Nach mehreren Tagen Grabungsarbeit ist die Spannung weitgehend raus. Archäologisch wertvolle Entdeckungen und Funde hat es nicht gegeben und es sind wohl auch keine mehr zu erwarten bis zum Abschluss der Arbeiten. Ans Tageslicht gefördert haben die Experten beim zentimeterweisen Abtragen des Bodens verschiedene Keramikstücke, die auf Gefäße des täglichen Gebrauchs aus dem 13./ 14. Jahrhundert schließen lassen.

Wertvolle Arbeit


Dennoch leistet das Dokumentationsteam wertvolle Arbeit im Sinne der Stadtgeschichte. Vermutungen, zur Bahnhofstraße hin könnte eine Stadtmauer gestanden haben, werden durch den Fund eines Brunnens aus dem 13./ 14. Jahrhundert neben der Bahnhofstraße widerlegt. "Die Erbauer hätten diesen Brunnen sicher nicht öffentlich zugänglich für Jedermann errichtet. Eher lässt dies auf die Existenz eines Hofraumes dort schließen", folgert Dr. Andreas Büttner von der Außenstelle Bamberg des Landesamtes für Denkmalpflege (LAfD).

Angersiedlung aus dem 12./ 13. Jahrhundert


Für ihn und die vor Ort tätigen Archäologen, die diese Untersuchungen im Auftrag der BWB GmbH durchführen, steht fest, dass an der Stelle eine Nord erweiterung des vermutlich im 8. Jahrhundert entstandenen Hamulo Castellum erfolgt ist - in Form einer Angersiedlung. "Der Zugang zu den vermutlich drei kleinzelligen Anwesen dürfte von der Schafgasse aus erfolgt sein."

Teils in eisiger Kälte gearbeitet


Seit dem 6. Februar haben die Archäologen tei teils eisiger Kälte mit Pickel, Hacke und Schaufel gegraben, Strukturen von Fundamenten und Gewölbekellern freigelegt, Schnitte gefertigt. Feinste Details werden dabei mit Spachteln und Kellen herausgearbeitet. Fotos, Zeichnungen, Messungen und Beschreibungen ermöglichen es der Nachwelt, ein kleines Stückchen der Besiedelung von Hammelburg nachzuvollziehen.

Bald Baufreigabe


Sobald die Archäologen fertig sind mit ihrer Arbeit erfolgt die Freigabe der Baustelle, kann mit dem Bau des Mehrfamilienhauses begonnen werden. Das Landesamt für Denkmalpflege hatte der BWB GmbH zur Auflage gemacht, vor Baubeginn zunächst eine archäologische Untersuchung des Grundstückes in Auftrag zu geben.


Auszug aus der wechselhaften Geschichte der Stadt Hammelburg



8. Jahrhundert Urkundlich wurde Hammelburg erstmals am 18. April 716 als ad hamulo castellum erwähnt, was so viel bedeutet wie Burg am Hang. Um die Burg entwickelte sich, begünstigt durch ihre Lage an einer Kreuzung wichtiger Alt-straßen und einer Furt über die Fränkische Saale, eine Siedlung. Eine zweite Erwähnung fand Hammelburg 741, als Karlmann die Martinskirche dem Bistum Würzburg übergab.

Schenkung Am 7. Januar 777 schenkte Karl der Große den fiscus Hammelburg dem Kloster Fulda. Die Abtei richtete eine Propstei ein. Das Fuldaer Kreuz im Stadtwappen zeugt von dieser Epoche. Ihr verdankt Hammelburg auch das Kloster Altstadt. Die Schenkung Karls des Großen umfasste auch Weinberge. Wegen der frühen Erwähnung wird Hammelburg als älteste Weinstadt Frankens bezeichnet.

Wechselvoll Von 1803 bis 1806 gehörte Hammelburg zu Oranien-Nassau und war unter Napoleons Schwager, Marschall Murat bis 1810 französisch verwaltet. 1810 kam Hammelburg zum Großherzogtum Frankfurt, 1813 zu Österreich und 1816 zu Bayern.

Stadtbrand Bei einem Großfeuer wurden am 25. April 1854 303 Haupt- und 370 Nebengebäude im Stadtkern zerstört.