Der Duft frisch gebackener Waffeln zieht verführerisch über den Marktplatz. Er kommt aus einem kleinen Zelt in der Nähe des Rathauses. Frans der Kinderen hat die Waffeleisen, unter denen die Flammen züngeln, fest im Griff. Von Zeit zu Zeit wendet er die Eisen, damit nichts anbrennt.

Seit 20 Jahren kommt er in die Saalestadt, um die Marktbesucher mit seinen Brüsseler Waffeln "nach Geheimrezept" zu verwöhnen. "Und es macht mir immer noch Freude", bestätigt der Belgier und schmunzelt. Seine Frau Anita ist auch immer dabei, die Besuche in Hammelburg sind ihr wichtig. "Wir tun es für die Freundschaft", erklärt sie.

Nicht aus eigener Produktion, aber trotzdem köstlich sind auch die Leonidas Pralinen, die das Partnerschaftskomitee anbietet. Sein Zelt lockt jedes Jahr etliche Besucher an, die extra wegen der belgischen Spezialitäten kommen. Man kennt sich, und so wird immer auch ein bisschen geplaudert. "Wichtig ist, dass sich Menschen aus den beiden Städten hier begegnen", betont José Lenders, Vorsitzende des Komitees aus Turnhout, die Bedeutung persönlicher Kontakte.

Eine freudiges Wiedersehen gibt es auch gegenüber am Stand von Spitzenklöpplerin Leentje van Hoeck, als Bernadette Roßberg sie entdeckt. Schon seit 35 Jahren pflegen Roßberg und ihr Mann Heinrich enge Beziehungen zu der belgischen Partnerstadt und bieten den Gästen bei Besuchen auch ein Quartier.

Der Kontakt entstand seinerzeit über die Pfadfinder, und die Bande - insbesondere zur Familie von Lea Peeraer - wurden im Laufe der Jahre immer enger. "Das ist keine Freundschaft mehr, das ist Familie", bringt es Bernadette Roßberg auf den Punkt. Sie hat sogar ein Patenkind in Turnhout.

An einem dritten Stand sind die "Patrioten" zu finden, ein Militär-Folklore-Verein. Mit ihren originalgetreuen Uniformen und Gewehren stellen sie jedes Jahr die Schlacht von Turnhout 1789 nach, als die Österreicher besiegt wurden. Auf dem Michaelsmarkt schießen sie freilich nicht, sondern bieten Corsendonk-Bier und -Käse an. "Die wurden früher in einer Abtei in Turnhout hergestellt, die Corsendonk hieß", erklärt José Lenders den Hintergrund.

Bürgermeister Ernst Stross begrüßt die jährliche Teilnahme der Belgier am Michaelsmarkt. "Das hat nun schon eine lange Tradition und ist nicht mehr wegzudenken", unterstreicht er. Stross freut sich über die im Laufe der Jahre entstandenen Beziehungen, zum Beispiel bei Vereinen wie den Schützen oder auch zwischen Familien.
Er weiß aber auch, dass die Partnerschaft immer wieder neue Impulse braucht, um nicht einzuschlafen. So habe die Stadt alle Vereine angeschrieben, doch die Resonanz sei "kläglich" gewesen, bedauert er. "Da wo die Menschen sich persönlich kennen, da funktioniert das Miteinander noch", betont Stross.

Einen großen Vorteil sieht er darin, dass die meisten Turnhouter gut Deutsch sprechen, weil sie es in der Schule gelernt haben. Dennoch sei es schwierig, insbesondere junge Leute für die Partnerschaft zu begeisterten. Das liege vermutlich an der Vielzahl der Möglichkeiten, die es heute gebe, seine Freizeit zu gestalten. José Lenders teilt diese Einschätzung, sieht aber auch in den gestiegenen Kosten ein Problem. Einen Bus für ein Wochenende zu chartern, koste über 2000 Euro. Zudem müssten Unterkunft und Verpflegung gezahlt werden. "Es ist nämlich nicht mehr so einfach, Gastfamilien zu finden", bedauert sie.