Der Kampf um die Rehabilitationsmöglichkeiten (Reha) und sinnvolle Präventionsmaßnahmen standen im Blickpunkt einer Podiumsdiskussion. Mit diesem Diskussionsabend wurden die Gesundheitstage in der Georgi-Kurhalle beendet. Roland Pleier moderierte den interessanten Abend.
"Wie wird es mit der Reha und den Kuren im Staatsbad und der Bäderstadt Brückenau weitergehen?", wollte nicht nur Pleier gerne wissen. Nach und nach trudelten rund zwei Dutzend Zuhörer ein. Erheblich mehr wurden es nicht und so zog man vom großen Saal in den kleinen Versammlungsraum um. Dort stellten sich Fachleute den Frage: Klaus Holetschek, Vorsitzender des Bayerischen Heilbäder-Verbandes, die Landtagsabgeordnete und Ärztin Sabine Dittmar (SPD), Hubertus Räde, stellvertretender Vorsitzender der AOK-Gesundheitskasse Bayern, und Professor Christoph Reichel, medizinischer Chef des Rhea-Zentrums Hartwald-Klinik.

Lieber in die Großstädte

Von einem Paradigmenwechsel war auf dem Podium öfters die Rede. So war der Wechsel bestehender Meinungen und medizinischer Weltanschauungen gleich von mehrfachen Seiten angemahnt worden. Der Umbruch in der Gesellschaft hat sich offenbar auch im Medizinbereich mittlerweile seinen Weg gebahnt. "Nicht zuletzt durch die demographische Entwicklung ergeben sich gerade auf dem Lande drastische Veränderungen", sagte Reichel.
"Junge Ärzte gehen lieber in die Großstädte als auf das Land und werden in den Metropolen ausgebildet", so Reichel. Viele niedergelassene Ärzte im Landkreis Bad Kissingen sehen in naher Zukunft ihrem Altenteil entgegen. "Für die Seniorenpatienten wird die Lage schlimmer werden, wenn es für sie immer weniger Ärzte in deren Nähe geben wird", stellte Bad rückenaus dritter Bürgermeister Dieter Seban (CSU) fest. Zumal die Infrastruktur die Wege vom entlegenen Dorf in die Städte nicht gerade optimal seien. Kommt eines Tages ein Landarzt seine Patienten in den Dörfern besuchen?
"Krankheiten sollten durch vernünftige Präventions-Maßnahmen möglichst früh abgeblockt werden", wünschte sich Dittmar und war sich mit Holetschek darin einig. "Die ambulante Vorsorge soll zur Pflichtleistung werden", forderte Holetschek von den Politikern. Ob dies bei ihnen ankomme, bezweifelte Räde: "Unsere AOK ist im Übrigen nicht für die Imagepflege von Kurorten zuständig", stellte er fest.
Freilich, wenn es um die Geldverteilung geht, dann gibt es lebhafte Anmeldungen der Ansprüche nicht nur unter den verschiedenen Krankenkassen sondern auch bei den Deutschen Rentenversicherungs-Trägern.
Dass Letzterer in Sachen Reha seine Schularbeiten gewissenhaft erledigt habe, hob Reichel hervor. "Wir sind eine verlässliche Konstante in Sachen Gesundheit", betonte er. Gegenüber den Kassen wünschte er sich eine gerechtere Geldverteilung - also mehr Geld für die Belange der Rentenversicherung.

"Malle" oder Kur?

Längst vorbei sind jene Zeiten, als sich die Patienten mit wenig eigenem Geld recht kostengünstig zur Kur begaben. Bürgermeisterin Brigitte Meyerdierks (CSU) legte ihren Finger merkte an: "Eine vorbeugende Kur kann sich heutzutage nicht jeder Betroffene leisten. Da reicht bei den Normalos das Geld entweder nur für einen kurzen Kuraufenthalt bei uns im Staatsbad oder für drei Wochen Malle (Mallorca-Urlaub)", so Meyerdierks. "Wenn es einen durch die Krankheit erwischt hat, dann ist Malle also gestrichen", so Pleier.
Stress hinsichtlich der Fahrkostenabrechnung für Patienten mit der AOK kritiserte Taxi-Unternehmer Helmut Emmert . "Da muss vom Prinzip her nachgebessert werden", verlangte er von Räde. Die Bedarfsplanung werde zurzeit überarbeitet, antwortete der.
"Ich bin mit dem Abend zufrieden", meinte Zuhörer Bernd Fischer aus Zeitlofs. Ihn habe noch das Thema Organspende interessiert. "Das wird in Zukunft immer mehr an Bedeutung in unserer Gesellschaft gewinnen".
"Es war ein spannender Abend mit einer interessanten Diskussion", bedankte sich Meyerdierks bei den Teilnehmern der Runde. Kur und Gesundheit seien bedeutende Standbeine für Bad Brückenau.