Manche Eltern hatten ein Deja-Vu, als sie am Montagmorgen den Kindergarten in Kothen betraten. Nachdem vor genau vier Jahren wegen Pilzbefall an der Küchendecke die Kinder schon einmal aus dem Kindergarten ausziehen mussten, wurden sie nun gar nicht mehr rein gelassen: Wegen eines Wasserschadens waren Teile der Decke herunter gebrochen.
In der Nacht auf Sonntag war die Waschmaschine des Mieters über dem Kindergarten ausgelaufen. Das Wasser hatte sich seinen Weg durch Lehmdecke, Freiraum für Kabel und Gipsvertafelung gesucht und war auf den Boden des Kindergartens getropft. Teile der Gipsdecke waren gleich mit runter gekommen und zerbrochen. Das Wasser stand in Flur, Gruppen- und Turnraum circa einen Zentimeter hoch.
Monika Solleder, Kinderpflegerin, wollte ihren Dienst um 7.30 Uhr beginnen, bekam aber zunächst die verquollene Haustür nicht auf. Als sie den Kindergarten betrat, funktionierten weder Licht noch Telefon. "Der Schreck fuhr mir in die Glieder", berichtet Monika Solleder.
Mit der ersten eingetroffenen Mutter rief Solleder die Kindergartenleiterin Sandra Reith an, die innerhalb von 30 Minuten Plan B klargemacht hatte. Feuerwehrvorsitzender Markus Bug stellte den Mehrzweckraum im Feuerwehrhaus als Ausweichraum zur Verfügung und holte per Rundruf mehrere Feuerwehrkameraden zusammen, die beim Umzug halfen. Zusammen mit vielen Eltern waren das gesamte Mobiliar, Geschirr, alle Bücher und Spielsachen bis 10 Uhr ins Feuerwehrhaus gebracht.
Dort finden es Ida, fünf Jahre, und Nikolas, vier Jahre, "auch schön", blicken jedoch sorgenvoll auf ihren Kindergarten, in dem "Löcher in der Decke und Pfützen im Turnraum" sind. Die dreijährige Hannah hatte das Desaster noch gesehen: "Da waren oben Löcher drin und alles voll und nass - da wollte ich nicht spielen."
Jetzt heißt es vier Jahre nach dem Pilzbefall - auch wegen eines Wasserschadens in einer oberen Wohnung - wieder: Kindergarten findet im Feuerwehrhaus statt. Einerseits sind Kindergartenleitung und Eltern froh, wieder so schnell eine Ausweichmöglichkeit gefunden zu haben, doch merkten sie schon am ersten Tag: "Es hallt dort so, es ist unwahrscheinlich laut." Obwohl noch keine Zahlen bezüglich Sanierung und Dauer vorliegen, rechnet Kindergartenleiterin Sandra Reith in diesem Jahr nicht mehr mit einem Wiedereinzug.
Laut Bürgermeister Jochen Vogel (Wählergemeinschaft) wird "in alle Richtungen gearbeitet". Weder über die Dauer der Arbeiten noch über die Haftung könne derzeit Konkretes gesagt werden. Jochen Vogel, Architekt Rudolf Röbig und die Firma Kühnlein aus Schondra haben den Schaden bereits begutachtet. Sandra Reith befürchtet, dass es sogar eine Komplettentkernung geben könnte. Lothar Selig, der die Pflege der unter dem Kindergarten befindlichen "Werberger Stube" innehat, teilte mit, dass das kleine Museum unbeschadet sei.