"Das ist ein Riesenverlust für die Stadt und die SPD", sagte SPD-Stadträtin und -Ortsvorsitzende Angelika Somaruga. "Mit ihm geht ein riesiger Erfahrungsschatz und Wissensschatz verloren", trauert sie um den langjährigen Stadtratskollegen. Zudem sei er in den Vereinen der Stadt tief verwurzelt gewesen. Werner Kenner hinterlässt seine Frau Ursula und eine erwachsene Tochter.

Werner Kenner wurde am 30. Dezember 1942 in Brückenau geboren, wuchs aber in Zeitlofs auf. Durch die Hochzeit mit seiner Frau Ursula kam er 1966 nach Brückenau, zog zunächst in die Hochwaldstraße, später im Auerhahnweg. 1957 begann er eine Lehre bei der Bahn, der er bis zu seiner Pensionierung 1996 treu blieb. Seine politische Heimat war die SPD: Bereits als Lehrling trat er den Sozialdemokraten bei. Feuer für die Kommunalpolitik fing Kenner beim Bürgermeisterwahlkampf 1976: Vier Kandidaten kämpften damals ums Amt, Kenner unterstützte SPD-Mann Lorenz Mohr, das Rennen machte allerdings Ludwig Müller (PWG).

1978 in den Stadtrat gewählt

1978 nominierte die Bad Brückenauer SPD den streitbaren Werner Kenner als Kandidaten für den Stadtrat und er wurde auf Anhieb gewählt. Fünf Mal bestätigten die Bürger Werner Kenner im Amt, selbst als er 2002 wegen innerparteilicher Zwistigkeiten nicht auf der SPD-Liste, sondern für die Gruppierung "Bürger für Bürger" antrat. 2008 kehrte er dann wieder auf die SPD-Liste zurück. In seiner sechsten Wahlperiode, nach rund 34 Jahren im Stadtrat legte er dann im Juni 2012 sein Amt nieder.

"Wegbegleiter über viele Jahre"

Bereits damals gab es gesundheitliche Gründe: Eine Gehirnblutung schränkte ihn ein. Trotzdem blieb Werner Kenner voller Tatendrang: "Er ist morgens aufgestanden und war auf 200 Prozent", fasst Somaruga die Energie ihres Parteigenossen zusammen.

Höchstes Lob kommt auch vom politischen Gegner: "Werner Kenner war für mich ein Wegbegleiter über viele Jahre, ich wusste ihn immer mit Rat und Tat an meiner Seite", sagt Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU).

Erst vor kurzem habe sie sich mit dem langjährigen Friedhofsreferenten am Friedhof getroffen und mit ihm Entscheidungen vorbereitet. "Er war unheimlich kompetent", setzte sie auch nach Kenners Ausscheiden aus dem Stadtrat noch auf sein Wissen. "Ich bin total erschüttert", sagt sie über die Umstände seines Todes: Am Dienstag begrüßte er mit seiner Drehorgel noch die Teilnehmer der Radtour von Bad Königshofen nach Bad Brückenau. Nach einem Schwächeanfall kam ein Notarzt und brachte Kenner ins Krankenhaus. Obwohl er zu diesem Zeitpunkt noch bei Bewusstsein war, konnten die Ärzte sein Leben offenbar nicht retten.

Die Kommunalpolitik und seine Drehorgel waren nur zwei von vielen Hobbies des Aktivpostens: So war Kenner von 1976 bis 2009 Vorsitzender des Bad Brückenauer Fischereivereins, von 2002 bis 2008 leitete er zudem als Präsident den Fischereiverband Unterfranken.

Aussegnung am Samstag

Am Herzen lag ihm auch zeitlebens das Zusammenwachsen von Stadt und Staatsbad - ob als Stadtrat oder in den 1990er Jahren als 2. Vorsitzender des Kur- und Fremdenverkehrsvereins (heute Forum). Über Jahrzehnte begleitete er im Hauptauschuss des Stadtrates zudem die bauliche Entwicklung der Stadt, entschied bei den Großprojekten Umgehungsstraße, Fußgängerstraße und Gas-Versorgung maßgeblich mit.
Der Trauergottesdienst mit anschließender Aussegnung findet am Samstag, 29. Juni, um 14 Uhr in der evangelischen Friedenskirche statt.