Das neue Wachgebäude am Eingang zur Rhön-Kaserne vermittelt schon jetzt den festen Eindruck, dass jeder Besucher genau unter die Lupe genommen wird. Und der Eindruck stimmt, denn die sicherheitspolitische Lage lässt die Bundeswehr die Sicherheitsmaßnahmen erhöhen. Einen ganz besonderen Stellenwert beim Thema Sicherheit hat in der hiesigen Kaserne die Grund- und Mitteleschule Wildflecken. Denn die Schule ist zwar im Gemeindebesitz, doch steht sie auf militärischem Gelände - und das ist in heutigen Zeiten nur noch schwer zu handhaben. "Das ist sicherheitstechnisch ein ziemliches Problem", sagt Oberstleutnant Christoph Peschel, der für die Sicherheit in der Kaserne zuständig ist. Etwa einen Kilometer fahren die Schüler im Schulbus durch die Kaserne. Der Schulweg ist festgelegt.

Gute Zusammenarbeit

"Die Schüler nehmen das gar nicht mehr wahr", sagt Schulleiterin Christiane Helfrich. Neue Eltern hingegen müssten erst über die Kontrolle am Eingang aufgeklärt werden. "Danach geht es reibungs- und komplikationslos", sagt sie. Bei Elternabenden oder Veranstaltungen müssen die Eltern die Ausweise vorzeigen und die Einladung mitbringen. Die Zusammenarbeit zwischen der Bundeswehr und der Schule beziehungsweise Gemeinde sei gut, bestätigen beide Seiten. Trotzdem stelle die Situation die Bundeswehr vor eine außergewöhnliche Aufgabe, da es sonst keinen vergleichbaren Fall in Deutschland gebe, sagt Oberstleutnant Peschel.

Obwohl die zivile und militärische Zusammenarbeit gut ist, wird die Lage von Seiten der Bundeswehr als schwierig bewertet: "Auf lange Sicht ist die Situation nicht tragbar", sagt Gerhard Gremminger, stellvertretender Leiter des Bundeswehr-Dienstleistungszentrum Hammelburg denn "das Szenario ist nicht mehr so abwegig, dass in Deutschland etwas passiert", sagt er weiter. Bei einer Erhöhung der Sicherheitsstufen ist die Durchfahrt zur Schule nur unter großem Aufwand möglich. Speziell dafür hat die Bundeswehr zusammen mit der Schule ein Maßnahmenkonzept ausgearbeitet. Hierzu gab es lange Gespräche, und auch Landtagsabgeordneter Sandro Kirchner und Staatsministerin Dorothee Bär sind in das Thema eingeweiht. "Das bedeutet, dass beispielsweise ein Sicherheitskorridor von der Kontrolle mit Hilfe eines Bauzaunes errichtet würde", erklärt die Schulleiterin.

Keine Verwendung mehr

Der Umzug in die neue, generalsanierte Schule im Ortskern im Frühjahr könnte ein Wendepunkt sein. Doch bereits im Anschluss ist geplant, dass die Gemeinde die Räumlichkeiten der St. Martin Schule aus Riedenberg überlässt, deren Gebäude ebenfalls saniert werden soll, sagt Bürgermeister Gerd Kleinhenz (PWW) auf Nachfrage. Danach habe die Gemeinde keine Verwendung für die Schule mehr. "Es ist nur noch eine Frage der Zeit", sagt Kleinhenz. Es gebe die Möglichkeit, das Gebäude an die Bundeswehr zurückzuführen. Gespräche dazu laufen. Rückblickend, so Kleinhenz, war in den 1990er Jahren nicht abzusehen, wie sich die Lage entwickeln würde. Die Schule, die damals von amerikanischen Kindern der Armee genutzt wurde, sei ideal für die anwachsenden Schülerzahlen in Wildflecken gewesen. "Von den 25 Klassenzimmern des Gebäudes waren fast alle mit Klassen belegt", erinnert sich Bürgermeister Gerd Kleinhenz an den Einzug in die große Schule. Zwei Turnhallen und insgesamt 50 Räume boten den Schülern viel Platz. Doch seitdem sinken die Schülerzahlen in der Marktgemeinde kontinuierlich. "Wir sind heilfroh, wenn wir mit der Schule in den Ortskern umziehen", sagt Kleinhenz.

INFOKASTEN: Sonderfall Schule Wildflecken

Die Gemeinde Wildflecken kaufte das Gelände im Jahr 1996 nach dem Abzug der amerikanischen Truppen, weil sich die Schülerzahlen zu Beginn der 1990er um ein vielfaches erhöhten. Grund dafür war der Zuzug von Spätaussiedlern. Die politische Lage schien entspannt und es sprach nichts gegen den Verkauf des leerstehenden Schulgebäudes, das bisher von amerikanischen Kindern besucht wurde. Durch Investitionen in das Wildfleckener Kasernengelände bekam die Kaserne wieder mehr Bedeutung. Seit den Anschlägen in den USA im Jahr 2001 und den zunehmenden Anschlägen in Europa wird das Thema Sicherheit bei der Bundeswehr immer wichtiger.