"Empirische Forschungsarbeit zur Motivation der ehrenamtlichen Hochseilgartentrainer am Haus Volkersberg" lautet der Titel der Bachelorarbeit von Julia Müller. Die gebürtige Bad Brückenauerin schloss mit der mehr als 200 Seiten umfassenden Arbeit ihr Sozialpädagogikstudium an der Evangelischen Hochschule Freiburg ab - und das mit Erfolg: als Note gab es ein "sehr gut".

Nur so leistbar

Im vergangenen Jahr gab es im Hochseilgarten Volkersberg 237 Trainings mit rund 4900 Teilnehmern. Eine so große Nachfrage kann das Volkersbergteam nur durch den Einsatz von Ehrenamtlichen abdecken. "Uns ist es sehr wichtig, die Mitarbeit von Ehrenamtlichen am Volkersberg attraktiv und zukunftsfähig zu gestalten", sagt Annekatrin Vogler, die am Volkersberg für den Hochseilgarten zuständig ist. Auf die Ergebnisse der Bachelorarbeit war sie besonders gespannt: "Wir hatten im Vorfeld einige Vermutungen, was bei uns gut läuft und wo wir aber Nachbesserungsbedarf haben. Dies wollten wir nun objektiv bestätigt wissen".

Müller attestiert in ihrer Bachelorarbeit dem Volkersberg ein sehr gutes Ehrenamtlichenmanagement. Für 80 Prozent der Befragten stellt das Ehrenamt am Volkersberg eine Abwechslung zum beruflichen und privaten Alltag dar. 77 Prozent hoben das hervorragende Arbeitsklima zwischen ihnen als Ehrenamtlichen und den Hauptamtlichen hervor. Für 73 Prozent entstand durch das ehrenamtliche Engagement sogar eine enge persönliche Bindung an den Volkersberg. "Da kann man mit jedem reden, man kann auf jeden zugehen, man bekommt jede erdenkliche Hilfe und fühlt sich angenommen", sagte etwa einer der befragten Hochseilgartentrainer.

Vertrauen und Transparenz

Für Julia Müller erfüllt der Volkersberg alle vier Grundvoraussetzungen für die Gewinnung und Bindung von Ehrenamtlichen: Verbundenheit mit dem Gemeinwesen, Vertrauen in die Institution, transparente Rahmenbedingungen und das Prinzip der Offenheit. Die ungewöhnlich große emotionale Bindung der Ehrenamtlichen sieht Müller vor allem in einer ehrlichen Wertschätzung, inhaltlichen Herausforderung, prägender Gemeinschaftserlebnisse und dem persönlichen Mehrwert durch fachliche Aus- und Weiterbildungen begründet.

Entschädigung für den Aufwand

Neben den 47 Hochseilgartentrainern sind am Volkersberg noch weitere 85 Personen in der Kinder- und Jugendarbeit ehrenamtlich aktiv. Für den Leiter der Jugendbildungsstätte Volkersberg, Klaus Hofmann, sind die Ehrenamtlichen nicht mehr wegzudenken: "Unsere Arbeit lebt vom personalen Angebot. Das könnten wir mit Hauptamtlichen alleine nicht schaffen. Vor allem die Ehrenamtlichen sind es, die Kinder und Jugendliche in unseren Angeboten begleiten, ihnen Anteil am eigenen Leben geben, an Erfahrungen und Kämpfen, an Enttäuschungen und Ermutigungen."

Auch wenn für den überwiegenden Teil der Befragten die Höhe einer gezahlten Aufwandsentschädigung keinen Einfluss auf die Motivation ihrer Mitarbeit hatte, empfahl Müller dem Volkersbergteam dennoch zu prüfen, ob man diese erhöhen könne. In unserer heutigen Gesellschaft werde Menschen in Ausbildung und Beruf in immer kürzester Zeit immer mehr abverlangt. Da könne vor allem bei Studenten ein kleiner Finanzzuschuss die Freiräume für ehrenamtliches Engagement sichern. Schließlich müsse man immer ein gesundes Gleichgewicht zwischen Ertrag und Aufwand im Auge behalten.

Zudem sprach sie kleine organisatorische Verbesserungswünsche der Ehrenamtlichen in der alltäglichen Hochseilgartenarbeit und durch die Umstellung des Studiensystems auf Bachelor und Master und damit wenoger Zeit für Studierende an. Abschließend gab sie dem Volkersbergteam den Ratschlag mit auf den Weg, die Ehrenamtlichen auch weiterhin so gut aufzunehmen, zu begleiten und ernst zu nehmen. Dann wird man in der Jugendbildungsstätte auch in Zukunft immer motivierte und engagierte Ehrenamtliche gewinnen können.

Organisation Unter dem Dach "Haus Volkersberg" arbeiten zwei kirchliche Einrichtungen der Diözese Würzburg zusammen: Die Jugendbildungsstätte als größte außerschulische Bildungseinrichtung in Unterfranken sowie das Lernwerk als einzig verbliebene Katholische Landvolkshochschule in der Diözese. Die Jugendbildungsstätte verfügt über 110 Betten im Haus und weitere 120 im Bungalowdorf, im Lernwerk gibt es 44 Betten mit höherem Standard.

Ehrenamt Neben dem hauptamtlichen personal arbeiten auf dem Volkersberg rund 150 nebenberufliche und ehrenamtliche Referenten, Hochseilgarten-Trainer und Teamer mit. Zudem gibt es Stellen über den Bundesfreiwilligendienst (Nachfolge des Zivildienstes) und die Möglichkeiten eines Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) und eines Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ). Im FSJ arbeitet man in der Bildungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen, im FÖJ kümmert man sich um die Landschaftspflege und Weiterentwicklung ökologischer Angebote.

Hochseilgarten Die Diözese Würzburg und das Haus Volkersberg haben im Jahr 2003 ihre erlebnispädagogische Arbeit auf dem Volkersberg um den Hochseilgarten erweitert. Mit Hilfe der Stadt und durch Spenden entstand das Areal nahe dem Bungalowdorf. In der Höhe stehen ein Selbstsicherungsbereich und Einzel-Übungen im Teambereich zur Verfügung. Ergänzend kann auch an Niedrigseil-Elementen gearbeitet werden.

Info Interessierte junge Menschen können wegen der Mitarbeit auf dem Volkersberg an info@volkersberg.de mailen oder sich telefonisch unter 09741/ 913 200 melden. Alle Informationen rund um das Haus Volkersberg und seine Angebote gibt es unter www. volkersberg.de. rr