Natürlich hat Hans Immisch "sein Haus", das er vor 40 Jahren gebaut hat, wiedererkannt. Als Architekt hat er einen Blick für Baukörper. Aber ein Patient der ersten Stunde hätte massive Probleme, das Bad Bockleter Rehabilitations- & Gesundheitszentrum, in dem er sich damals bewegt hat, wiederzuerkennen. Und das nicht nur, weil die dunklen Möbel und orangefarbenen Vorhänge, die damals der letzte Schrei waren, heute durch zeitgemäßes Mobiliar ersetzt sind, sondern weil er sich gnadenlos verlaufen würde, weil er sich auch in den Abteilungen nicht mehr zurechtfinden würde.

In seiner Begrüßung der Gäste, die gekommen waren, um den 40. Geburtstag des Klinikums zu feiern, nannte Geschäftsführer Harald Barlage den Grund: ständige Erweiterung der Indikationen, um den enger werdenden Gesundheitsmarkt mit passenden Angeboten zu bedienen und, damit einhergehend, ständige archtiketonische Erweiterungen, Umbauten, Modernisierungen.

Absturz auf 20 Prozent

Barlage berichtete von einer Erfolgsgeschichte, die allerdings nicht ganz bruchlos war: 1997, als Folge der Seehoferschen Gesundheitsreform, stürzte die Belegung des Hauses auf 20 Prozent ab.: "Das haben nicht alle Reha-Einrichtungen überstanden." Aber unter dem Strich waren die 40 Jahre doch erfolgreich: "Seit der Eröffnung unseres Hauses vor 40 Jahren haben wir mehr als 180 000 Patienten behandelt, und der Markt Bad Bocklet erhielt für über 4 Millionen Übernachtungen Kurtaxe." Ein kleiner, aber feiner Hinweis auf die wirtschaftliche Bedeutung des Klinikums für den Markt Bad Bocklet - abgesehen von den etwa 360 Arbeitsplätzen, die dort angesiedelt sind.

"Wir haben fast immer die richtigen Entscheidungen getroffen", meinte er rückblickend. Die Rückmeldungen der Patienten seien ihm Bestätigung. Wenn etwas die Erfolgsgeschichte trüben könne, dann die Politik.

Bestätigung aus München

Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml, die eigens aus München angereist war, gab ihm wenig Grund zur Besorgnis. Denn sie teilte Barlages Forderung, dass Prävention vor Reha stehen müsse : "Die Prävention ist absolut notwendig", betonte sie, "vor allem bei den Volkskrankheiten." Es müsse darum gehen, den Menschen Rüstzeug im Umgang mit den Krankheiten an die Hand zu geben: "Die Last hat zwar der Einzelne, aber die Kosten trägt die Allgemeinheit." Und sie plädierte in dem Zusammenhang dafür, auch das betriebliche Gesundheitsmanagement weiter auszubauen, auch kleinere Betriebe ins Boot zu holen.

Ein immer wichtigerer Aspekt, so die Ministerin weiter , sei die geriatrische Reha: "Die bringt wirklich etwas, weil die Menschen dadurch länger in ihren eigenen vier Wänden leben können." Luft nach oben sei noch in der Telemedizin und Digitalisierung: "Aber ich weiß, dass sie in dem Bereich hoch engagiert sind."
Ziel der Rehabilitation und Prävention sei es insgesamt, den Menschen einen längeren Verbleib oder eine schnellere Rückkehr in das Arbeitsleben zu ermöglichen. Da seien praxisnahe Projekte und eine gute Beratung gefordert.

Spendenscheck im Gepäck

Melanie Huml war natürlich umso willkommener, als sie auch München auch einen Scheck über 147.000 Euro mitgebracht hatte. Mit diesem Förderbetrag soll die neueste Einrichtung des Klinikums mitfinanziert werden, der erst vor wenigen Wopchen fertig gestellt und in Betrieb genommen wurde: ein neuer Bereich für die medizinisch-berufliche Rehabilitation, die eine neue und enge Zusammenarbeit mit der Industrie, aber auch mit der Bundeswehr bedeutet.

Eingeladen waren natürlich Vertreter der Rentenversicherungen. In ihren Ansprachen gingen sie auf Entwicklungen etwa in der psychosomatischen oder geriatrischen Rehabilitation oder die Bedeutung der medizinisch-beruflich orientierten Rehabilitation ein. Und auch wenn es nicht immer explizit gesagt wurde, ließ sich aus allen Ausführungen heraushören, dass das Klinikum Bad Bocklet genau auf dem richtigen Weg ist