Toben, Melanie und Nils sind kaum zu bremsen. Die Kinder toben sich aus. Toben liebt das Karussell, Melanie die Rutsche und Nils die Schaukel. Es ist alles da, sogar ein Radhaus und ein Basketballfeld. Und ein grandioser Fernblick.

In der Tat sind die Freianlagen der Franz-von-Prümmer-Schule - wie das gesamte Förderzentrum für behinderte Kinder - hervorragend. Sie gelten als so gut, dass sie in den erlauchten Kreis der Architektouren 2013 aufgenommen worden sind. Als einziges Beispiel im gesamten Landkreis Bad Kissingen.

Träger der Einrichtung ist die Lebenshilfe Bad Kissingen. Vorsitzender Winfried Sauer sprach von einem Vorzeigeobjekt, das auch Impulse setzen und zum Nachahmen animieren solle. Er hält die Freianlagen für "sehr gelungen ". Nach der Veröffentlichung von Luftaufnahmen habe es einige Anfragen gegeben.

Kinder können durchatmen

Entworfen hat sie der Bad Kissinger Landschaftsarchitekt Klaus Neisser. Der Grundgedanke sei es gewesen, die nicht ungefährliche Anbindung der Schule mit ihrer Busanfahrt vom Aufenthalts- und Spielbereich der Kinder zu trennen. So sollten Gefahren ausgeschlossen werden.

Klaus Neisser lobte, wie Winfried Sauer, die "hohe Qualität der Süd- und Süd-West-Situation mit dem hervorragenden Fernblick bis zum Kreuzberg." Dazu wurden Rodungen durchgeführt. Aber die Kinder sollten "durchatmen können".

Nach seinen Plänen sind terrassierte Bereiche für Unterricht im Freien entstanden. Zu den Sportanlagen gehören eine 50-Meter-Bahn und ein Allwetterplatz mit Weitsprunggrube. Alles werde intensiv angenommen, freut sich der Architekt.

Ganzkörperliches Lernen

Ein Spielhügel leite über zum Spielbereich, in dem allerdings die alten Geräte wieder verwendet werden mussten. Das kann der Architekt heute noch nicht nachvollziehen. Immerhin hätten die Planer einen Schaukelkorb spendiert, "damit wenigstens ein neues Gerät da ist."

Dass alles behindertengerecht und mit einem versickerungs-freundlichen Belag gestaltet wurde, sei eine Selbstverständlichkeit, sagte Klaus Neisser. Er versteht die Aufnahme "seiner" Anlage in die Architektouren 2013 als eine Auszeichnung.

Rektor Klaus Scheuring kann das nur bestätigen. Denn Lernen finde nicht nur im Kopf statt, sondern "ganzkörperlich". Deshalb brauche die Schule solch ein Spielfeld. Allerdings fehle noch ein Sonnenschutz. Nicht bewährt habe sich der Barfußpfad. Der habe einen so hohen "Aufforderungsfaktor", die Kinder spielten ständig mit den Steinen. Der eigentliche Sinn dieses Pfades gehe verloren.

Die Architektouren 2013 finden am Samstag und Sonntag, 29. und 30. Juni, statt. Dann kann die Franz-von-Prümmer-Schule, Peter-Heil-Straße 38. außen jeweils von 14 bis 15.30 Uhr besichtigt werden. Bayernweit beteiligen sich 279 Objekte an der Aktion. Ausgewählt wurden sie von einem neunköpfigen Beirat.

Die Architektouren 2013 stehen unter dem Motto "Architektur erleben". Planer und Bauherren laden seit 18 Jahren zum Besichtigen besonders gelungener Gebäude oder Anlagen ein. Veranstalter ist die Bayerische Architektenkammer (München). Weitere Informationen: http://architektouren.byak.de.