Wenn mittwochs, freitags und samstags die Beamer-Shows im Rosengarten laufen, wird es eng an der Balustrade neben der Ludwigstraße. Um die 100 Besucher schauen sich das Spiel aus Licht, Wassernebel und Musik im Schnitt an. "Der Multimedia-Brunnen ist ein Highlight in Bad Kissingen und erweitert das Angebot für Gäste und Einwohner", wirbt die Staatsbad GmbH . Doch was hat die drei Millionen Euro teure Sanierung wirklich gebracht und weshalb haben die Gärtner im Sommer mit der Hand gegossen? Wir haben nachgefragt.

Laut Staatsbad GmbH informieren sich immer wieder Gäste an der Tourist-Info über die Spielzeiten der Beamer-Shows. Der Multimedia-Brunnen sei eine "gut angenommene Attraktion", aber: "Inwieweit Gäste explizit deswegen anreisen, kann nicht beurteilt werden."

"Sicherlich trägt der neue Springbrunnen insgesamt zu einem harmonischen Bild des Rosengartens bei, jedoch hat er für unser Hotel keine Bedeutung in Sachen Vermarktung", sagt Christine Oßwald, Marketingleiterin im Hotel "Sonnenhügel". Der Brunnen werde in Flyern beworben und Gästen für den Ausflug in die Stadt empfohlen, aber: "Leider liegt unser Hotel im Stadtteil Reiterswiesen viel zu weit vom Zentrum entfernt, als dass Gäste abends nochmals zur Beamer-Show ins Stadtzentrum fahren würden."

Und in der Stadt? "Unsere Stammgäste schätzen den Springbrunnen und gehen auch gezielt zu den Shows", sagt Bernd Stempfle, Inhaber des Westpark-Hotels, aber: "Extra wegen des Brunnens kommt niemand nach Bad Kissingen." Die Fächer-Fontäne sei aber das am häufigsten fotografierte Motiv: "Das macht die Stadt definitiv attraktiver." Auch die Musik- und Wasserspiele alle drei Stunden unterm Tag seien eine schöne Abwechslung.

"Shows einfach zu spät

"Das Interesse ist da, die Gäste fragen nach den Spielzeiten", berichtet auch Ute Trabert, Direktorin des "Cup-Vitalis"-Hotels. Allerdings gebe es keinerlei Interesse an Shuttle-Fahrten vom Hotel in die Innenstadt am Abend. "Die Shows sind im Sommer einfach zu spät." Im Juli beginnen sie um 22.30 Uhr, von Oktober bis März allerdings bereits um 20 Uhr.

Für Tagestouristen ist offenbar zu spät. Mehrere befragte Bus-Unternehmen berichten, dass gerade die Teilnehmer an Tagesfahrten spätestens nach dem Abendessen schnell nach Hause wollen. Keine Zeit also für die Beamer-Show am Abend. Außerdem müssen die Veranstalter auf die Lenkzeiten ihrer Fahrer achten. "Nur die Show reicht nicht", erklärt auch Karola Frischat vom gleichnamigen Reisebüro in Burkardroth. Sie organisiert seit Jahren Bus-Touren. Bad Kissingen hat aus ihrer Sicht "zu wenig Potenzial". Persönlich schätzte sie die Kuranlagen und die historischen Gebäude, aber als Reise-Expertin fehlen ihr Angebote wie ein attraktiver Weihnachtsmarkt in der Stadt - oder gleich im Rosengarten, wo mit Beamer-Shows kombiniert werden könnte.

Bewässerung außer Betrieb

Keine zusätzlichen Gäste, dann wenigstens Einsparungen? "Dieses Jahr wurde der Rosengarten grundsätzlich mit gleichbleibendem Aufwand wie die Jahre zuvor gegossen", teilt die Staatsbad GmbH auf Nachfrage mit. Denn: Nach mehreren Probeläufen ist die Bewässerungsanlage schon seit längerem außer Betrieb. "Es hat sich gezeigt, dass Störungen zu Ausfällen führen, so dass sie derzeit nicht betrieben werden kann", teilt Mario Selzer von der Stadt Bad Kissingen auf Anfrage mit.

Aktuell laufen Nachbesserungen, unter anderem wurde eine defekte Pumpe ausgetauscht. Immerhin: "Alle Reparaturarbeiten an der Bewässerungsanlage liefen im Rahmen der Gewährleistung. Der Stadt Bad Kissingen sind somit keine weiteren Kosten entstanden." Wenn alles läuft, rechnet die Stadt mit Einsparungen beim Personal und beim Wasser: Zum einen werde kein Trinkwasser, sondern Wasser aus der Saale gepumpt, zum anderen würden die Pflanzen gezielter bewässert.

Geringerer Aufwand

Seit dem Probebetrieb habe die Stadt auch den Reinigungsaufwand reduziert, ein kleines Team mit Hochdruckreiniger reiche, Mess- und Dosiertechnik seien weiterentwickelt und die Wasserbehandlung optimiert worden. "Dadurch haben wir es geschafft, die Intervalle zwischen den Reinigungen insgesamt zu verlängern - der Brunnen wird also seltener gereinigt." Allerdings werde das 640 Quadratmeter große Becken im Rosengarten vor Großveranstaltungen wie Kissinger Sommer und Rakoczy-Fest rausgeputzt.

"Der Multimedia-Brunnen wird gefühlt öfter gereinigt, allerdings nicht tatsächlich", reagiert Selzer auf Kritik. Der Brunnen stehe einfach mehr im Fokus als alle anderen, weil er sich "im Herzen unseres Kurgebiets" befinde.

In einem gibt Selzer den Kritikern aber recht: Die Reinigung dauere länger als bei anderen Brunnen in der Stadt, weil es alleine ein bis zwei Tage benötige, bis das Becken wieder mit 220 000 Litern Wasser aus der Quelle am Liebfrauensee befüllt ist.