Ruhig liegt die Baustelle für das neue Haus Waldenfels an der Ernst-Putz-Straße. Doch ganz so still ist es nun auch wieder nicht. Die Arbeiten ruhen zwar, aber in den vergangenen Tagen wurden blaue Rohre abgeladen und ein kleiner Bagger ist auf dem Gelände aktiv. Was geht da vor sich?

"Zurzeit wird die Sofortmaßnahme 'Oberflächenschutz' umgesetzt", berichtet Marco Schäfer, Vorstand der Carl von Heß'schen Stiftung. Als Bauherr steckt die Stiftung in Schwierigkeiten, denn der Hang, den die Bauarbeiter abgetragen hatten, ist in Bewegung geraten. Nun klagen die Anwohner über Schäden an ihren Häusern (wir berichteten). Aber vor allem warten sie. Sie warten darauf, dass endlich klar ist, wie es auf der Baustelle weitergeht.

Schäfer wirbt um Geduld

"Das ist eine sehr komplexe Aufgabe, bei der man nichts übers Knie brechen kann", wirbt Schäfer um Geduld. Ein Gutachter der Landesgewerbeanstalt in Nürnberg (LGA), den die Stiftung zur Beratung hinzu gezogen hatte, wertet immer noch die Messergebnisse aus. Die große Frage ist, ob der Rohbau wie geplant ausgeschrieben werden kann, oder ob die Baupläne geändert werden müssen.

Die Anwohner haben indes einen eigenen Gutachter hinzugezogen. Ihr Gutachter sei der Meinung, dass sich der Hang weiter bewegt, sagt Albrecht Nöth, der wohl am stärksten betroffen ist. "Das sieht man daran, dass die Risse länger und breiter werden." Auch Hans-Jörg Heidelmeier und Josef Werner stellen fest, dass sich die Schäden an ihren Anwesen verschlimmern. "Wenn es jetzt wieder regnet, dann wird's lustig", sagt Werner trocken.

Vorbereitungen für den Winter

"Unsere Messergebnisse sind eindeutig. Da bewegt sich momentan nichts", widerspricht Schäfer. Seit Juli werde dreimal wöchentlich gemessen. Dass der Hang ruht, sei ihm auch vom LGA bestätigt worden, sagt Schäfer. Doch auch ihm bereitet der nahende Winter Sorge: "Wichtig ist für uns, dass wir die Baustelle über die schwierige Phase des Winters bringen." Im März oder April könne vielleicht der Rohbau starten. "Dann hätten wir ein dreiviertel Jahr verloren", sagt Schäfer und fügt hinzu. "Und das wäre noch der beste Fall, wenn wir nur Zeit verloren hätten."


Was bisher geschah:

Planung Bereits im Jahr 2011 kam der Gedanke auf, auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses ein neues Gebäude für das Seniorenheim Haus Waldenfels zu errichten. Der Träger, die Carl von Heß'sche Sozialstiftung, legte das erste Konzept im Januar 2012 vor.

Baustart Am 11. März 2013 erfolgte der Spatenstich für das neue Haus Waldenfels. Die Tiefbau-Arbeiten wurden Anfang Juni abgeschlossen. Da der Hang aber in Bewegung geraten war, verzögert sich der Rohbau bis auf den heutigen Tag. Der Termin für die Einweihung, der ursprünglich für Ende 2014 vorgesehen war, wird definitiv nicht einzuhalten sein.

Die ersten Risse Am 4. Mai bemerkte Albrecht Nöth, dessen Haus in der Hartstraße unmittelbar über der Baustelle liegt, die ersten Schäden an seinem Haus. Auch andere Anwohner klagen über Risse, klemmende Türen und aufgesprungene Fugen. Die Betroffenen taten sich zusammen und beauftragten einen Gutachter, der die Schäden an den Häusern dokumentiert. Die Anwohner sehen einen klaren Zusammenhang zwischen den Schäden und der Baustelle.

Sofortmaßnahmen Nachdem die Schäden bekannt geworden waren, reagierte der Träger mit Sofortmaßnahmen. Ein Teil der Baustelle wurde wieder mit Erde aufgefüllt, weitere Zugbänder wurden angebracht und gerade laufen die Arbeiten, den Hang mit einer Folie abzudecken. Auch die Stadt hat reagiert: Die Stadtwerke kontrollierten die Leitungen, die unter der Hartstraße verlaufen, und verstärkten die Gasanschlüsse der betroffenen Häuser. Zudem versorgt eine oberirdische Leitung bis auf Weiteres die Anwohner mit Trinkwasser. Die Hartstraße ist für Lkw über 7,5 Tonnen gesperrt.

Wie es weitergeht, ist derzeit noch nicht klar. Am 2. Oktober trifft sich der Stiftungsrat zu seiner nächsten Sitzung. Dort soll entschieden werden, wie die Baustelle über den Winter gebracht werden soll und ob die Planungen für den Rohbau angepasst werden müssen.