Mit großem Eifer suchen die Schülerinnen und Schüler an der Bodenstation mit Spaten und Lupe nach Bodenleben. Auch die Bodenbestandteile werden ermittelt, Humusaufbau und -wertigkeit werden diskutiert. Die 8. Klasse der Mittelschule Thulbatal in Oberthulba besuchte mit 14 Schülern und Schülerinnen und Lehrer Martin Rudolf den ersten Durchlauf des neuen Projektes "Fridays on Farms" vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bad Neustadt/S auf dem Betrieb von Anja und Diethard Wagenbrenner in Oberthulba.

An der Grünlandstation "Wiese" suchten die Schüler nach verschiedensten Gräsern, Kräutern und Blüten. Sie identifizierten diese, ordneten sie einer Liste zu und verglichen die Artenvielfalt der Wiese mit den ihnen bekannten Grünflächen am Sportplatz , öffentlichen Anlagen und privaten Rasenflächen.

In der dritten und letzten Station, im Rinderstall, dem Lebensraum für Nutztiere, wogen die Schüler eine Tagesration Futter für ein Rind ab. Erstaunt reagierten sie auf die Mengen, die ein Tier fressen kann und muss, um Milch zu geben. Ebenfalls überrascht waren sie über die Hochrechnung auf die jährlichen Futtermengen, die Arbeitszeiten und den Aufwand für die Haltung der Kühe. Zehn bis zwölf Arbeitsstunden pro Tag und das an 365 Tagen im Jahr beeindruckte sehr. Spannend wurde die Berechnung der Arbeitsleistung von milchproduzierenden Landwirten bei der Entlohnung der Arbeit für das Produkt Milch. Hier musste dann doch überlegt werden, wie viele Kühe notwendig sind, damit eine Familie davon leben kann.

Erlebnisbäuerin Anja Wagenbrenner ist Nachhaltigkeit im Tun ein wichtiger Punkt in Diskussionen. "Was kann ich mir als Mensch von der Erde nehmen und was gebe ich ihr zurück?" Sehr anschaulich wurde diese Frage am Spiel "halte die Welt im Gleichgewicht". Die orangen Steine symbolisieren "das Nehmen", die gelben Steine "das Geben". Die auf einem Ball ausbalancierte Scheibe symbolisiert die Welt. Ein Schüler wollte nicht auf sein Steak verzichten und möchte dafür bienenfreundliche Lavendel mit der Mutter in den Balkonkasten pflanzen. Ein Mädchen möchte gerne Milch trinken, dafür öfter mit dem Fahrrad zur Schule fahren, statt mit dem Auto gefahren zu werden. Das Spiel endete für alle mit der Einsicht, dass jeder einzelne von uns etwas für die Natur im Gleichgewicht tun kann. Dass es einfacher ist zu nehmen, das war allen klar, dass es Mühe und Anstrengung kostet unsere Welt im Gleichgewicht zu halten, wurde erkannt

Erfreut stellte Lehrer Martin Rudolf fest mit welchem Eifer " seine Klasse" sich am Lernparcour beteiligte. "Hier können die Schüler und Schülerinnen vor Ort Zusammenhänge erkennen, die im regulären Unterricht nur sehr aufwendig vermittelbar sind. Er kann als Lehrkraft mit seinen und den Erfahrungen seiner Schüler und Schülerinnen am Bauernhof in nächster Zeit an Lerninhalte verschiedenster Unterrichteinheiten in Erdkunde, Biologie, Wirtschaftslehre anknüpfen und diese vertiefen.

Für Bäuerin Wagenbrenner war der Besuch der Klasse zu "Fridays on Farms" eine gute Gelegenheit jungen Menschen und zukünftigen Verbrauchern praktisches "Land-be-wirtschaften" erleben zu lassen. Erzeuger und Verbraucher kommen ins Gespräch und können gegenseitig Verständnis für ihr jeweiliges Handeln an der Ladentheke oder bei der Landbewirtschaftung erreichen.

Das Thema Biodiversität wurde vom StMELF durch Staatsministerin Michaela Kaniber für die Jahre 2019 und 2020 zum Schwerpunktthema der Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Bayern zur Beratung für Landwirte und Verbraucher ausgerufen.

Biodiversität als Überbegriff für Artenvielfalt und Artenschutz wurde ebenso als Konsequenz des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" im Bayerischen Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen (BayEUG) Art. 1 Bildungs- und Erziehungsauftrag aufgenommen.

Unter Art.2 wurde der Erziehungsauftrag der Schulen neben dem "Verantwortungsbewusstsein für Natur, Umwelt wecken" um den Aspekt "Verständnis für die Zusammenhänge nachhaltiger Entwicklung, gesunder Ernährung und verantwortungsvoller landwirtschaftlicher Erzeugung" ergänzt.

Diese beiden Situationen waren Anlass für Theresia Dietz vom AELF Bad Neustadt zusammen mit Erlebnisbäuerin Anja Wagenbrenner, Oberthulba, einen Lernparcour für Schulkassen auszuarbeiten, der den jungen Leuten und ihren Lehrkräften die Möglichkeit gibt, Artenvielfalt "in Natur" zu erkennen, zu fühlen und zu erleben. Zusammenhänge zwischen Landbewirtschaftung und Artenschutz können vor Ort analysiert und bewertet werden.

Zielgruppe dieser Aktion sind Schulklassen aller Schulen ab 8 Jahrgangsstufen. Junge Leute in diesem Alter demonstrieren aktuell über "Fridays for Future" für ihre zukünftigen Lebensgrundlagen. Auf den Bauernhof kommen sie nicht zum Demonstrieren, sondern zum Diskutieren mit Bauer und Bäuerin über deren Arbeitsweise in und mit der Natur zum Schutz von Artenvielfalt und Erzeugung gesunder Lebensmittel.

Stellvertretend für viele Bauernhöfe haben die Initiatorinnen des Projektes, das unter dem Namen "Fridays on Farms" beworben wird, drei "Lebenswelten" ausgesucht. Im Mittelpunkt steht der Mensch mit seinen Ansprüchen an das Leben. Der Landwirt versuche den Wunsch nach gesunder Nahrung und schöner Kulturlandschaft zu erfüllen. Hierfür müssten Landwirtschaft und Verbraucher ihren Beitrag leisten, heißt es vom AELF.