Wenn alljährlich im September die Oerlenbacher Wallfahrer zu Fuß den Weg zur Wallfahrtskirche "Maria im grünen Tal" in Retzbach antreten, ist nicht nur die Ortsbevölkerung vertreten. Wallfahrer, darunter sehr viele junge Menschen, aus den Kreisen Bad Kissingen und Schweinfurt verstärken die Prozession. Die Orte Ebenhausen, Poppenhausen, Kronungen, Kützberg, Brebersdorf, Schwebenried, Arnstein und Thüngen liegen an der Strecke, bevor Retzbach erreicht wird. Ingrid Hofmann aus Nüdlingen hat bereits die 27. Wallfahrt hinter sich. Sie sagte: "Die Gemeinschaft ist mir wichtig. Das Gläubige gehört ein wenig dazu. Es ist einfacher die Strapazen zu ertragen, wenn andere mit einem unterwegs sind. Es ist wie eine große Familie. Blasen, Hitze - alles habe ich mit gemacht. Man muss einfach durch. Es funktioniert irgendwie immer." Abschluss der diesjährigen Wallfahrt und Auftakt zum Jubiläumsjahr 150 Jahre Retzbach-Wallfahrt, bildete ein Dankgottesdienst in der Pfarrkirche St. Burkhard, mit einem Begegnungsabend im Oerlenbacher Pfarrheim. Den Dankgottesdienst zelebrierte Pfarrer Gerold Postler. Seit 44 Jahren war er Wallfahrtspfarrer in Retzbach. Der Dankgottesdienst war einer seiner letzten Gottesdienste, bevor er in den Ruhestand geht. In einem stimmungsvollen zu Herzen gehenden Gottesdienst, nahm er Abschied von seinen Freunden. Er sagte: "Höhepunkt in jedem Jahr war für mich, wenn die Wallfahrer aus Oerlenbach und Fulda kamen. Sie hatten den weitesten Weg hinter sich. Es war immer eine schöne Zeit, vor allem, wenn man nach der Lichterprozession noch gemütlich beisammen saß. Besonders beeindruckte mich in den vier Jahrzehnten die Wallfahrt "Patrona Bavariae", als 2014 rund 6000 Gläubige und alle Bischöfe der bayerischen Diözesen nach Retzbach kamen."
Musikalisch wurde die Messe, wie auch der Begegnungsabend, vom Wallfahrtsorchester, unter der Leitung von Tobias Lutz, umrahmt. Wallfahrtsleiter Otmar Lutz und sein Vorgänger Otmar Seidl verabschiedeten im Gottesdienst Pfarrer Postler. Lutz betonte in seiner Laudatio, dass Pfarrer Postler tiefe Spuren bei den Wallfahrern in den 44 Jahren hinterlassen habe. "Heute hier zu sprechen, fällt mir schwer, denn nach mehr als 40 Jahren ist er das letzte Mal bei uns. Für mich gibt es keinen besseren Platz, als ihn hier im Kreise seiner Wallfahrer zu verabschieden. Als Wallfahrtspfarrer, so habe ich nachgerechnet, hat er in seiner Amtszeit tausende Oerlenbacher Wallfahrer in Retzbach begrüßt. Gerold Postler ist und bleibt ein Oerlenbacher Wallfahrer", sagte Otmar Lutz. Sichtlich gerührt sagte Pfarrer Postler: "Retzbach und die Gottesmutter bleiben die Gleichen, auch wenn das Bodenpersonal ein anderes ist."
Beim anschließenden Begegnungsabend durften sich Pfarrer Postler zusammen mit Stefan Geiger für mindestens 40-malige Teilnahme und besondere Verdienste in das "Goldene Buch" der Retzbach-Wallfahrer eintragen. Für Stefan Geiger ist die Wallfahrt immer ein Fixtermin. "Es ist wie ein Virus. Einmal angesteckt, willst du immer mit", sagte er. "Man kennt die Leute. Man geht immer mit den gleichen in einer Reihe. Man hat meist die gleichen Interessen. Es ist einfach das Gemeinsame", so Geiger. "Zur größten Herausforderung auf dem Weg ist der Aufbruch nach dem Mittagessen in Binsfeld, wenn man nicht mehr vom Stuhl hochkommt. Es braucht einige Zeit, dann geht es wieder." Wallfahrtsleiter Otmar Lutz dankte allen Helfern. 254 Wallfahrer, wie in diesem Jahr, seien eine organisatorische Herausforderung für Lutz und seinen 20-köpfigen Helferstab. Man benötigt fünf Vorbeter, die Besatzung von drei Begleitfahrzeugen, einem Traktorgespann und zusätzliches Sicherungspersonal für die Verkehrsabsicherung. Wichtiges Instrument der Wallfahrt ist die Musikkapelle, die sich derzeit aus 25 Musikern der Region Main-Rhön zusammensetzt. "Wir sind fast am Ende unserer logistischen Leistungsmöglichkeiten", sagt Lutz. Mit einem dokumentarischen Rückblick auf 150 Jahre Retzbach-Wallfahrt ließ er den offiziellen Teil ausklingen, bevor er zusammen mit Margit Braunschweig und seiner Ehefrau Monika in zwei Sketchen, die Tage vor und nach der Wallfahrt komödiantisch passieren ließ. Hier blieb kein Auge trocken.