Die Meinungen zum Weihnachtsgeschäft 2018 gehen weit auseinander. Einig sind sich Einzelhändler aus dem Landkreis aber in einem Punkt: "Es ist erst sehr spät angelaufen", sagt Ralf Ludewig, Inhaber eines Modehauses in der Bad Kissinger Innenstadt und unterfränkischer Bezirksvorsitzender des Einzelhandelsverbandes Bayern (HBE). Die mit 23 Tagen relativ kurze Adventszeit und das warme, verregnete Wetter haben da ihren Teil beigetragen.

Er persönlich habe allerdings keinen Grund zu klagen. "Für uns ist das Weihnachtsgeschäft sehr positiv gelaufen", berichtet er. Sein Modehaus habe den Vorjahresumsatz nicht nur halten, sondern sogar verbessern können. Als Gründe nennt Ludewig eine hohe Nachfrage nach Gutscheinen sowie nach klassischen Geschenkartikeln wie Schals, Krawatten und Dessous.

Für Günter Hanff fällt die Bilanz nüchterner aus. Sein Fotofachgeschäft habe den Umsatz aus dem Weihnachtsgeschäft 2017 nicht erreicht. "Insgesamt war es weniger", sagt er. Eine Erklärung fällt ihm jedoch schwer. Auf der einen Seite ist gerade im Elektronik- und Technikbereich die Konkurrenz durch Onlinehändler groß. Und die sind so erfolgreich wie nie: Der Onlinehandel erwartet laut HBE ein Umsatzplus von zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Branchenführer Amazon hat außerdem für 2018 ein Rekord-Weihnachtsgeschäft gemeldet.

Auf der anderen Seite haben Fachgeschäfte durchaus Argumente, um bei den Kunden zu punkten. "Teure Geräte brauchen Beratung. Da suchen die Leute wieder den Fachhandel auf", erklärt Hanff. Den Fachhändlern sei es zuletzt gelungen, ihren Marktanteil zumindest gegenüber Großmärkten wie Media Markt auszubauen. Für ein gutes Weihnachtsgeschäft hat das jedoch nicht gereicht. Hanff hofft, dass die nächsten Tage besser laufen und die Kunden ihre Gutscheine und Bargeldgeschenke einlösen. "Wir haben schon Jahre erlebt, in denen wir in den Tagen danach mehr Kameras verkauft haben, also vor Weihnachten", berichtet er.

Buchhändlerin Marion Katzenberger aus Münnerstadt verfällt ebenfalls nicht in Euphorie. "Man merkt, dass die Leute mehr im Internet einkaufen", sagt sie. Das Weihnachtsgeschäft in ihrem Laden konzentriere sich mittlerweile auf die Woche direkt vor den Feiertagen. Ansonsten herrsche im November und Dezember normaler Betrieb.

Budenbetreiber sind zufrieden

"Die Erwartungen haben sich nicht erfüllt. Viele Händler haben vergeblich auf ihre Bescherung gewartet", sagt HBE-Pressesprecher Bernd Ohlmann. Der stationäre Handel habe mit einem Plus von zwei Prozent gegenüber 2017 gerechnet. Davon sei man weit entfernt. "Manch ein Händler wäre froh, wenn er das Vorjahresergebnis erreicht." Das durchwachsene Abschneiden liege nicht nur an der starken Onlinekonkurrenz, sondern auch am zu warmen Wetter. Ohlmann: "Warme Winterkleidung lag wie Blei in den Regalen." Weil der Trend aber mehr zu Gutscheinen und Bargeldgeschenken geht, dürften sich viele Läden noch Hoffnungen auf ein gutes Nach-Weihnachtsgeschäft machen.

Gute Nachrichten kommen dagegen von den Budenbetreibern des Kissinger Lichterglanzes. Laut Klaus Bollwein, Geschäftsführer des Stadtmarketingvereins Pro Bad Kissingen, haben die meisten ihren Vorjahresumsatz erreicht oder deutlich verbessert. "Wäre das Wetter besser gewesen, wäre es ein Rekordjahr geworden", sagt er.

Zahlen zum Einzelhandel in der Region

Jahresgeschäft Laut Handelsverband Bayern erwirtschaften die Einzelhändler in Unterfranken dieses Jahr einen Umsatz von 6,8 Milliarden Euro und damit rund 100 Millionen Euro mehr als 2017. Der Anteil der Einzelhändler aus dem Landkreis Bad Kissingen liegt bei rund 400 Millionen Euro.

Weihnachten November und Dezember sind die wichtigsten Monate für den Handel. Stationäre Händler erzielen mit dem Weihnachtsgeschäft 20 Prozent ihres Jahresumsatzes, beim Onlinehandel beträgt der Anteil sogar 25 Prozent. 2017 haben die Einzelhändler in Unterfranken 1,3 Milliarden Euro umgesetzt.

Geschenke Der HBE schätzt, dass jedes vierte Weihnachtsgeschenk ein Gutschein oder Bargeld ist. Ansonsten beliebt sind Uhren, Schmuck, Parfum, Bücher, Spielwaren und Elektronikartikel wie intelligente Lautsprecher und Smartphones.