Flüchtlinge müssen auch in Deutschland ihr mitgeführtes Bargeld abgeben. Grundlage dafür ist Paragraph 7a des Asylbewerber-Leistungsgesetzes, der besagt: "Von Leistungsberechtigten kann (...) Sicherheit verlangt werden, soweit Vermögen (...) vorhanden ist." Das heißt im konkreten Fall: In den Erstaufnahme-Einrichtungen oder bei der Einreise nimmt die Polizei in Bayern den Asylbewerbern jedwede Geld- und Sachwerte über 750 Euro ab. Dazu zählen laut dem evangelischen Pressedienst auch Wertgegenstände wie etwa Familienschmuck. Die Flüchtlinge bekommen eine Quittung, das Geld wird mit den Leistungen für Unterkunft, Verpflegung und Taschengeld verrechnet, bis die eingezogene Summe aufgebraucht ist.

Von den 16 500 Flüchtlingen, die im vergangenen Jahr in der Erstaufnahme-Einrichtung in Schweinfurt ankamen, waren nur einige Dutzend betroffen, sagt Johannes Hardenacke, Pressesprecher der Regierung von Unterfranken. "Die meisten, die hier ankommen, sind mittellos." In Unterfranken verwaltet die Gebühren-Abrechnungsstelle in Mellrichstadt die Gelder. "Alle Leistungen müssen wenn möglich aus eigenem Vermögen bezahlt werden", sagt Hardenacke. Auch Flüchtlinge die eine Arbeit gefunden haben, müssen dementsprechend Anteile ihres Lohnes abgeben. In Unterfranken sind dies laut Hardenacke rund fünf Prozent der Flüchtlinge.

Für Einzelpersonen oder den Haushalts-Vorstand werden für die Unterkunft rund 200 Euro pro Monat berechnet, 130 Euro für die Verpflegung. Für Kinder sind die Gebühren geringer. Auch das ausgezahlte "Taschengeld" in Höhe von derzeit 145 Euro pro Monat wird zunächst aus eigener Tasche bezahlt, wenn der Asylbewerber ein entsprechendes Vermögen mitgebracht hat. Insgesamt werden den Flüchtlingen also etwa 475 Euro pro Monat berechnet.

Davon betroffen sind alle Flüchtlinge, also auch diejenigen, die eine geringe Bleibeperspektive haben. "Auch Abschiebung kostet Geld", sagt Hardenacke. So muss gegebenenfalls auch der Rückflug ins Heimatland von den Flüchtlingen selbst bezahlt werden.