"Neun, fünf startklar!" Christopher Schumm gibt eben die Bezeichnung des Fliegers per Funk durch und schon wird das Startseil straff gezogen. Ein kurzer Ruck, eine wahnsinnige Beschleunigung und wenige Sekunden später ist die K 7 "Rhönadler" auch schon in der Luft. Ein lauter Knall. Das Seil ist ausgeklinkt. Von nun an segelt der "Rhönadler" ohne fremde Hilfe.

Zwei Mal im Jahr organisiert der Verein ein Flug-Camp für den Nachwuchs. Immer um Pfingsten herum und in der ersten Woche der Sommerferien zelten die Jugendlichen mit den Fluglehrern auf dem Flugplatz in Oberleichtersbach. Direkt neben der Landebahn.

Linda Hümmer aus Geroda ist auch dabei. Sie sitzt im Segelflieger und lässt sich gerade von Tobias Ehlert anschnallen. Die 14-Jährige überprüft noch einmal alle Instrumente und die Pedale. Sie hat bereits sechs Starts absolviert und will auf jeden Fall weiter machen bis zum Flugschein. "Mir macht das richtig Spaß", ist sie ganz begeistert. "Die Fluglehrer sind nett und geben einem viele Tipps", erzählt Linda.

Sechs Wochen bis zum Flugschein

So wie Christopher Schumm. Der ausgebildete Fluglehrer ist seit dem Jahr 2003 beim Verein "Rhönflug Bad Brückenau" aktiv. Schumm bildet die Schüler im Segelfliegen aus und unterstützt sie während des Fluges. "Vor zwei Jahren habe ich die Ausbildung zum Fluglehrer gemacht", erzählt der 26-Jährige. "Am Anfang werden die Schüler nach und nach einbezogen und irgendwann begleitet der Fluglehrer den Schüler nur noch", erzählt er weiter.

Der Verein stellt die Schulungsmaschine zur Verfügung. Etwa sechs Wochen dauert es bei regelmäßiger Teilnahme, guten Bedingungen und ärztlicher Erlaubnis bis zum ersten Alleinflug. "Das ist ein realistischer Zeitraum", sagt Gabriele Rödel, Vorsitzende des Vereins. Mitmachen können alle Jugendlichen ab 13 Jahren - wenn die Eltern einverstanden sind.

Aber auch ohne das Flug-Camp tut der Verein viel für die Nachwuchsarbeit. "Eigentlich ist es immer möglich, einen Schnupperflug zu absolvieren, wenn das Wetter passt und sowieso Flugbetrieb ist", sagt Gabriele Rödel, die Vorsitzende des Vereins. Außerdem beteiligt sich der Verein mit einem Flugtag am Ferienprogramm.
Mit einem sogenannten Schnupperkurs können Jugendliche zehn Starts zusammen mit einem Fluglehrer absolvieren. "Sie dürfen ab dem ersten Flug schon selber mit steuern, damit sie ein Gefühl für die Maschine bekommen", sagt Rödel. Danach müssen die Jugendlichen sich entscheiden, ob sie die Ausbildung bis zum Erwerb des Flugscheins fortsetzen wollen oder es dabei belassen.

Sicherheit geht vor

Das Flug-Camp startet schon früh am Morgen. Die Segelflieger werden aus dem kleinen Hangar geschoben. Draußen wartet bereits ein Bulldog, an dem ein Seil befestigt ist. Klick, die Maschine ist eingehakt und wird zur Startbahn geschleppt. "Frühs bauen wir auf, damit wir Mittags fliegen können", erzählt Linda. Die 14-Jährige zeltet die ganze Woche auf dem Flugplatz. "Abends machen wir Lagerfeuer und wenn wir Hunger haben, bestellen wir uns etwas zu Essen", sagt ihr Fluglehrer. Spaß macht es allen, aber die Sicherheit geht vor.

Ein Schüler legt den Fallschirm an. An den Oberschenkeln und Schultern wird er straff gezogen. Christopher Schumm prüft, ob alles fest ist, und erklärt, wie er funktioniert. Bisher musste aber noch keiner seinen Fallschirm benutzen. Trotzdem sollte jeder wissen, wie man ihn anwendet. Nur eine von vielen Sicherheitsmaßnahmen, die Voraussetzung sind, ist das Simulieren von verschiedensten Gefahrenlagen. "Es sollte nie eine Situation auftreten, die in der Ausbildung nicht trainiert wurde", berichtet Schumm.

85 Mitglieder hat der Verein Rhönflug Bad Brückenau. Die Altersspanne reicht von Jugendlichen bis zu den Senioren. Eines haben aber alle gemeinsam: Die Leidenschaft am Fliegen.