gewesen, aber: "Mein Küchen-Sergeant war in Tennessee der Nachbar von Elvis", erzählt Schumm. Die Begegnungen seien entspannt gewesen: "Elvis war ein ganz einfacher GI, der hat sich nichts eingebildet." Die Aufregung in der Region, dass der King of Rock'n'Roll in der Rhön ist, war dagegen enorm. Schumm musste unbedingt Souvenirs von Elvis - von Kaffeetasse über Löffel bis zum Zigarrenstummel rausschmuggeln: "Das war bei den Mädchen heiß begehrt", erinnert sich Schumm und lacht.

Veranstalter Die Gemeinde Wildflecken und die Bundeswehr feiern von Freitag, 26., bis Sonntag, 28. Juli, eine ganze Reihe von Ereignissen: Los geht es am Freitag um 19 Uhr mit der Enthüllung einer Gedenktafel an die Stationierung der US-Armee in Wildflecken. Am Samstag und Sonntag begeht die Gemeinde ihren "Wilden Sommer 2013" im Rahmen von SaaleMusicum, bei der Bundeswehr stehen die Jubiläen 75 Jahre Truppenübungsplatz, 15 Jahre Gefechtssimulationszentrum des Heeres und 40 Jahre Wandern auf dem Truppenübungsplatz an.

Ort Die Enthüllung der Gedenktafel am Freitagabend findet als einziger Programmpunkt im Tal, auf dem Wildfleckener Rathausplatz, statt. Für das restliche Programm steht das militärische Gelände zur Verfügung: Im Rahmen eines Tages der offenen Tür wird die Rhönkaserne für den Festbetrieb geöffnet. Im sonst streng abgeriegelten Truppenübungsplatz sind drei Wanderrouten abgesteckt, bestiegen werden können der Eierhauck und die Dammersfeld-Kuppe.

Vorabend Erwartet werden für den Freitagabend die Color-Guard der US-Army, zahlreiche Ehemalige aus den USA, eine US-Abordnungen aus Grafenwöhr, Soldaten vom Hauptquartier der US-Army Europe aus Wiesbaden, Angehörige der Society of the 3rd Infantry Division und der amerikanische Generalkonsul William E. Moeller.

Mitwirkende Fallschirmspringer, Heeresflieger, Bundespolizei, das Hauptzollamt Frankfurt, die Berufsfeuerwehr München, Rotes Kreuz, Bundesforst und die Division Spezielle Operationen Stadtallendorf stellen am Samstag und Sonntag ihr Können unter Beweis. Zu sehen sind unter anderem eine Fahrzeug- und Geräteschau der Bundeswehr sowie die Gewerbeschau der Gemeinde Wildflecken. Daneben sind Ausstellungen und eine Kinderbetreuung geplant. Für Musik sorgt unter anderem das Heeresmusikkorps 12 aus Veitshöchheim.

Zeiten Startschuss am Samstag und Sonntag ist jeweils um 6 Uhr mit der Eröffnung der Wanderstrecken. Am Samstag folgt um 10 Uhr die offizielle Eröffnung mit den Schirmherren Landrat Thomas Bold (CSU) und Brigadegeneral Johann Berger, Kommandeur des Landeskommandos Bayern. Am Sonntag ist um 10 Uhr ein ökumenischer Gottesdienst mit dem Gospelchor "Lift your voice" geplant. Am Samstag spielen unter anderem der Musikzug Wildflecken (10 Uhr), die Auersberg Buam (11 Uhr), die Georgi-Bläser (17 Uhr), die Blaskapelle Oberbach (18.30 Uhr) und die Showband Funkuchen (20 Uhr), am Sonntag die Böhmisch-mährische Blasmusik (11 Uhr), der Musikverein Schondra (13 Uhr), "Targe of Gordon (15 Uhr) und das Jugendblasorchester Scholz Geroda (16 Uhr). Die Vorführungen sind über die beiden Tage verteilt, der Stationsbetrieb endet am Samstag um 18 Uhr und am Sonntag um 17 Uhr.