Um Umsatzpotenziale und Erfolgsfaktoren für Einzelhandel und Tourismus sowie um die Belebung der Innenstädte in Zeiten des wachsenden Online-Handels ging es beim Wirtschaftsabend, zu dem Landrat Thomas Bold (CSU) und Sparkassenvorstand Roland Friedrich eingeladen hatten. So standen Begriffe wie Kaufkraftkopplung, Wertschöpfung und Innenstadtmarketing im Vordergrund der drei Fachvorträge.

"Übernachtungszahlen sind Schall und Rauch", begann Thorn Plöger, Geschäftsführer der 2017 gegründeten Rhön GmbH, seinen Vortrag über "Kaufkraft und Tourismus in der Rhön". Die von den Landesämtern in Bayern, Thüringen und Hessen erfassten Übernachtungszahlen seien für das länderübergreifende Urlaubsgebiet nicht maßgeblich, da darin nur Betriebe ab zehn Betten erfasst sind, es in der Rhön aber nur wenige Hotels, dafür überwiegend Privatquartiere, Ferienwohnungen und kleine Pensionen gibt. "Wir messen uns deshalb am Wirtschaftsfaktor: Welchen Umsatz machen unsere Gäste?"

Schon in den ersten zwei Geschäftsjahren der Rhön GmbH sei die Wertschöpfung in dem knapp 5000 Quadratkilometer großen Areal um sieben Prozent auf eine Milliarde Euro gewachsen - "nur durch etwas Werbung und Öffentlichkeitsarbeit". Doch sei noch mehr Umsatzpotenzial auszunutzen, wenn alle Leistungsträger - immerhin verdienen 22 000 Einwohner der Rhön am Tourismus - sich nach dem Einkaufsverhalten ihrer Gäste richten würden. Plöger: "Wann kaufen denn unsere Gäste ein? Doch nicht morgens um 10 Uhr." So wundert es kaum, dass der durchschnittliche Umsatz eines Tagesbesuchers in der Rhön mit knapp 20 Euro nur bei der Hälfte des Bundesdurchschnitts liegt. "Da ist also noch Luft nach oben."

Wie man potenzielle Käufer, egal ob Urlauber oder Bewohner der Region, in die Innenstadt ziehen und zu gesteigertem Umsatz bewegen kann, zeigte Peter Markart, der geschäftsführende Gesellschafter der imakomm Akademie GmbH, einem Beratungsinstitut für Marketing und Kommunalentwicklung in Aalen bei Stuttgart, anhand praktischer Beispiele aus anderen Städte. "Touristen retten unsere Innenstädte", von denen unter Leerständen zu leiden haben. "Jeder Gast ist im Prinzip ein durch Freizeitlaune motivierter potenzieller Kunde des Einzelhandels." Wichtig sei es also, Tagesgäste und Urlauber in die Innenstadt zu locken und dessen Aufenthaltsdauer zu erhöhen. Allein die 1,6 Millionen Übernachtungen in Bad Kissingen bedeuten bei einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von fünf Nächten eine Kaufkraft von über 20 Millionen Euro. "Wann kaufen Tagesgäste am liebsten?", fragte Markart und gab gleich die Antwort: "Samstags, aber dann schließen die meisten inhabergeführten Läden schon um 14 Uhr."

Eine Möglichkeit, Gäste gezielt in länger geöffnete Geschäfte zu lenken, sei deren deutliche Kenntlichmachung. Zur Erhöhung der Aufenthaltsdauer können Mikro-Events im eigenen Laden dienen, aber auch die Zusammenarbeit mehrerer Einzelhändler sowie ungewöhnliche Aktionstage mit Lesungen beim Metzger oder einer Modenschau im Blumenladen. "Erlebnisse erhöhen die Aufenthaltsdauer." Im Prinzip sei es recht einfach: Der Einzelhändler sollte im eigenen Geschäft ähnliches bieten, was er selbst als Gast im Urlaub anderenorts erwartet.

Jürgen Pfitzner, Geschäftsführer von "Yatego local" mit Firmensitz in Villingen-Schwenningen, stellte in der Veranstaltung seinen Online-Marktplatzes vor. "Wir bieten jedem Gewerbetreibenden die Möglichkeit, digital sichtbar zu werden und dadurch mehr Kunden in das örtliche Geschäft zu ziehen", so Pfitzner..

"Der Zug der Zeit kennt keine Haltestelle", fasste Sparkassenvorstand Roland Friedrich die Themen zusammen. Zwar richtete die zweistündige Fachveranstaltung sich vorrangig an Einzelhändler, Gastronomen und Touristiker des Landkreises. Doch unter den 40 Zuhörern im Sparkassenpavillon gab es kaum welche. Stattdessen lauschten mehrheitlich Funktionsträger aus der regionalen Wirtschaft und Kommunalpolitik den Vorträgen, deren Inhalte ihnen aber im Grundsatz bereits vertraut gewesen sein dürften. Deshalb entfiel auch wenig überraschend die abschließend vorgesehene Fragerunde.